I Love Phoenix Wright

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 22. Februar 2013

I Love Phoenix Wright

Liebeserklärung an meinen Handheld-Helden

Mit Apollo Justice und Miles Edgeworth – Investigations hat Rian zwar über zwei zweifellos großartige DS-Adventures berichtet, allerdings ist es meines Erachtens eine echte Schande, dass bisher nur die Sequels des gigantomanösen Anwaltsspiels einen Artikel auf dem D-Pad erhalten haben. Ja, ich gebe ja zu, dass Apollo so auch ein ganz netter Kerl ist und mit Miles Edgeworth spielte man immerhin einen alten Bekannten, aber für mich wird Phoenix Wright immer der wahre Ace Attorney sein. Er errettete mich aus meiner niedlich-kunterbunt-schnuckelig-sinnlosen Animal Crossing-Sucht. Mit ihm verteidigte ich voller Leidenschaft schwitzend und weinend meine ersten Mandanten. Mit ihm gewann ich in seiner Assistentin Maya, dem herzlich-bedröppelten Inspektor Dick Gumshoe und dem verstockten Miles Edgeworth Freunde, die mir sofort ein Lächeln auf die Lippen zaubern, wenn ich nach Jahren der Abstinenz wieder den DS zur Hand nehme...

Das ist vorerst genug Lobhudelei. Erst mal zum Spiel:

Der heutige Header wurde zusammengestellt von Chibidoodles.
Ihr spielt Phoenix Wright, einen zunächst noch etwas naiven, ungeübten Anwalt in den 20ern mit modisch zweifelhafter Igelfrisur; einen Idealisten, der für Gerechtigkeit kämpft und dafür, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Unterstützt wird er dabei von seiner erst 18 Jahre jungen Assistentin Maya, die nicht nur bemerkenswert viele Hamburger verschlingen kann und äußerst seltsam gekleidet ist, sondern auch über mediale Fähigkeiten verfügt, die in den nervenaufreibenden Gerichtsverhandlungen immer wieder eine große Hilfe sind. Allerdings schleppt sie auch den einen oder anderen Mandanten an, dessen Unschuldsbekundungen auf den ersten Blick wirklich schwer zu glauben sind. Überhaupt ist es manchmal gar nicht so einfach, den Angeklagten uneingeschränkt zu vertrauen, denn nebst Steel-Samurais, Magiern, Medien und dem einen oder anderen Staatsanwalt verirren sich ständig irgendwelche Kuriositäten unter die Fittiche des "Ace Attorneys".

Auf der Suche nach der Wahrheit gilt es, im – ich nenne ihn mal so - "Adventure-Mode" an den unterschiedlichsten Schauplätzen Zeugenaussagen und Indizien zu sammeln, die in der anschließenden Gerichtsverhandlung Widersprüche in den Aussagen der vorgeladenen Zeugen aufdecken. Mit einem inbrünstigen "EINSPRUCH!" präsentiert ihr eure Beweise – und hofft darauf, dass die zum Teil wirklich kaltherzigen Staatsanwälte nicht noch ein besseres Ass im Ärmel haben und ihr keinem Denkfehler aufgesessen seid, denn dann hagelt es ganz schnell Konventionalstrafen oder gleich einen Schuldspruch.

Die Fälle sind der Schwierigkeit nach gestaffelt (jeder Teil hat vier bis fünf Episoden) und zum Teil wirklich undurchsichtig, verwirrend und knifflig, vor allem weil ein aufgedeckter Widerspruch die bisher angenommene Theorie komplett über den Haufen werfen kann. Es gilt, um Ecken zu denken, das Abwegige anzunehmen und dabei konzentriert zu bleiben, und das bei einer manchmal fast unaushaltbaren Spannung, die auch dem fantastischen Soundtrack zu verdanken ist: In einem Moment ist die Musik euphorisch, Phoenix feixt mit ausgestrecktem Arm fingerzeigend und überlegen Richtung Staatsanwaltschaft. Dann: Blick auf den Staatsanwalt. Stille. Kopfschütteln. Und dann hörst du es, dieses unheilvolle Vibrato, und du weißt: Du bist gerade direkt in seine fein säuberlich gestellte Falle getappt...

Die Fälle sind zum Teil fast absurd, aber dann doch wieder so gut durchdacht, dass es einem beim Spielen die Schuhe ausziehen kann. Besonders großartig finde ich, dass innerhalb der ersten drei Teile immer wieder ein neues Puzzleteil eines größeren Mysteriums aufgedeckt wird, dessen Episoden nicht nur besonders spannend zu lösen sind, sondern in welchen auch die Phoenix‘ (und somit dem Spieler) am nächsten stehende Personen involviert sind. Da ergreift dann das Fieber erst so richtig Besitz von einem! Haaaaah, und dann diese Erleichterung, wenn dem entscheidenden Zeugen endlich das Lächeln entfleucht und die Fassade platzt, einfach großartig! Da wird aus der putzigsten rosa Katzentussi plötzlich ein hässliches, glubschäugiges Monster!

Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass es vorkommen kann, dass man selbst schneller durchschaut, was vor sich geht, als das Spiel es vorgesehen hat, und man deshalb unter den richtigen Annahmen einen Beweis vorlegt, der erst später oder an anderer Stelle ins Feld geführt werden soll. Mit der Zeit entwickelt sich da allerdings eine Art "Feeling" für, und bei ganz großer Verzweiflung hilft ja immer noch ein Blick in die Kompl*räusper*sung.

Fazit: Die Ace-Attorney-Reihe vereinigt alles in sich, was ich an einem guten Spiel liebe: das Adventure-typische Untersuchen und Kombinieren, einen zum Teil wirklich absurden Humor, spannende Geschichten mit ungeahnten Story-Twists, unzählige sehr liebevolle oder "spezielle" Charaktere, einen fantabulösen, stimmungsgeladenen Soundtrack und schlussendlich das Visual-Novel-typische Identifikationspotential. Man sieht die Welt durch Phoenix‘ Augen, erfährt seine Gedanken, seine Gefühle, seine Verzweiflung, wenn er einen guten Freund vor der Verurteilung retten muss und eigentlich nichts in der Hand hat, und der ein oder andere Fall versetzte mich so in emotionalen Aufruhr, dass die Tränchen kullerten - aus Wut, Sorge oder purer Erleichterung.

Für mich gibt es für alle drei Teile eine absolute Spielempfehlung. Jeder einzelne fesselt einen mehr als fünfzehn Stunden an den DS, hat spannende und weniger spannende Fälle, aber alle drei ergeben vom der Geschichte her ein großes Ganzes.

Ich vermisse dich, Phoenix. Quis

Kommentare

Rian
22. Februar 2013 um 21:30 Uhr (#1)
Ich stimme dir zu, alle Phoenix-Wright-Spiele sind großartig. ABER der erste und Apollo Justice sind die besten. Das lag in erster Linie für mich an dem von dir genannten Punkt, dass man offensichtliche Beweise nur zu einem sehr speziellen Zeitpunkt vorlegen kann, was in den mittleren Spielen gefühlt auf die Spitze getrieben wurde. Zum anderen aber auch, weil die Fälle in Trials and Tribulations und Justice for All sehr mystisch werden und sich die Schreiberlinge einfach nur Hokuspokus aus dem Hintern gezogen haben, um sich aus irgendwelchen Plotholes wieder hinaus zu baldowern. Besonders der letzte Fall in Justice for All stößt mir immer noch übelst auf. Ich glaube, ich habe vorher noch nie meinen DS angeschrien. Da kam ich mit der zumindest größtenteils in der Realität geerdeten Logik von 1 und Apollo wesentlich besser klar.
Jozu
23. Februar 2013 um 18:33 Uhr (#2)
Sehe ich auch so
Kristin
25. Februar 2013 um 13:52 Uhr (#3)
Hm, die Kritik an der Mystik kann ich nicht nachvollziehen, genauso wenig die Sache mit den Plotholes.
Schon der erste Phoenix Wright - Teil befasst sich in einem der Fälle mit der Geisterbeschwörung und es deutet sich schon an, dass der "Fall DL6" noch viele Geheimnisse birgt, die innerhalb der nächsten Teile aufzuklären sind - allerdings gewinnt die Geisterthematik auch in den Fortsetzungen niemals die Oberhand.
Es mag euch anders in Erinnerung sein, aber tatsächlich gibt es in "Justice For All" nur einen einzigen Fall, der mit Geisterbeschwörung zu tun hat. Zudem finde ich - vor allem nach mehrmaligem Spielen, am Anfang ist die Thematik schon verwirrend - auch diese Fälle sehr gut durchdacht und logisch.
Man muss sich eben auf die Thematik einlassen können und wollen.
An Teil 3 erinnere ich mich nicht mehr in allen Einzelheiten; da aber hier der Geisterfall gelöst wird, ist es logisch, dass hier das Mystische noch einmal einen Höhepunkt erfährt. Ich werde noch mal detailliert berichten.
Jozu
25. Februar 2013 um 18:00 Uhr (#4)
Ich müsste sie wahrscheinlich auch noch mal spielen - Ich spielte sie ja in einer etwas merkwürdigen Reihenfolge ^^ - Trotzdem blieben mir der erste und Apollo als die beiden Besten in Erinnerung.
Gast
15. Dezember 2019 um 15:29 Uhr
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