DDP Game of the Year 2012

(Artikel)
Rian Voß, 01. Januar 2013

DDP Game of the Year 2012

This ain't no place for no OVERGAME

Natürlich haben auch wir uns dieses Jahr wieder ordentlich gekeilt, welche Spiele 2012 denn als die BESTEN, HÄRTESTEN, GRÖßTEN gelten dürften. Unser Langzeitziel ist es ja, eine Herrenrasse von Videospielen zu züchten, die sich ordentlich vermehren und durch Kreuzung nur noch GOTYs erzeugen - und ich denke, wir sind auf dem besten Weg. Nicht so wie manche Entwickler, bei denen die einst güldenen Franchises schon seit einer ganzen Weile an Inzucht-Depression leiden und es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie durch die neue Gattung, das Überspiel, abgelöst werden. Apropos Überspiel: Wir haben aus unseren zehn Favoriten natürlich auch wieder ein OVERGAME bestimmt, welches alle anderen noch mal in die Tasche steckt, und wenn ihr supercool seid, dann habt ihr am Untertitel schon erkannt, welches das ist. Vorhang auf, Manege frei!

FEZ
Das Kopfkind von Polytron ist einzigartig und gleichzeitig herrliche nostalgisch. Als 2D-Männchen Gomez erhält man die Fähigkeit, sich im 3D-Raum in 90°-Schritten zu drehen. Das ist noch nichts Besonderes; die Suche nach den 64 Würfeln allerdings schon, denn hier fließt das Beste von Generationen an Plattforming-Spielen hinein. Ohne dass sich jemals ein Feind blicken lässt, muss Gomez in seiner knuffigen Welt viele Rätsel knacken, bei denen auch das Hirn des Spielers seine üblichen Dimensionen verlassen muss und eine Menge Glückshormone ausschüttet, wenn man so eine fiese Kopfnuss endlich geknackt hat. Und jeder mag Glückshormone! Rian

Guild Wars 2
Eigentlich hatte ich den MMORPGs schon länger entsagt. Ich habe mich zwar immer noch damit beschäftigt und ab und an mal in welche reingeschaut, aber wirklich aktiv gespielt habe ich nichts mehr. Und dann kam Guild Wars 2. Guild Wars 2 macht vieles anders als andere MMORPGs heutzutage - und ich approvierte hart. Downscaling, damit man mit seinen Low Level Kollegen auf einer Stufe ist und sie sich nicht schlecher fühlen – gut! Nich auf andere Spieler angewiesen sein, um voran zu kommen – gut! Starke Storylastigkeit und für jeden Char eine persönliche Geschichte – gut! Dungeons, die in diesem eher auf Casual ausgelegten Spiel eine wirkliche Herausforderung darstellen – gut! Verschiedenste Wege, um an Erfahrung heran zu kommen ohne stundenlang zu grinden – gut! Free to Play in der besten Umsetzung, die ich je gesehen habe – sehr gut! Fehlender End-Game Content, um einen am Ball zu halten, wenn man die Story durch hat – nicht so gut... Aber solange es hält, ist es ein grandioses MMORPG. Und vielleicht ist es auch gut, dass es keinen/wenig End-Game Content gibt, sonst säße ich wahrscheinlich immer noch daran statt hier an dem Artikel. Jozu

Dishonored
Dishonored hat dieses Jahr alles richtig gemacht und einen großen Beitrag im Stealth-Genre geleistet. Das Spiel konnte außerdem zeigen, dass lineare Spiele mit halboffenen Welten und levelbasiertem Aufbau noch nicht zum alten Eisen gehören - wenn man es richtig macht. Dishonored wartet nicht mit plumpen Entscheidungsfragen auf, sondern bietet ständig Möglichkeiten an und überlässt alles weitere dem Spieler. Jedes Level ist wie ein neuer Sandkasten, deren Spielsachen man explorieren möchte. Und das Beste? Töten ist völlig optional. Wenn der Spieler es will, erzählt Dishonored die Geschichte von Verrat und Rache völlig ohne Blutvergießen. Nex

The Walking Dead
The Walking Dead ist eines dieser Spiele, die mir fast entgangen wären. Nicht, dass mich die Thematik nicht gereizt hätte, mochte ich doch auch den Comic sehr, aber meine leichte Abneigung gegenüber Adventures verhinderte, dass ich früh zuschlug. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer und ich bin froh, durch den Weihnachtssale auf Xbox Live nicht diese Perle verpasst zu haben. Denn The Walking Dead zeigt eindrucksvoll, wie viel Potential in dem Medium der Videospiele steckt, indem es geschickt die Welten überbrückt zwischen passiv und aktiv konsumierten Medien. Weil man selbst die Entscheidungen trifft, bestimmt, wer Nahrungs-Rationen in Hungerszeiten kriegt, wessen Leben in kritischen Situationen einem persönlich wichtiger ist, ob man mit dem kleinen Jungen einklatscht, treffen einen die Wendungen und die Geschichte härter, als in einer normalen Serie, weil man sich vor seinem eigenen Gewissen zu verantworten hat. Gleichzeitig wird aber durch die im Vergleich zu üblichen Spielen sehr rigidige Struktur der Geschichte erst der nötige Platz gegeben, damit sie sich voll entfalten kann und den Spieler deswegen mehr mitreißt. Das Endresultat ist ein hochspannendes Abenteuer von der ersten bis zur letzten Minute, das einen einfach nicht loslassen will, bis man es durchgespielt hat. Und sofort im Anschluss beginnt das Warten auf Staffel 2. Ein langes, grausames Warten. Aber wenn TWD: Season 1 auch nur ein kleiner Indikator auf die Qualität der Fortsetzung ist, dann wird sich die Wartezeit mehr als nur lohnen. Evil

Mass Effect 3
Nächster auf der Liste ist Mass Effect 3. Weil Mass Effect. Auch wenn viele das Ende nicht mochten. Ich fand es angemessen. Und wer nach dem Update mit dem Ende immer noch nicht zufrieden ist, ist selber Schuld ;). Jozu

Spec Ops: The Line
Die letzten Jahre kamen viele Shooter auf den Markt, die mit amerikanischem Patriotismus und Heroismus bis zum Erbrechen zugepflastert waren. Für ein wenig hirnlosen Spaß reicht diese Kriegspropaganda aus, jedoch erschien 2012 ein Spiel von einem kleinen, deutschen Entwickler, das einen krassen Gegenpol zu dieser Art von Shooter bildet. Spec Ops: The Line zeigt den Krieg in seiner abartigsten Form ohne auch irgendetwas zu beschönigen. Es ist eine Einsicht in den Verstand eines Soldaten, der durch seine Handlungen gebrochen wurde. Die dreckige Realität des Krieges ist alles andere als glorreich, sobald man mit Kriegstrauma, Schuld und sich selbst als Monster konfrontiert wird. Auch wenn das Spiel sich Gameplay-technisch nicht stark von anderen erfolgreichen Third-Person-Shootern absetzt, macht die hervorragende Präsentation und die dunkle Story den Titel zu einem Muss!
Leider schafften wir es noch nicht einen Artikel zu diesem Spiel zu verfassen, dieser sollte jedoch in demnächst erscheinen. Undead

Sleeping Dogs
Ein regelrechter Underdog, der es in diesem Jahr aus dem Nichts nach ganz oben geschafft hat. Aus der Leiche von True Crime ist Sleeping Dogs wie ein Phönix aus der Asche aufgefahren. Der Open-World-Allrounder zeigt einmal mehr, dass alles zu Gold wird, was Square-Enix in die Hand nimmt. Die moralische Struktur der Geschichte ist ebenso vielseitig wie das abwechslungsreiche Gameplay. Verfolgungsjagden zu Fuß, zur See oder im Auto wechseln sich mit Erkundung und Exploration ab, es gibt ein umfangreiches Nahkampfystem ebenso wie zahlreiche Feuerwaffen. Sleeping Dogs zeichnet ein Hongkong, in dem es niemals langweilig wird. Nex

Halo 4
Bei einem Entwicklerwechsel ist immer gesunde Skepsis angebracht, und als Bungie endgültig den Halo-Stab an 343 Industries weiterreichte, wären die meisten Fans wohl schon zufrieden gewesen, wenn die neuen Entwickler sich bemüht hätten, der alten Linie bloß treu zu bleiben. Hätte man ihnen stattdessen gezwitschert, dass 343i noch das ein oder andere Risiko wagen würden, wäre die Angst groß gewesen. Und vollkommen unbegründet, denn gerade die Aspekte des Spiels, die von Bungies Standard abweichen, sind fast immer besser. Die Story wird im Ansatz endlich dem großartigen Universum gerecht, Spartan Ops zeigt viel Potenzial und der etwas an CoD angeglichene Multiplayer ist den Vorgängern doch klar überlegen. Zudem ist man im Bereich Sound und Grafik einen großen Schritt vorwärts gegangen. Das Resultat ist, abseits vom Soundtrack, das beste Halo dieser Konsolengeneration und damit ein Must Have für jeden Action-Fan. Evil

Chaos auf Deponia
Mit Chaos auf Deponia haben Poki und sein Team von Daedalic Entertainment ihren Platz auf dem Adventureolymp mal wieder glorreich verteidigt. Das Studio liefert Jahr für Jahr mindestens einen Titel, dem ganz zu Recht mit größter Euphorie entgegengefiebert werden darf. Nachdem schon Edna Bricht Aus, Harveys neue Augen und Deponia verdientermaßen sämtliche Adventure-Auszeichnungen abgestaubt haben, hat das Entwicklerstudio mit Chaos auf Deponia tatsächlich noch eine Schippe in Sachen Rätseldesign und Storytelling drauf gelegt und mir mit seinem absurden Humor regelmäßig überschwängliche Quietscher entlockt. Für mich ist Goodbye, Deponia, der letzte Teil der Trilogie, der im Herbst erscheinen wird, jetzt schon heimliches Spiel des Jahres 2013. Quis

Und bevor wir das Overgame vorstellen, hier noch einmal schnell unsere Runner-Ups, die es dieses Jahr knapp (oder aus anderen Gründen) nicht in die Top 10 geschafft haben:

Rian
Natürlich konnte ich trotz noch so vieler Bestechungen nicht alle meine Wunschtitel in die Top 10 wiederfinden. Katawa Shoujo, als herausragende Visual Novel, musste trotz seines Erstschlags zu Beginn des Jahres und meiner sehr emotionalen Beziehung zur armlosen Rin leider auf der Strecke bleiben. Gravity Rush ist, meiner Erfahrung nach, das beste PS-Vita-Spiel bisher und verdient zumindest hier noch seinen Platz. Der Download-Titel Spelunky macht einen Mordsspaß bei einem krassen Herausforderungsgrad - je mehr Spieler, desto schlimmer! DayZ, die Mod für ArmA II, ist leider immer noch nicht fertig, treibt einem aber in Gegenwart von anderen Spielern und Zombies den Schweiß auf die Stirn und zeigt, dass auch Survival-Spiele mit Multiplayer bestens funktionieren können. Und Dark Souls: Artorias of the Abyss ist wohl der umfangreichste und beste DLC ever, den PC-Spieler außerdem in ihrer Prepare To Die Edition automatisch vorfinden.

Nex
Obwohl die wichtigsten meiner persönlichen Top-Titel es auch in unsere Liste geschafft haben, weine ich doch um ein paar Indie-Titel, die vielleicht einen Platz hier verdient hätten. Mark of the Ninja ist das beste 2D-Stealth-Spiel, das ich je gesehen habe und ich habe noch nie so wahnsinnig Highscores gejagt wie bei Super Hexagon. Auf der PS Vita konnten mich Sound Shapes und Gravity Rush zwar fesseln, aber zum Spiel des Jahres fehlte dann doch etwas.

Evil
Für mich persönlich war die Entscheidung dieses Jahr schwerer als letztes, gerade auch weil im Indie-Bereich mir mehr Spiele ins Augen stachen, einige meiner Lieblingsspiele würdige Nachfolger erhielten und es für mich zudem viele Überraschungshits gab, mit denen ich vorher gar nicht rechnete. Dust: An Elysian Tail verdient Respekt schon alleine dafür, dass es fast komplett von einem Mann entwickelt wurde, und ist zudem der beste Vertreter des Metroidvania-Genres seit Shadow Complex. Aber auch andere XBLA-Spiele konnten begeistern: Mark of the Ninja ist ein wunderbares Stealth-Abenteuer in 2D-Perspektive, Spelunky hat den Charme alter Spielhallenautomaten und wird dank des Co-ops immer wieder gerne gespielt. Bei den großen Spielen war Far Cry 3 nach den ersten 10 Spielstunden für meine persönliche Top 5 vorgemerkt. Doch leider verliert das Spiel in der zweiten Hälfte viel vom Erforschungs-Faktor und scheint euch dafür immer mehr in die Fußstapfen von John Rambo zu drängen, was Non-Stop-Action bedeutet -- und einfach nicht zum Rest des Spiels passt. Überraschend war hingegen die Schwäche der traditionellen Mobil-Plattformen: sowohl Vita als auch 3DS geizten mit richtig guten Spielen. Gravity Rush sticht dort noch am ehesten aus der Masse heraus, gerade durch seinen Stil, während Persona 4 Golden mein persönliches GOTY geworden wäre, aber leider erst Ende Februar in Europa erscheint. Erfahrt aber diesen Monat in einem Import-Review, wieso nicht nur jeder Vita-Besitzer das Spiel haben muss, sondern auch wieso ihr es am 1.1.2014 wiedersehen werdet!

Jozu
Dieses Jahr spielte ich leider weitaus weniger, als ich wollte. Nicht unbedingt vom Zeitaspekt aus gesehen, sondern es blieb einfach viel auf der Strecke. Ähnlich wie Dan, hätte ich zum Beispiel echt gerne XCOM in der Liste gesehen, was ich aber nur auf der GamesCom spielte. Auch Far Cry 3 und Assassins Creed 3 haben es leider noch nicht in meine Konsole geschafft, obwohl sie sehr gut sein sollen. Und Katawa Shoujo kam dann im letzten Augenblick auch nicht auf DIE Liste. Leider spielte ich Pokémon B2/W2 noch nicht genug, um beurteilen zu können, ob es auf die Liste gehört oder nicht, aber ich gehe davon aus.

Undead
Leider spielte ich dieses Jahr nicht allzu viele aktuelle Spiele, weshalb ich in meiner Wahl für das diesjährige Game of the Year etwas limitiert war, aber dennoch gibt es ein paar Titel, die es einfach nicht auf die Liste geschafft haben. Ein Beispiel dafür ist Hitman: Absolution, denn auch wenn es ein hervorragendes Spiel ist, fehlt dieses kleine Etwas, was es über andere Titel stellt. Auch hätte ich gerne XCOM in unserer Top 10 gesehen, aber leider schaffte es niemand in unserer Redaktion das Spiel zu testen. Ebenfalls erwähnenswert ist Chivalry: Medieval Warfare; aber auch wenn es ein kaum besseres Gefühl in einem Spiel gibt, als nach einem einminütigen Duell den Gegner letztendlich zu enthaupten, fühlt es sich einfach nicht richtig an einen reinen Multiplayertitel auf die Liste zu setzen.

Quis
Tja, was soll ich sagen? Dieses Jahr war nicht mein großes Spielejahr. Das Eis zwischen mir und dem Landwirtschaftssimulator wollte und wollte einfach nicht brechen, Hairy Tales hatte keinen ausreichend großen Suchtfaktor und Louisiana, das mit vielen Versprechungen daher gekommen war, lieferte am Ende nur heiße Luft... Auf der anderen Seite erhielt ich Einblick in die wundersame Welt der Visual Novels und schleppte bei Katawa Shoujo eine Mitschülerin nach der anderen ab - aber keine ist mir so im Gedächtnis geblieben wie Rin, meine Erste, deren Geschichte mir tatsächlich die Tränen in die Augen trieb und die sogar eine Zeit lang meinen Desktophintergrund verschönerte. Bekleidet natürlich! Unangefochten bleibt natürlich Chaos auf Deponia, das auch das eigentlich ganz hübsche neue Jack Keane ziemlich in den Schatten gestellt hat.

Overgame: Borderlands 2
Borderlands hat beim DPad Tradition. War es da noch verwunderlich, dass Borderlands 2 das Overgame für 2012 werden würde? Nun... ja! Wir sind ein skeptischer Haufen und nur, weil wir die Serie kennen, heißt das noch lange nicht, dass sie einen Freifahrtschein bekommt! Nach viel Vorgehype, ein paar Trailern, der Gamescom, einem Interview mit Anthony Burch und anschließend einer Woche 4-Player-Co-Op konnten wir aber seelenruhig feststellen, dass hier nicht nur der erste Teil ein paar neue Level bekommen hat, sondern dass Borderlands 2 eine Verbesserung in allen Aspekten darstellt: Feinde sind ausgefeilter, das Level-System macht mehr Sinn und erlaubt mehr Strategie, die Waffen haben mehr Charakter, es gibt noch mehr dreckigen Humor und die Geschichte um Handsome Jack und den Widerstand motiviert einen immer wieder aufs Neue, dem Bösewicht persönlich eins auf die Fresse geben zu wollen.
In Borderlands 2 findet sich der bis dato beste kooperative Shooter und auch sonst haben wir es hier mit einem Spiel zu tun, das vielen Menschen noch mit vielen DLCs viel Zeit aus der Reserve locken wird.

Und das war's mit 2012! Dieser Jahresrückblick nimmt übrigens auch am Polygon-Award teil. Da werden die besten Spiele von 2012 von vielen deutschen Spieleblogs gekürt. Zu gewinnen gibt's für uns nix, aber wir machen dadurch ein anderes Blog reicher. Ist das nicht schön! Hätten wir die Idee mal selbst gehabt! Nun ja, jedenfalls: Auf ein erfolgreiches 2013! Rian

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