Hairy Tales

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 24. November 2012

Hairy Tales

Hairy Riddles, Bald Tales

Heute gibt es mal wieder was zum Puzzlen, und zwar den Debüt-Titel des rumänischen Entwicklerstudios Arges Systems: Hairy Tales! Aber keine Sorge, ihr müsst den langhaarigen Protagonisten nicht die Zottelzöpfe flechten, sondern nur dafür sorgen, dass sie auf ihrem Weg zum heilsam blau-wabernden Steintor nicht in die Tiefe stürzen. Denn auch wenn ihnen die langen Rockermähnen nicht ins Gesicht hängen – vernünftig gucken können die Hairys offensichtlich trotzdem nicht...

Nach einem etwas nichtssagenden Prolog blickt ihr von oben auf ein Spielfeld mit verschiedenen, sechseckigen Wegplatten, von denen ihr einige so versetzen und drehen müsst, dass euer Hairy – der Entwicklerbeschreibung nach ein Feenwesen der slawischen Mythologie - sicher ins Ziel gelangt. Die Wegplatten weisen besondere Eigenschaften auf: Einige sind von vornherein unbeweglich oder haben Pfeile, die den Hairy in eine bestimmte Richtung weiterlotsen, auf anderen stehen kleine Zäunchen, die dafür sorgen, dass er beim Aufprall nach rechts abbiegt, auf wieder anderen wachsen Knoblauchzehen und andere Power-Ups, mit denen die bösen Kikimora-Zombiegestalten und andere Gegner, die einem hin und wieder im Wege stehen, außer Gefecht gesetzt werden müssen. Außerdem gilt es, in jeder Runde einen großen blauen Diamenten einzusammeln, denn nur mit dem gleißenden Kleinod in den Händen verschwindet das fiese Stachelgestrüpp, das unserem Hairy den Zugang zum rettenden Steinportal verwehrt. Im Laufe des Spiels werden die zu überwindenden Distanzen immer größer und es wird immer schwieriger, die teils mehrfach zu versetzenden Wegplatten rechtzeitig an Ort und Stelle zu platzieren.

So viel zum Spielprinzip! 72 Level gilt es zu meistern, die ihrerseits noch mal unterteilt sind in die klassischen geographischen Unterkategorien Wald, Wüste und Sumpf.

Lange Wege, wenig Platten und ein knapp bemessenes Zeitlimit - Hairy Tales ist ganz schön knifflig!

Schön an Hairy Tales ist, dass es verschiedene Lösungswege gibt: Die Wegplatten können auf immer neue Weisen arrangiert, Power-Ups genutzt oder Probleme umgangen werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, ein Level gleich beim ersten Mal oder in verschiedenen Schritten zu lösen: Wer sadistisch genug ist, seinen Hairy ab und zu wimmernd in die Tiefe stürzen zu lassen, der kann zum Beispiel im ersten Zug den ersten, im zweiten Zug den zweiten Kikimora außer Gefecht setzen, anstatt den Weg so zu kalkulieren, dass beide auf einen Schlag vernichtet werden. Wer allerdings beim dritten Mal seinen Hairy los schickt ohne dessen Weg gut durchdacht zu haben, der muss noch einmal von vorne starten.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, den Hairy so zu führen, dass er unterwegs nicht nur den Diamanten, sondern auch drei Pilze einsammelt, die auf ausgewählten Wegplatten wachsen. Die braucht man zwar nicht unbedingt, sie stellen aber für ehrgeizige Spieler eine zusätzliche Herausforderung dar – und sind vielleicht sogar ein Anreiz, einige Level noch einmal in Angriff zu nehmen. Ich war jetzt nicht sooo ehrgeizig. Aber es gibt auch keine Erchiefmintz, sonst hätte das möglicherweise anders ausgesehen...

Außerdem war mir das Spiel auch ohne Pilzsammelei schon schwer genug. Hairy Tales erfordert Kombinationsgabe, vorausschauendes Denken und auch Schnelligkeit, denn manche Wegplatten müssen neu gesetzt werden, während unser haariger Freund bereits unterwegs ist, und wenn man zu lange überlegt, fällt die Beweglichkeit der Wegplatten schnell einer um sich greifenden Fäulnis zum Opfer, was unweigerlich zur Niederlage führt. Sind alle Wege verfault, lässt sich das Spielfeld nicht mehr verändern - dann hat man verloren.

Monstern wie diesem Steingolem hier ist eigentlich nur durch das Einsammeln von Power-Ups beizukommen!

Um den sich aufdrängenden Wortwitz einmal aufzugreifen: Die Grafik von Hairy Tales erwies sich schon als etwas haarig. Manchmal fiel es mir wirklich schwer zu erkennen, wo eine Wegplatte aufhört und wo die nächste anfängt, sodass mein verwirrter Wuschelkopf am Ende doch geraderaus in den Abgrund stürzte, obwohl ich dachte, er würde links direkt ins Ziel... aber nein. So etwas ist leider immer wieder vorgekommen; erkennbare Trennlinien zwischen den Sechsecken wären da doch ganz hilfreich gewesen. Zunächst dachte ich auch, die Wegplatten wären auf unterschiedlichen Ebenen, wenn es zwischen zweien einen Abstand gab... Aber gut, spätestens nach dem ersten Level war klar, dass das doch nicht der Fall war. Ansonsten ist die Grafik aber ganz süß, kunterbunt, nicht überragend, aber doch ganz hübsch anzusehen.

Womit ich aber viel eher ein Problem habe, ist der Titel des Spiels. Hairy TALES? Wer spannende Geschichten erwartet, wird leider enttäuscht. Denn wie gesagt: Der Prolog gibt auch nicht wirklich Auskunft über den Sinn und Zweck des Ganzen. Man ist halt... eine haarige Fee und muss... einen blauen Stein in ein... blaues Tor... tragen. Weil sich die Erde spaltet. Und das ist eigentlich auch schon alles.

Aber gut, lassen wir die Korinthen in der Tüte! Für fünf Euronen im Desura-Shop für PC (eventuell auch bald auf Steam, wenn es im Steam-Greenlight-System erfolgreich ist) und auf dem iOS ist Hairy Tales wirklich ein netter kleiner Zeittotschläger – vorausgesetzt natürlich, man steht auf Puzzlen mit Zeitdruck.

Quis.

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22. September 2020 um 15:36 Uhr
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