Infected - Finde Theresa Morrisey

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 19. Januar 2013

Infected - Finde Theresa Morrisey

"Wo ist Walter?", Horror-Edition

Daily-D-Pad-Redakteur oder -Redakteurin zu sein erweitert den Spielehorizont ganz gewaltig. Das kann ich nach den zwei Monaten, die ich nun hier schreibe, sicher sagen. Anstatt auf die medial gepushten und von Gamingsites bestbewerteten Spiele zu warten und zu sparen, können wir einfach alles bestellen, was irgendwie interessant klingt. Das Problem ist nur, dass wir die Sachen dann auch immer spielen und darüber schreiben müssen. Selbst wenn das Spiel, das hier und dort im Internet als Adventure ausgewiesen wird, sich am Ende als "spannender Wimmelbild-Thriller" entpuppt. Aber wisst ihr was? Ich hatte trotzdem irgendwie Spaß mit Infected – Finde Theresa Morrisey!

So sieht der Suchbildmodus bei Infected aus: Die Liste verrät, wonach man sucht. Weiße Gegenstände können sofort gefunden werden, um an die gelben zu gelangen, wird ein bereits gefundener Gegenstand benötigt.

Warum das so ist, weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Normalerweise dreh ich durch, wenn ich in meinem Zimmer stehe und mal wieder meine Brille nicht finde. Oder mein Handy. Oder meinen Strumpf. Vielleicht ist es die absolute Gewissheit, dass sich das, wonach man sucht, tatsächlich auch in genau dem Raum befindet, in dem man steht, die das Spiel trotzdem angenehm macht. Und außerdem gibt es am rechten unteren Bildschirmrand ein gold-leuchtendes Flügelzepter: Ein Klick darauf und schon erstrahlt der gesuchte Gegenstand in strahlendem, gelbem Glanz. Herrlich.

Uaaah! *shudder* Die Macher von Infected schafften es immer wieder, mir die eine oder andere klitzekleine Gänsehaut über den Rücken zu jagen.

Vielleicht liegt es aber auch an der wirklich gelungenen, finsteren Atmosphäre, die das Spiel mir zu vermitteln schaffte: Die Geschichte spielt im mittlerweile menschenleeren - weil durch einen unheilvollen Killer-Virus infizierten - Oxford. Die kleine Theresa Morrisey ist die Einzige, die sich gegen die Krankheit als immun herausgestellt hat und könnte den Wissenschaftlern bei der Suche nach einem Gegenmittel von großem Nutzen sein, doch sie ist leider verschwunden. Also kämpfen wir uns, begleitet von doch recht bedrückend-bedrohlicher Musik, durch verlassene Straßen und leer stehende, einsame Häuser, um nach ihr zu suchen. Einer ist von unserer Hartnäckigkeit allerdings gar nicht begeistert: der Gasmaskenmann! Er steht plötzlich vor uns, droht uns mit dem Tod und legt uns Hindernisse in den Weg, die es mit Hilfe unserer Wimmelbildskills zu überwinden gilt.

Zu Beginn des Spiels konnte ich über die Rätsel, die sich mir auf meiner Suche stellten, nur mit schmerzverzerrten Lippen den Kopf schütteln. Aber dann verstand ich, dass es bei Wimmelbildspielen nicht auf logische Kombinationsgabe ankommt, sondern einzig und allein aufs Finden, Einsammeln und irgendwo Einsetzen. Es ist nicht logisch, dass eine Stromzufuhr wieder funktioniert, nur weil man das fehlende "Caution! High Voltage!"-Schild wieder an die Säule pappt, wo es fehlte. Es ist auch nicht logisch, dass dieses Schild in einer Kiste versteckt ist, die hundert Meter weiter in einem Schuppen steht. Es ist nicht logisch, dass sich der Schlüssel für diese Kiste in einem Blumentopf versteckt hält und dass ich ihn erlange, indem ich Blumensaat und Wasser hinein gieße und ihn schließlich von der spontan gewachsenen Blume pflücke. Ich wusste aber trotzdem instinktiv, was zu tun war – und ich bin mir sicher, das würde auch jedem von euch so gehen! Das stumpfe Sachensuchen und komplett irrationale Kombinieren fällt einem nämlich leichter als manches Monkey-Island-Rätsel, bei denen man zwar stets davon ausgeht, dass es rationale Lösungen gäbe, sich am Ende aber doch nur das rein willkürliche Handeln als Lösung herausstellt.

Während des Spiels steht der Spieler immer wieder äußerst außergewöhnlichen Problemen gegenüber...

Infected liefert einem einfach keinen Grund, sich über so abwegige Lösungswege wie "Vertreibe die Hornissen, die 30 Zentimeter vor deinem Kopf herumfliegen, mit dem Gartenschlauch" aufzuregen, denn so lebensmüde und quer gedacht das auch ist: man probiert es erst einmal aus. Man probiert es aus, es klappt, man stutzt und spielt weiter. Und Ruckzuck sind zwei Stunden um, das Spiel ist vorbei und man fragt sich, ob man wirklich neugierig genug ist, das Sequel, auf das alle Zeichen hindeuten, auch noch zu spielen...

Zu lösen sind auch einige Mini-Games, deren Schwierigkeit mitunter stark variieren kann. Einfache Ergänzungs- oder Verschiebe-Rätsel, wie ihr hier eines seht, sind allerdings der Regelfall.

Ich glaube nicht, dass ihr in den Genuss kommen werdet, von mir nochmals über ein Wimmelbildspiel zu lesen. Letztendlich bin ich auch bei den richtigen Adventures noch nie ein großer Fan von Item-Tracking und Mini-Spielen gewesen. Ein Hoch auf Hot Spots und die Überspringen-Funktion! Trotzdem bereue ich es nicht, gerade mit Infected den Einstieg in ein Genre getan zu haben, das eigentlich aus nichts anderem besteht, denn die Kulissen sind hübsch anzusehen, die Sprecher sind gut ausgewählt und die Atmosphäre ist wirklich gelungen unheimlich. Da kann man sagen, was man will. Quis

Ach ja: Zu guter Letzt noch eine Rüge an play+smile: Die Vorderseite der Spielehülle verspricht, es sei komplett in Deutsch. Verbreitet doch nicht solche Lügen. Es ist komplett deutsch untertitelt und zum Teil auch noch fehlerhaft übersetzt. Das Präteritum von "genesen" ist "genas", nicht "geneste".

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19. August 2019 um 10:21 Uhr
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