Inside a star-filled sky

(Artikel)
Rian Voß, 29. April 2012

Inside a star-filled sky

Tiefer... Tiefer... Höher... Tiefer... HÖHER!

Erinnert ihr euch noch an meinen Artikel zum rekursiven Kofferpacken? Mann, das war verwirrend, oder? Glücklicherweise hat noch niemand daraus wirklich ein Videospiel gemacht, nichts wahr? Hahaha! TJA. Inside A Star-Filled Sky von Jason Rohrer erfüllt eure Albträume, denn dieser zuerst simpel aussehende Twinstick-Shooter wird euch so wahnsinnig und so wahnsinnig süchtig machen, dass euch die Ohren schlackern.

Man beginnt das Spiel als kleines Monsterchen. Alles ist noch in Ordnung. Mit den Tasten hier drüben steuert man, mit der Maus schießt man - kennt man. Die Geschosse kommen aber so langsam aus dem pixeligem Selbst raus, das ist schon kaum zu ertragen. Aber dann sammelt man hier und dort Power-ups ein, um sich mit ein paar zusätzlichen Leben oder dem einen oder anderen von Wänden abprallenden Geschossen auszustatten und das Leben wird gleich viel einfacher. Weiter geht's, eine Ebene weiter und WAS IST DAS?! WHAT THE FUCK?! DIESER FEIND SCHIEßT SICH IN MINEN TRANSFORMIERENDE, ZERSPLITTERNDE FERNLENKGESCHOSSE! UND VERSTECKT SICH IN EINEM ENGEN GANG! UND STECKT EIN WIE ROCKY BALBOA! Wie soll man das denn bitte schaffen?! Okay, das Spiel ist imbalanced, so ein Scheiß. Naja, so viel kostete es nun auch wieder nicht. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert ma---


Spätestens sobald man so einen übermächtigen Gegner trifft, muss man mit der geregelten Shooter-Routine brechen und das Feature von Inside A Star-Filled Sky nutzen: Rekursion. Ziel des Spiels ist es eigentlich, immer weiter nach oben zu kommen, wie sich auch schön an der Levelanzeige oben rechts abbildet. Bei jedem Ebenenwechsel übernimmt man die Rolle eines anderen Monsters, in dem man bisher gesteckt hat, welches wiederum in einem anderen Monster steckt und so weiter und so fort. Und man will so weit raus wie's geht, denn oben ist's schöner, weil die Charaktere dort mehr Platz für Items haben. Aber wer hoch kann, kann auch nach unten. Und was soll uns das bringen? Nun, erst einmal Kontrolle. In dem Level, in dem man sich aufhält, kann man nämlich nur Upgrades für die nächsthöhere Instanz sammeln, also auf Vorrat. Allerdings kann man jederzeit auch wieder hinabsteigen, um andere Upgrades zu sammeln, falls einem die jetzige Ausrüstung nicht gefällt. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die Kopfschmerzen fangen erst an, wenn man beginnt in komplett andere Sachen einzusteigen. Etwa andere Gegner! Ist das Vieh ein oller Camper und bewacht den Ausgang so unermüdlich, dass man sich ihm nicht mal ansatzweise nähern kann? Rein da! Und das schwächste Zeug sammeln, das einem vor die Füße fällt! Bomben werden durch Kiesel ersetzt, Homing-Geschosse durch Feiglinge, die kurz vor meiner Nase einen Abknicker machen. Wird man aber in dem Monster, das man verändern möchte, getötet, fällt man wieder eine Ebene hinab und muss erst wieder aufsteigen, um aus dem Feind überhaupt herauszukommen wie geplant. Schwirrt schon der Kopf? Es kommt noch besser!
Denn zu jedem Zeitpunkt, egal wo man sich befindet, kann man in herumliegende Upgrades eintauchen, um sie zu verändern und allgemein zu verstärken. Irgendwann kann man mit diesen billigen Level-1-Kräften selbst gegen die am schlimmsten manipulierten Gegner nicht mehr anstinken und muss schwereres Geschütz einkaufen. Nun kann man natürlich das Loot nehmen, das auf dem seichtesten Level des Upgrades liegt. Oder man taucht noch tiefer ein und holt mehr heraus. Aber vorsicht: Je tiefer man steigt, desto schwieriger wird's.


Früher oder später wird man nicht konventionell weiter absteigen können, also kann man in dem Upgrade innerhalb des Upgrades in einen Gegner eintauchen, den man dann abschwächen muss, aber während man nach läppischen Upgrades sucht, muss man erst mal seine eigenen Waffen upgraden, geht also im Feind in sich selbst eine Ebene tiefer, taucht dort in ein weiteres Upgrade ein, das man verbessern muss, und ehe man es sich versieht, hat man KEINE AHNUNG, wo man sich befindet und wer man eigentlich ist. Als Rettungsleine gibt es immerhin eine Direktive, an die man sich jederzeit halten kann: When in doubt, step out. Will sagen: Einfach mal zwischendurch auftauchen und den Levelcount erhöhen. Wie im echten Leben gilt, dass man ab und zu Luft holen muss.

Ein netter Touch ist übrigens, dass man sich selbst eine 3x3-Pixel-Flagge anlegen kann, um online in einigen Gebieten die Flaggen anderer Spieler zu ersetzen. Das ist wie in einer öffentlichen Toilette ein noch freies Plätzchen an den Wänden zu finden, an das man sowas Innovatives wie "LOL DEIN MUDDA" schreiben kann.

Inside A Star-Filled Sky ist ein sehr verwirrendes Spiel - für die ersten Minuten. Doch schnell lernt man, dass man nur sein eigentliches Ziel nie aus den Augen verlieren darf und ansonsten das tun muss, was notwendig ist. Dann geht man plötzlich vollkommen in der Umgebung bis zur Transzendenz seiner eigenen Existenz auf. Dieses Spiel lässt sich unendlich fortführen und findet immer wieder neue Wege, den Spieler genau mit so einem Mindestmaß an Schwierigkeit zu konfrontieren, dass er sich selbst noch am meisten herausfordert - immer noch tiefer, immer noch ein Upgrade mehr, um schließlich höher, höher, höher zu kommen. Darin liegt doch bestimmt eine Metapher für das Leben an sich verborgen. Rian

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15. Dezember 2019 um 23:15 Uhr
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18. Februar 2011
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