"Ich werde keinen Spaß haben!"

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 05. April 2013

"Ich werde keinen Spaß haben!"

"Shit. Ich hatte Spaß."

Nachdem ich vor ein paar Tagen nach JAHREN mal wieder den allerersten Sims-Teil installiert habe, weil ich einfach unerklärlich viel Bock auf Alltagssimulation hatte, den zweiten Teil nirgendwo finden konnte und Rian Sims 3 nur für Konsole bestellt hatte (...was mich übrigens nachhaltig ärgert! Ich hätte jede Woche etwas, worüber ich schreiben könnte, bei EA's schier unendlichem Add-On-Flow!), ploppte in meinem Kopf schon beim Vorfilmchen eine Idee für meinen nächsten Artikel auf: "Die Nostalgiefalle - Retro kann auch kacke sein". Na ja, oder so ähnlich.

Ich meine: Schon diese Anfangssequenz sah shitty aus. Beim Blick auf die Übersichtskarte, die Nachbarschaft, brannten mir die Augen, und als ich dann meine eigene kleine Familie erstellen wollte, schockte mich das erste Sims mit absoluter Simplizität. Was man bei den Nachfolgern alles einstellen kann! Frisur, Figur, Augenform, Abstand der Unterlippe zum Kinnfältchen, Lippenstift, Nasenhaar, Farbe der Unterhose - - - Ich könnte diese Aufzählung stundenlang fortführen. Und dann noch das immer umfangreicher werdende Charakterbasteln: Ob Familienlaufbahn, Talente oder Karma - EA erweiterte den Sims-Creator im Laufe der Jahre um so viele Dinge, dass es heute möglich ist, sich gut und gerne vier Stunden mit dem Erstellen eines einzigen Sim aufzuhalten.

Und bei Sims 1? Da gibt es 25 Charakterpunkte, die sich auf die Eigenschaften ordentlich, extrovertiert, aktiv, verspielt und nett verteilen lassen, die Auswahl zwischen Kind oder erwachsen, zwischen heller, mittlerer oder dunkler Hautfarbe und männlich/weiblich. Zudem gibt es irgendwie 20 verschiedene Köpfe und 50 verschiedene Unterkörper mit unterschiedlichen Outfits. Das war’s.

Im ersten Teil gibt es noch keine Wochenenden, sodass eigentlich nie wirklich Zeit ist, um seinen Sim mal so richtig glücklich zu machen; man kann noch keine Kinder machen und abgesehen von fressen, schlafen und ein bisschen Spaß haben die Sims keine großen Wünsche. Wenn man ein Baby adoptiert, wird einem das eigentlich immer nach zwei Tagen wieder von der Jugendamtstrulla geklaut, weil die frisch gebackenen Eltern nie rechtzeitig aus dem Bett kommen, wenn das Gör anfängt zu schreien. Die Grafik ist schlecht, das Spielprinzip gerade im ersten Teil eigentlich sehr weit davon entfernt, interessant zu sein - und trotzdem hatte ich plötzlich zwei Stunden gespielt und war bis auf den Tod beleidigt, als mir das Spiel am Ende mitteilte, es könnte mein Haus nicht speichern, warum auch immer. Und dabei waren meine Sims trotz aller Widerstände schon beide zwei Mal befördert worden, hatten schon ordentlich Fitness- und Kreativitätsfähigkeitspunkte gesammelt und der Steinweg-Flügel war gerade frisch ins Wohnzimmer eingezogen! Meh, meh, MEH!

Tja. Sims 1 verträgt sich offenbar nicht mit meinem Rechner. Jetzt kann ich gar keine Familien mehr einziehen lassen - der arme Rian Riansson wird wohl obdachlos bleiben... Einerseits ganz schön blöd, denn ich wollte eigentlich die gesamte D-Pad Redaktion in ein Haus stecken und dann wöchentlich in einem Let’s Play über die neuen Ereignisse in der Gaming-WG berichten. Wird jetzt leider nichts... Wäre aber ohnehin schwierig geworden, die einzelnen Redakteure auseinander zu halten. Rian und Jozu sind beide dunkelhaarig und tragen eine Brille - und es gibt nur einen Kopf in der Auswahl, der diese zwei Merkmale erfüllt.

Um aber jetzt mal zur Moral der Geschichte zu kommen: Die Sims 1 mag gegenüber seinen Nachfolgern absolut simpel, dumm und grafisch total überholt sein. Aber eine Sache leidet nicht darunter: der Suchtfaktor. Irgendwie bleibt das Verlangen, sich selbst oder andere in diesem Spiel zu verwirklichen, unsagbar stark. Vielleicht kann unser betriebsinterner Psychologe ja mal eine These wagen, weshalb das wohl so ist.

Ich gebe mich jedenfalls geschlagen. Was'n Glück, dass das Spiel so buggy ist. Quis

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08. Dezember 2019 um 00:04 Uhr
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