Dark Souls: Artorias of the Abyss

(Artikel)
Rian Voß, 12. November 2012

Dark Souls: Artorias of the Abyss

Prepare to die some more

Die Ankündigung eines DLC für Dark Souls war wohl für viele Spieler, die das Hardcore-Action-Adventure beendet haben, gleichzeitig ein Grund zur Freude und zum Trauern: einerseits ist es großartig, dass ein so fabelhaftes Spiel mehr Inhalte bekommt, in die man sich reinsaugen lassen kann, andererseits ist es eine gruselige Vorstellung, dass man sich erneut vollkommen schutzlos in unbekannte Gebiete vorwagen muss. Artorias of the Abyss, welches für PC-Spieler bereits in die Prepare To Die Edition integriert ist und die Geschichte des verschollenen Landes Oolacile erzählt, ist allerdings viel zu umfangreich, als dass man sich von seinen Ängsten zurückhalten lassen sollte.

Wer Dark Souls gespielt hat, weiß, dass man hier nie etwas geschenkt bekommt. Bis auf den Tod! Deswegen besteht die erste Herausforderung nach dem Kauf des DLCs auch erst einmal darin, das Mistding zu finden. Glaubt ihr etwa, man bekommt eine Karte mit Markierungen? Oder gar einen hilfreichen Wegweiser? Lachhaft! Es würde mich nicht wundern, wenn viele PC-Spieler schnurstracks am Zugang nach Oolacile vorbeilaufen - schließlich muss man zuerst in der Höhle hinter der Hydra im Darkroot Basin die Prinzessin Dusk aus einem goldenen Golem freikloppen (das war auch schon vorher so), danach bekommt man von einem Kristallgolem in den Duke's Archives ein zerbrochenes Amulett und dann muss man zu dieser beknackten Höhle zurückkehren, wo einen eine riesige Hand grabscht und durch ein Portal zerrt. Schlimmer für mich war noch, dass ich zum Testen des DLCs erst einmal überhaupt wieder so weit kommen musste! Schließlich hatte ich gerade erst meinen zweiten Playthrough mit meiner Level-100-Nahkämpferin Bob begonnen, also waren mir so ziemlich alle späteren Areale verschlossen, darunter natürlich auch die Archive, welche erst nach dem verflucht harten Kampf gegen die Ficker Ornstein und Smough zugänglich sind. Also habe ich mal eben an einem Abend das beschissene Blight Town, die noch beschissenere Sen's Fortress und das beschissenste Anor Londo gerusht. Danach war ich erst mal fertig mit den Nerven und musste bis zum folgenden Tag meinen brennenden Hintern abkühlen lassen. Mit Entspannung war natürlich nicht zu rechnen, aber hätte ich gewusst, was mich in Oolacile erwarten würde, hätte ich mehr Salbe gekauft.


Im Gegensatz zur verfluchten Painted World of Ariamis funktioniert zumindest der Area-Warp bei jedem Bonfire in Oolacile. Wer auf Schwierigkeiten stößt, kann sich also immerhin zusätzliche Ausrüstung in Lordran besorgen.
Um gleich einmal den Ton anzugeben, beginnt die Reise ins vergessene Land grauer Vorzeit sofort mit einem der schwierigsten Bosskämpfe von ganz Dark Souls. Die vier neuen Stinker stehen ihren altgedienten Kollegen in nichts nach, aber mit dem Guardian, einem Blitzmantikor, hatte ich wohl zu Beginn gleich die meisten Schwierigkeiten. Das Vieh ist unglaublich schnell, kommt mit seinen Elementarangriffen selbstverständlich durch die meiste Ausrüstung durch und es lässt einem niemals Zeit, zur Estus Flask zu greifen. Nachdem sich das Vieh durch einen Equipmentwechsel aber gelegt wiederfindet, kann man es ein bisschen ruhiger angehen lassen. Ein bisschen.
Als nächstes findet man sich nämlich im Sanctuary wieder, einem blühenden Garten, der so viel Geborgenheit ausstrahlt wie kein anderer Ort im Spiel. Dort wartet ein großer Pilz namens Elizabeth auf einen und brieft uns bezüglich unserer Mission zur Rettung von Prinzessin Dusk und der beunruhigenden Fortschreitung des Abyss. Das Wörtchen "Abyss" sollte jetzt dem einen oder anderen einen Schauer über den Rücken jagen, denn in der dunklen Pampe musste man die vermaledeiten Four Kings bezwingen - ein Abend, an den ich mich nur ungern erinnere. Der Legende nach soll ja Artorias, einer der vier Ritter von Lord Gwyn, den Abyss bezwungen haben. Das scheint aber nur die halbe Wahrheit zu sein, denn in Wirklichkeit konnte Artorias der Dunkelheit nicht widerstehen und wurde von ihr eingenommen. Jetzt zieht er ziel- und willenlos durch das Land und ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Das ist aber nicht mal das größte Problem, denn Dusk befindet sich nicht beim Abysswalker, sondern bei Manus, dem Vater des Abyss, welcher die Verbreitung dieser Korruption stets vorantreibt und zusätzlich aufgehalten werden muss, damit der Abyss nicht die Welt verschlingt. Okay, wenn es sonst nichts ist.

Am Anfang habe ich gesagt, dass der DLC umfangreich wäre. Das ist untertrieben: Oolacile, mit seinen vier Arealen, steckt mit seiner Größe jedes zusammenhängende Gebiet des Hauptspiels in die Tasche. Wenn man Undead Burg, Undead Parish und Blight Town zusammennimmt, kommt man wohl ungefähr hin. Man guckt halt in die Ferne, sieht ein paar Häuser und denkt sich: "Hey, die haben sich ja mit den Hintergründen richtig Mühe gegeben." Hintergründe? Pf! Alles begehbar! Deswegen gibt es wohl auch an allen Ecken und Enden intelligente Abkürzungen. Der Royal Wood von Oolacile ist in etwa wie Darkroot Garden und Darkroot Basin zusammen. Hier ist zuerst alles unerwartet grün und hübsch und nur ein paar Gartenmänner (Vogelscheuchen ähnliche Gestalten, die mit Heugabeln und Gartenscheren bewaffnet sind und auch mal beim arglosen Laubschneiden beobachtet werden können), sowie Steingolems treiben hier ihr Unwesen. Erstere sind nicht viel schwieriger zu bekämpfen als ganz normale Hollows, letztere haben es dagegen faustdick hinter den Ohren. Im Gegensatz zu ihren Kollegen in Lordran verfügen sie zwar über keinen Schild, dafür aber über einen gewaltigen Hammer, den sie wild um sich schwingen. Ein Treffer von so einem Gerät dürfte die meisten Spielercharaktere sofort töten und man muss nicht nur einmal mit mehreren dieser belebten Felsen gleichzeitig zurechtkommen.


Aber eigentlich geht hier alles noch. Es gibt eine Menge Loot zu finden (Freunde schwerer Rüstung werden sich über die Guardian Armor freuen, magisch begabte Assassinen werden die verschieden gearteten Unsichtbarkeitszauber lieben) und bis auf den einen oder anderen Hinterhalt gibt es auch keine Überraschungen. Es wäre alles so schön gewesen, wenn mit schweren Schwingenschlägen nicht der pechschwarze Drache Kalameet an meiner Nase vorbeigeflogen wäre. Da hatte ich dann doch ein wenig Pipi in der Hose.

Das nächste Gebiet ist Oolacile Township, ein Aggregat aus Treppen und engen Laufstegen zwischen Häusern, ähnlich Undead Burg, und einem anschließenden Katakombensystem, wo Schwarzmagier und lumpige Zweibeiner mit viel zu langen Armen auf einen warten. Auf dem Weg begegnet man dann auch der Arena - einem Ort, an dem Spieler Duelle austragen können ohne in ein anderes Spiel einfallen zu müssen. Während die Idee zum Üben von PvP-Manövern ganz nett ist, scheint sich der Großteil der Spieler allerdings weiterhin auf das adrenalin- und risikoreichere Invading zu konzentrieren - in Team- und Deathmatch-Duellen wollte jedenfalls nach langer Wartezeit niemand gegen mich antreten und 1-on-1-Duelle bestanden für mich immer aus denselben drei Leuten. Es gibt auch leider kein konkretes Menü, in dem man sich einen Kampf auswählen kann, sondern man stellt sich einfach auf eine Plattform und wartet, bis irgendein bis dahin unsichtbarer Spieler dasselbe tut. Dann geht der Kampf los.

Den Abschluss unserer Reise zu Manus macht der Chasms of the Abyss - kurzum eine ziemlich bitter schmeckende Höhle. Hier warten geisterhafte Kreaturen auf einen, die Schilde ignorieren, bei Berührung Schaden verursachen und verdächtig nach Humanity ausschauen. Zudem weitere Schwarzmagier, die einen gerne ihre Geschosse in den ungeschützten Rücken knallen, eine ganze Menge Sprünge in unbekannte Tiefe und ein Wiedersehen mit dem Wolf Sif. Der Chasm formt dann auch gleich das fulminante Finale der sehr gelungenen Art Direction: Während das Sanctuary ein wundervoller Ort der Erholung ist, verliert sich im zuerst angenehm anzuschauenden Royal Wood langsam die Farbe. Das Wetter schlägt um und über kurz oder lang geht man unter Tage, wo man dann der absoluten Dunkelheit gegenübertreten darf. Man erlebt die schreckliche Verwandlung von Oolacile, während sie geschieht!
Hat man seine Hauptaufgabe erledigt, ist der Spaß aber noch nicht vorbei - denn da wäre ja noch der Drache. Der vierte Boss von Artorias of the Abyss ist, wie schon seinerzeit der Hellkite Dragon, vollkommen optional. Und lasst mich euch sagen: Er ist ein noch viel verfluchterer Penner als sein Brücken-bewachender Kumpel.
Begegnet man Kalameet in einer riesigen, von Wasserfällen umgebenen Schlucht zum ersten Mal, macht er sich nicht mal die Mühe, zu landen. Er kommt einfach angeflappt, hüllt das ganze Gebiet in magische Flammen und verschwindet wieder, sobald man gut durchgeröstet ist. Die einzige Abhilfe schafft der Riese Gough, der das Biest mit einem wohlplatzierten Schuss aus der Luft holen kann, aber der muss auch erst einmal gefunden werden. Wie gesagt: Außer den Tod gibt es nichts geschenkt.


Gough ist einer von einigen neuen NPCs, die einem nicht sofort ans Leder wollen. Neben ihm und Elizabeth gibt es dann auch noch eine alte Kameradin von Artorias und den gruseligen, aber sehr fein angezogenen Marvellous Chester, der einen mit seltenen Konsumgegenständen versorgt und sogar Humanity (zu absoluten Wucherpreisen) verkauft. Chester war sogar dermaßen fein angezogen, dass ich mich zum ersten Mal in Dark Souls dem führenden Fallout-Gedanken hingeben musste: "Ich hoffe, du bist nicht wichtig für die Story, denn ich mag deine Klamotten." Jetzt habe ich ein hübsches Jackett, auch wenn es mir von den Stats her eigentlich zu schlecht ist. Naja, vielleicht für besondere Gelegenheiten?

Artorias of the Abyss ist wohl mit Abstand der ambitionierteste DLC, der mir je begegnet ist - nicht nur bekommt man randvoll gefüllte Level, die auf eine Weise ins Spiel passen, als hätte sie es schon immer so gegeben, sondern eine PVP-Arena gibt es noch obendrein. Letztere ist aber auch leider der schwächste Teil, da der hoch integrierte und sehr konsequente Stil der Welt von Dark Souls eine komfortable Bedienung und eine Suchfunktion verbietet. Außerdem sind die sonstigen Gebiete von Oolacile sehr schwankend in ihrem Schwierigkeitsgrad - Charaktere am Ende eines Playthroughs werden mit den meisten normalen Gegnern keine Probleme haben, während die Bosse in jedem Fall gut reinknallen und mindestens eine schwere Herausforderung für jeden Spielstil bieten. Wer auf eine gute Gelegenheit zum Leveln seines Charakters gehofft hat, wird darüber hinaus enttäuscht werden: Die Feinde werfen verhältnismäßig wenig Erfahrungspunkte ab, so dass sich ein Grind einfach nicht lohnt. Nichtsdestotrotz ist Artorias of the Abyss uneingeschränkt für alle zu empfehlen, die noch nicht genug unter ihrem eigenen Masochismus gelitten haben. Rian

Kommentare

Heiler
12. November 2012 um 12:51 Uhr (#1)
Dieser verkackte Manticore Boss, hat mir auch den Tag erheblich versüßt.
Ich wollte den Abrundschreiter DLC als Drachentöter Ornstein bestreiten,
sprich nur mit Ornsteins Ausrüstung:
Speer, Rüstungsset, Leoring und Blitzwundern
und das alles ohne Schild.... ganz beschissene Idee wie ich feststellen musste.

Ich konnte die Angriffe des Manticores nicht parieren,
geschweige denn abwehren, ausweichen konnte ich ihm auch nicht,
weil Ornsteins Rüstung zu schwer wog und so bin ich erstmal 7-8 mal verreckt,
bis ich meinen glorreichen "Ornstein erlöst Artorias
und drängt dann den Abgrund zurück Plan" in Gänze vergessen konnte.

Letztlich hab ich das gemacht,
was ich immer tue wenn mich ein Souls Boss demütigt,
ich legte meine Rüstung ab, so das mein gewaltiges Gemächt im Takt meiner Schritte mit schwingt und bin die Glaskanonen Strategie gefahren.
Mit dem roten Tränenring, dem Ausdauer Reg. Ring,
dem Graswappenschild und der Pyromantie "Innere Kraft"
hab ich den Lebensbalken des Kackwächters regelrecht vergewaltigt.
(bin allerdings auch paar mal wegen des Lebensentzuges
der Inneren Kraft verreckt, bis ich letztlich so glorreich obsiegte)

Bei den anderen 3 Bossen sahs ziemlich ähnlich kläglich aus,
erst versagte ich jämmerlich als Ornstein
und dann kämpfte ich diese Lumpenhunde nackt nieder.

Ich probiere mich seit vorgestern an nem Stufe 1 Run
und stehe grad mit meinem Pyro vor Quelaag, die ihres Zeichens als riesige Lavaschlampenspinne, recht robust gegen Feuer ist.
Ich ahne schreckliches mit meinen Feuerbällen
und meiner Stufe 5 Handaxt *seufz*
Rian
12. November 2012 um 18:32 Uhr (#2)
Oho, die Glaskanonenstrategie kenne ich überhaupt nicht - aber mein Vieh macht ohnehin schon von Haus aus genug Schaden, das ist ja nicht so das Problem. Ich will mich demnächst Let's-Play-mäßig an einen Naked Run wagen, das wird sicherlich auch... schön.
Rian
12. November 2012 um 21:14 Uhr (#3)
Wer ist übrigens noch dafür, dass Pyromantie wegen des Schweißzaubers genau so eklig wie awesome ist?
Heiler
12. November 2012 um 21:22 Uhr (#4)
Ich hatte zu meiner Schulzeit jemanden in der Klasse, der war auch Pyromant.
Ne bessere Blitzschweiß Pyromantie hab ich nie gesehen,
der war nach 10 Minuten Fussball klatternass.
Seinen Schlüpper hätte man auswringen können,
die perfekte Abwehr gegen Quelaag und den Feuerweisen.

Ich muss sagen ich freu mich auf nen DkS Run von dir.
Würde ich mir vermutlich sogar komplett reinziehen das Schauspiel.
Rian
12. November 2012 um 21:47 Uhr (#5)
Ich weiß nicht mal, ob ich das aushalte, weil ich mich mit meinem Stamina-Monster wohler fühle als mit meinem Pyromant-/Fechter-Zweitchar. Aber wir werden sehen!
Heiler
12. November 2012 um 21:56 Uhr (#6)
Ja ich versteh was du meinst.
Ich hab seit meinem 2. Demon´s Souls Lauf immer leicht gerüstete Katana/Krumschwert/Kurzschwert Charaktere präferiert,
mit denen ich schnell Rollen und gut parieren konnte.
Als ich mich dann an meinen "Eisen Tarkus" Run in DkS wagte,
war ich mit der fetten Tanksteuerung mehr als überfordert.
Wenn man ans wegrollen gewöhnt ist und das auf einmal nicht mehr anständig kann, kommt man sich wie der letzte Mensch vor.
Ich glaub so richtig klar kam ich mit dem behäbigen Kerl erst
beim vierten oder fünften Boss. Ist schon ne immense Umstellung,
wenn man sich so lange nur auf eine "Klasse" konzentriert hat,
aber um so amüsanter wirds für die Zuschauer *lacht*
Heiler
12. November 2012 um 22:00 Uhr (#7)
Zum Glück lese ich mein Geschreibs
erst grundsätzlich nach dem Absenden Korrektur *lacht*
Rageralle
Gast
10. März 2014 um 22:09 Uhr (#8)
RAAAAAH! NOCH EINMAL SCHLAFEN!
Rian
12. März 2014 um 17:13 Uhr (#9)
BALD GEHT'S LOS BALD GEHT'S LOS DS2 OH YEAH
Gast
16. September 2019 um 02:49 Uhr
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