UEFA Euro 2012

(Artikel)
Haris Odobašić, 02. Mai 2012

UEFA Euro 2012

Ein richtiger Schritt

Die ersten Fähnchen hängen schon an den Autos und selbst große Fußballmuffel mutieren bis zu dem Zeitpunkt, an dem Deutschland ausscheidet, zu richtigen Fußballfanatikern. Wie alle zwei Jahre steht ein großes Fußballturnier an und wie alle zwei Jahre hat EA ein Spiel zu diesem Turnier im Angebot. Doch dieses Spiel werdet ihr nicht auf einer Disc finden, denn EA hat beschlossen, das diesjährige Spiel zur Euro 2012 als herunterladbares Addon herauszubringen.

Daher wird auch Fifa 12 zum Spielen dringend benötigt. Kauft man den DLC, bettet er sich als Unterpunkt im Fifa-Hauptmenü ein. Und wer UEFA 2012 dort auswählt, wird nach kurzer Ladezeit in ein komplett neues Menü transportiert, das im EM-Look daherkommt und euch schon mal in Wettkampf-Stimmung bringen soll. Dabei schafft es EA auf den ersten Blick eine hohe Authentizität zu erreichen. Wer zum Beispiel ein paar Spiele mit den großen Teams absolviert oder sich vielleicht mal als Deutschland an dem Turnier versucht, wird begrüßt werden von akkurat nachgebildeten Stadien, einer aufgebohrten Atmosphäre, die einer EM würdig ist, und kleineren und größeren Details am Rand, wie den richtigen EM-Sponsoren auf den Werbebanden.

Und auf dem Platz ist das Gameplay zwar quasi unverändert, also auch mit den neuesten Additionen wie der Impact Engine und dem Tactical Defending aus dem jüngsten Fifa, aber das ist ja nicht unbedingt was Schlechtes. Wer das Gameplay nicht großartig verändert, kann eben auch nicht viel kaputt machen. Teilweise kam es mir dann zwar doch vor, wie als wenn an Details geschraubt wurde, beispielsweise die Kollisionen zwischen Spielern etwas weniger dazu neigen lustige Bugs zu produzieren, aber das könnte auch pure Einbildung im Fußball-Delirium sein.

Außerdem ist man nicht darauf beschränkt, die EM nachzuspielen, sondern kann sich auch an dem Expeditions-Modus versuchen, in dem ihr mit einer eigenen Mannschaft versucht, alle europäischen Teams zu schlagen. Am Anfang einen Star-Spieler auswählen, der euer Kapitän ist, während der restliche Kader von Nulpen-Spielern gefüllt wird. Aber das muss nicht so bleiben: wenn ihr gegen Teams antretet und sie besiegt, kriegt ihr einen ihrer Spieler geschenkt. Außerdem werden auf der Europa-Karte, die euer Ausgangspunkt ist, Straßen zu anderen Ländern freigeschaltet. So kommt ihr also nicht nur bald darüber hinweg, nur gegen Teams wie Kasachstan oder Azerbaijan zu spielen, sondern könnt euch auch an den Großen wie Holland und Spanien irgendwann versuchen, was natürlich auch bessere Spieler zur Belohnung bedeutet.
Leider fehlt dem Expeditions-Modus der letzte Kick, ein Element, das den Spieler motiviert sich mehrmals den unterschiedlichen Teams zu stellen und langfristig am Ball zu bleiben. Denn schnell wird es langweilig, wiederholt gegen dieselben Kontrahenten anzutreten, um an die richtig guten Spieler ranzukommen. Erst wenn man eine Mannschaft zum dritten Mal besiegt, kommt man nämlich an die Starkicker heran. Vorher gibt's Reservisten und Bankdrücker. Ohne solch ein Element verkommt die Europa-Expedition nach anfänglicher Begeisterung also schnell zu einem mühsamen Erlebnis ähnlichem dem Gegrinde in einem Rollenspiel.
Ich freue mich ja schon riesig auf das erste Elfmeterschießen der Engländer...

Doch bei UEFA Euro 2012 steckt der Teufel im Detail. Denn zwar sind alle 53 UEFA-Nationen im Spiel vorhanden, aber nur etwas mehr als die Hälfte auch wirklich vollständig lizenziert. Das erinnert an die Situation mit der Champions League in PES 2012, wo man das authentische Turniererlebnis bietet, aber nicht die Teams, die dazugehören. Und dabei ist man von EA im Bereich der Lizenzen sonst nur das Allerbeste gewohnt.
Die falschen Trikots und Fake-Namen bei der Ukraine, immerhin einem der Ausrichter des Turniers, kann man ja noch als versteckte Solidaritätsbekundung an Julia Timoschenko interpretieren, aber wer sich darauf gefreut hat, sich mit einem Team wie Wales die EM zu holen, dürfte sich über solche Namenskonstruktionen wie G. Belth für den fußballspielenden Schimpansen Gareth Bale ärgern. Unverständlich, dass EA hier auf eine Editierfunktion verzichtet hat, mit der man die Namen im Nachhinein hätte anpassen können. Kleines Trostpflaster: bis auf die Ukraine sind alle Teilnehmer der EM-Endrunde wenigstens lizensiert.

UEFA Euro 2012 scheitert in manchen Aspekten und gerade die mangelnden Lizenzen sind ein starker Kritikpunkt. Gleichzeitig ist es wichtig, die Perspektive zu wahren. Von einem 20€-DLC kann man nicht dieselben Inhalte erwarten wie von einem Spiel für den dreifachen Preis. Dass man das Gameplay daher nicht mal eben halb umprogrammiert hat, wie bei den sonstigen Spielen zu den großen Turnieren, und EA sich die Lizenzgebühren für einen neuen Soundtrack einsparte, ist zu verkraften. Trotz der Mängel ist also EAs erster Versuch, einen solchen größeren DLC-Inhalt für ein Sportspiel herauszubringen, zu begrüßen. Evil

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17. Oktober 2018 um 09:47 Uhr
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