Catherine

(Artikel)
Si Sang Qu, 03. April 2013

Catherine

Schafe zählen für Profis

Vor einer Weile beklagte ich mich auf dem DPad darüber, dass man vergessen hatte über Catherine zu schreiben. Und dabei hatte Jozu mir mit seiner Preview so viel Hoffnung gemacht! Deshalb beschloss ich das Ruder selber in die Hand zu nehmen und mich nicht länger vertrösten zu lassen. Also schlug ich beim nächstbesten Schnäppchen zu und stürzte mich in die verrückte Welt von Vincent Brook, einem 32-jährigen Loser, der daran verzweifelt, dass seine langjährige Freundin Katherine mit ihm eine Familie gründen möchte.

Eines Nachts wird Vincent von schlimmen Albträumen, in denen er einen Turm voller Hindernisse erklimmen muss, heimgesucht. Eine Welt, in die er, wie er voller Erschrecken erkennen muss, jede Nacht von Neuem zurückkehrt. Gleichzeitig ereignen sich in seinem Umfeld viele Todesfälle, die wohl in Verbindung mit den seltsamen Träumen stehen, denn wer vom Turm fällt, stirbt - auch in der Realität. Richtig kompliziert wird die Sache aber erst, als Vincent zur selben Zeit die junge und höchst attraktive Catherine kennenlernt. Gerade so volljährig und um einiges promiskuitiver als seine Freundin, kann Vincent im betrunkenen und übermüdeten Zustand nicht mehr Nein sagen und beginnt eine Affäre mit ihr.

Häufig treiben Anime-Sequenzen von Studio 4°C den Plot voran.

Der geschulte Persona-Fan wird im Hauptmenü sofort erkennen, dass die Musik zum neuesten Atlus-Titel vom gleichen Mann stammt, nämlich Shoji Meguro. Auch in der Bar oder bei Videosequenzen zeigt sich sein unverwechselbarer Stil, der die Story passend untermalt. Und beim Spielen in der Albtraumwelt werden Klassik-Fans bei abgewandelten Stücken sofort aufspringen und "Hey. Das kenn' ich doch!" rufen. Dort hören aber die Parallelen zu den anderen Spielen von Atlus nicht auf, da es auch bei der Thematik Überschneidungen gibt und man einen Abstecher in die Psychologie wagt. Wo es in Persona ein zentrales Thema ist, dass Charaktere mit ihren eigenen Fehlern konfrontiert werden, hat Vincent es in seinen Albträumen nicht nur mit dem schier unendlichen Hindernisturm zu tun, sondern auch mit seinen manifestierten Ängsten, die als Endgegner fungieren. Als Katherine ihm beispielsweise offenbart, dass Nachwuchs ansteht, muss Vincent im Albtraum den Ausgang erreichen, während ihn ein Monsterbaby verfolgt, das unbedingt bei seinem "Daddy!" sein will. Es will doch nur schmusen, aber mit seinen ungeschickten Griffelchen macht es bei Berührung nur Mus aus seinem Quasi-Papa.

Gerade SMS von Catherine haben es ziemlich in sich: das Mädchen kennt keine Scham und verschickt ziemlich viele unzüchtige Bilder!
Ein wichtiges Element in Catherine sind die Wahlmöglichkeiten in Unterhaltungen, durch die man den Verlauf der Story beeinflussen kann, oder Antworten auf die SMS, die Vincent immer abends in seiner Stammkneipe empfängt - meistens von Katherine oder Catherine. Im Verlauf des Spiels erwarten unseren Hauptcharakter einige ziemlich brenzlige Situationen, in denen der Betrug beinahe auffliegt. An diesen Stellen fühlt sich Vincent besonders hin- und hergerissen zwischen der ordentlichen, langjährigen Freundin Katherine, die sich sehnlichst einen Antrag von Vincent wünscht, und der äußerst attraktiven Verführung in Form der freilebigen Catherine. Besonders da Vincent kein Freund der Heirat ist, sucht er in dieser unglücklichen Situation Ablenkung bei der mysteriösen Blondine. Mit der Zeit stellt sich allerdings heraus, dass Catherine eine dunkle, psychopathische Seite besitzt.


Die Bar "Stray Sheep" ist der Dreh- und Angelpunkt jedes Abends. Hier kann Vincent seine Zeit vor dem Schlafengehen verbringen, beispielsweise indem er seine Aufmerksamkeit einem Spielautomaten schenkt oder die Jukebox benutzt, um einige der besten Stücke von Shoji Meguro anzuhören. Atlus-Fans können sich darauf freuen, hier auch Musik aus Shin Megami Tensei oder Persona zu hören. Außerdem steht das Arcade-Spiel Rapunzel zur Verfügung, welches das nächstliche Puzzle-Gameplay leicht abwandelt.
Doch abgesehen von diesen eher seichteren Möglichkeiten, die Zeit totzuschlagen, kann Vincent auch einfach mal den Abend verlabern. Neben Unterhaltungen mit seinen Freunden kann Vincent auch mit anderen Gästen oder dem Personal reden und von ihnen das ein oder andere Indiz auf die Herkunft der Albträume ergattern. Dazu haben diese Gespräche auch große Storysignifikanz, da sich der Hauptcharakter um die Probleme seiner Mitmenschen kümmern kann, die ihm bei einem After-Work-Drink nur allzu gerne ihr Herz ausschütten. Diese Gäste werden zum Großteil von denselben Albträumen verfolgt und ihnen zuzuhören kann ihnen vielleicht im Bett später das Leben retten. Und natürlich schneit auch Catherine regelmäßig in Vincents Stammbar rein und stellt ihn so vor einige Dilemmas. Und je nachdem wie Vincent sich in solchen Gesprächen verhält, genauso wie in den Interaktionen mit seinen zwei Mädchen, erwarten den Spieler mehrere Enden.

Damit ihr aber auch eines dieser Enden zu sehen kriegt, müsst ihr die Nächte überleben. Denn wenn Vincent nach einem anstrengenden Abend ins Bett fällt, fängt der Spaß erst so richtig an. Dann kommen wir zur zweiten, wichtigen Hälfte von Catherine: den Albträumen des Protagonisten. In diesen gilt es, Blöcke zu verschieben, um sich Stufen zu bauen und einen endlos erscheinenden und mit lauter Fallen gespickten Turm zu erklimmen. Dies gestaltet sich von Level zu Level kniffliger, sodass ich teilweise sogar extra einen Profizocker einstellen musste, um mich aus meiner Misere zu befreien. Das lag hauptsächlich am Zeitlimit, welches einen unaufhaltsam unter Druck setzt. Denn man darf nicht etwa in Ruhe grübeln, welchen Block man als nächstes gemütlich heranzieht, um das nächste Stockwerk zu erreichen, sondern der Boden bricht kontinuierlich unter den Füßen hinweg, wenn man zu lange trödelt. Wer also nicht in der Lage ist, jede Sekunde, die einem das Spiel gönnt, zu nutzen, um seine nächsten Schritte vorauszuplanen, wird auf der mittleren Schwierigkeitsstufe früher oder später aufgeben müssen. Selbst Japaner sollen sich anfangs über den Schwierigkeitsgrad des Spieles beschwert haben, woraufhin der Easy-Mode hinterhergeschoben wurde.
Doch trotz der großen Herausforderung ist Catherine grundsätzlich fair. Man hat jederzeit die Möglichkeit, die letzten zehn Block-Aktionen komplett rückgängig zu machen und damit eventuelle Baufehler zu korrigieren. Einzig und alleine die Kamera wird einen manchmal ärgern, weil sie gerade in den Bosskämpfen gerne mal ein bisschen herumschwenkt und so einem für einige Momente die Sicht rauben kann. Außerdem wird empfohlen, das Spiel mit dem Steuerkreuz zu spielen, da der Analog-Stick gerade dann, wenn man präzise klettern muss, die eigenen Eingaben fehlinterpretiert, und wertvolle Sekunden kostet.


Unterwegs begegnen Vincent unterschiedliche Blocktypen: etwa normale, zerfleischende, zerbrechende oder nicht verschiebbare. Beim Klettern trifft unser Protagonist Menschen in Schafsform und muss sich selber nur mit Unterhose, Kissen und Schafshörnern gewappnet durch die Traumwelt kämpfen. Diese Kontrahenten, die meist ebenfalls hinauf wollen, zerstören unsere Bauwerke, lassen sich aber bei Kontakt auf die nächsttiefere Ebene stoßen. Zudem lassen sich auf jeder Stage praktische Dinge wie Geld, Kissen, die als Extraleben dienen, oder einmal einsetzbare Gegenstände, mit denen man sich aus haarigen Situationen herauszumogeln vermag, einsammeln. Hat der Spieler an der Spitze des Turms erst einmal die Glocke erreicht, so kann er auf einer Zwischen-Plattform speichern und sich mit anderen Leidensgenossen unterhalten. Manche wollen einfach nur aufgemuntert werden, andere bringen einem wichtige Techniken bei, ohne die eine erfolgreiche Besteigung unmöglich ist. Durch die Verbindung zur realen Welt kann es zudem sein, dass man ein Schaf trifft und am Abend den Mann hinter dem Flauschknäul in der Bar wiedererkennt.
Am Ende jeder Stage betritt Vincent eine Kirche und bekommt auf dem Beichtstuhl eine Frage an sein Gewissen gestellt und man kann seine eigene Antwort mit anderen Spielern online vergleichen.

Im Spiel werden neben dem Storymodus auch noch zwei weitere Modi namens "Babel" und "Colosseum" angeboten. Babel bietet zusätzliche Herausforderungen, die aber erst durch entsprechend gute Leistungen im Hauptspiel freigeschaltet werden. In diesem Modus ist es sogar möglich zu zweit einen Turm zu erklimmen, wobei man sich auch öfter in die Quere kommen oder versehentlich einander was verbaut, so dass der Schwierigkeitsgrad doch ein höheres Niveau hat. Es gibt nichts Schlimmeres, als seinen Partner kurz vor dem Ziel versehentlich den Turm hinunterstürzen zu lassen, was gleichbedeutend mit einem Game Over ist. Colosseum ist noch ein härteres Pflaster, welches es erst einmal durch Durchspielen des Hauptmodus freizuschalten gilt. Beides also Extras für alle, die noch nicht genug kriegen.


Alles in allem ein schräges Puzzle-Spiel mit RPG-Charakter. Allein die teils sehr langatmigen Unterhaltungen während des Spielens können auf die Dauer eure Geduld auf die Probe stellen. Aber ansonsten gibt es nicht viel zu meckern und für genug Abwechslung ist gesorgt. Nett anzusehende Cel-Shading-Grafiken, tolle Musik und eine lustige sowie verrückte Story erwarten den Spieler. Wärmstens allen Persona-Fans zu empfehlen und auch alle anderen können ruhig einen Blick in Vincents Leben riskieren. Es wird sich definitiv lohnen. Nehmt Vincents Zukunft in die Hand, helft ihm bei seinen Entscheidungen und rettet sein Leben. Er wird es euch danken! SushiCat

SushiCat ist eine unserer Gastautoren und versorgt uns dementsprechend ab und an mit Artikeln. Wenn sie Bock hat. Wenn ihr euch auch mal ohne Konsequenzen austoben wollt, dann schreibt doch einfach eure Idee an kontakt@dailydpad.de. Wenn sie uns gefällt, bekommt ihr bei der Formulierung, Strukturierung und Ausfertigung redaktionellen Support von uns und als Belohnung für den fertigen Text erhaltet ihr das lebenslange Recht darauf damit angeben zu dürfen, dass ihr einen Artikel im INTERNET veröffentlicht habt! Whoaaaaa!

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18. Mai 2021 um 19:16 Uhr
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RELEASE
10. Februar 2012
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Xbox 360
Plattform

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