Aliens: Colonial Marines

(Artikel)
Benjamin Strobel, 17. Februar 2013

Aliens: Colonial Marines

Ballern statt gruseln

Die Alien-Filme zählen trotz wechselnder Qualität zu den Klassikern im Space-Horror-Genre. Ridley Scott hat mit seinen bizarren Kreaturen unsere Vorstellung von Außerirdischen nachhaltig beeinflusst. Wenn ich so einen glitschigen, großen Alien sehe, wie er sein ekliges Maul aufreißt und Säure von seinen Reißzähnen tropft, bin ich ernsthaft verstört. Die Aliens sind gefährliche Jäger - sie sind rücksichtslos und gefühlskalt, aber hochintelligent. Sie gehen keinen fairen Kampf ein, sondern kriechen durch die Dunkelheit und spucken ihren Opfern Säure ins Gesicht. Wenn man sie sieht, möchte man rennen.

Wenn ich die neuste Versoftung der Filmreihe vor mir sehe, geht es mir genauso. Aliens: Colonial Marines bringt mit dem Filmhintergrund die besten Voraussetzungen mit, ein Horror-Spektakel zu werden. Es nutzt leider keine dieser Möglichkeiten. Es ist mit Leib und Seele ein Shooter und alles, was es den Filmen entlehnt, sind enge Raumschiffskorridore, die es zu Schlauchlevels aneinander kettet. Das Intro des Spiels lenkt durch seine Form leider völlig vom Inhalt ab: Nach der ersten Cutscene hat mich die Story schon abgehängt. Die Figuren tragen ihre Anliegen starren Blickes vor und verziehen keine Miene, wenn es in den Kampf gegen Aliens geht. Die Gesichter sind spärlich animiert, an Augenbewegung fehlt es völlig. Lippensynchrone Sprachausgabe ist selbst im englischen Original nicht zu erwarten. Die Texturen wiederholen sich ständig und hinter jeder Ecke warten bunte Schaltflächen und leuchtende Monitore, die direkt aus dem 2000er Aliens VS. Predator gerippt sein könnten. Das ist kein guter Trash, über den man herzlich lachen könnte. Es ist einfach nur schäbig.

Geschickt: Den offiziellen Screenshots sieht man die grausame Optik nicht an.

In der Haut eines Marines kämpft der Spieler rund sechs Stunden lang gegen Aliens und menschliche Feinde, dann rollen die Credits über den Bildschirm. Diese sechs Stunden können allein sehr anstrengend werden. Aliens stürmen zu Hauf auf den Spieler zu - wie sie über Wände und an Decken krabbeln, muss wirklich gelobt werden - und holen den Spieler auch gern mal von hinten. Ein spezielles Radar muss man per Knopfdruck erst ausrüsten, während man gleichzeitig die Waffe wegsteckt. Tapst man durchs Dunkel und wird ab und zu von einem Feind aufgeschreckt, ist diese Mechanik wirklich sehr nett, aber bei größeren Kämpfen hat man selten Zeit, es auszupacken und muss so manches Mal Schaden einstecken, bevor man alle Feinde entdeckt hat. Dass Aliens dabei euch gern mal durch Wände und Objekte glitchen, macht den Kampf umso frustrierender. Einen Ausgleich gibt es durch den Ko-op-Modus (zu zweit im Splitscreen oder online zu viert), denn hier kann man sich gegenseitig beschützen. Gefallene Kameraden können in einem kleinen Zeitfenster in bester Gears-of-War-Manier wiederbelebt werden und beenden nicht sofort das Spiel. Wird ein Mitspieler aber nicht schnell genug gerettet, muss er solange aussetzen, bis die übrigen Spieler es zum nächsten Checkpoint schaffen oder ebenfalls den Löffel abgeben.
Zu weiteren Bugs zählt das Verschwinden der Waffe aus dem Primärslot und das Festhängen in anderen Spielobjekten. Level, in denen man trotz Taschenlampe so wenig erkennt, dass man ständig gegen Wände läuft, sind zwar kein Bug, aber ziemlich mieses Design.

Viele Aliens, wenig Horror.

Ob im Kampf oder dazwischen, das Spiel behält die Zügel fest in der Hand. Selten gibt es mehr als einen Weg und in regelmäßigen Abständen wird der Spieler an Türen ausgebremst, die nur von NPCs geöffnet werden können. Freiheiten erhält er dagegen in der Wahl seiner Ausstattung: Für das Abschließen von Levels und verschiedenen Challenges gibt es Erfahrungspunkte und Levelaufstiege. Mit jedem Level werden neue Waffen und Upgrades freigeschaltet, die man sich dazukaufen kann. Auch wenn die Wahl der Waffen eher vom Geschmack des Spielers abhängt und nur selten auf die Spielsituation abgestimmt werden muss, macht das Upgraden Spaß und motiviert auch über die Längen des Spiels hinweg zum Weiterspielen. Sehr schön ist dabei auch, dass der Fortschritt sich in den Multiplayer-Modus überträgt und umgekehrt. Spielt man die Kampagne also zuerst durch, geht man gut bewaffnet ins Deathmatch. Natürlich gilt das nur für die Seite der Marines - für die Gegenseite der Aliens startet man bei null und muss sich die Upgrades für drei verschiedene Klassen im Versus-Modus dazu verdienen. Positiv fällt bei den Mehrspielermodi auf, dass eine gute Balance zwischen Aliens und Marines herrscht. Während die Menschen ihr Radar mitbringen, können die Außerirdischen ihre Feinde auf große Entfernung und durch Wände sehen. Die Menschen können sich mit verschiedenen Waffen ausrüsten und mit Minen schützen, die Aliens haben die Wahl zwischen Nah- und Fernkämpfern sowie einer Klasse von springenden Angreifern, die schnell große Entfernungen zurücklegen können.
Das Spielprinzip unterscheidet sich für beide Seiten sehr. Die Menschen müssen versuchen, sich in Gruppen zusammenzurotten, gute Verteidigungspositionen zu errichten und sich gegenseitig zu unterstützen. Die Aliens fahren ein andere Strategie. Ihre Aufgabe ist es, einzelne Spieler von der Gruppe zu isolieren und dann wegzupflücken. Im offenen Kampf haben sie eher den Nachteil, da sie sehr schnell sterben. Die kompetitiven Modi haben mir sehr gut gefallen, waren aber ebenfalls von Bugs gezeichnet. Manchmal wurde meine Spielfigur völlig lahmgelegt, was anhielt, bis ich abgeschossen wurde. Einen Patch gab es bereits, aber viele Probleme bestehen weiterhin.

Sparangebot: Spart euch das Spiel, euer Geld und den Ärger mit nervigen Bugs.

Ich habe das heutige Titelbild ausgewählt, weil es das Spiel sehr gut zusammenfasst: ein Haufen Marines feuert mir großen Wummen auf Aliens. Es ist nichts Gruseliges daran, immer neue Alienwellen niederzumetzeln. Anstatt die Filmvorlage und das Horror-Genre für sich zu nutzen, straft Colonial Marines beides mit Ignoranz und platziert sich im Shooter-Sektor zwischen generisch und langweilig. Einzig der Ko-op-Modus macht aus den Mittelklasse-Standards ein erträgliches Intermezzo. Es könnte einem Schlimmeres passieren als dieses Spiel, aber es wäre auch keine Krux, es zu verpassen. Man kann nur hoffen, dass Gearbox einen weiteren Patch vorbereitet, der die verbleibenden Fehler behebt. Bis dahin, und vor allem zum Vollpreis, lohnt Colonial Marines sich nicht. Nex

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13. Dezember 2019 um 10:07 Uhr
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