Yakuza: Dead Souls

(Artikel)
Haris Odobašic, 27. April 2012

Yakuza: Dead Souls

Zombies metzeln like a dragon

Zombies machen bekanntlich alles besser. Jedes Endzeitszenario ist gleich doppelt so gut mit einer ordentlichen Portion Untoter und selbst dem Mittelalter kann eine Reihe von stöhnenden Altersheimflüchtlingen eine ganz neue Würzung geben. Aber in Verbindung mit japanischen Gangstern? Sega hat diese Kombination trotzdem einfach mal gewagt und präsentiert das Spin-Off Yakuza: Dead Souls.


In Yakuza geht es normalerweise um das Leben unter japanischen, naja, Yakuza, mit allerlei illegalen Aktivitäten, viel Geprügel und einer Welt, die zum Erforschen einlädt. Die letzteren zwei Faktoren sind insbesondere der Grund, wieso Yakuza gerne mit Shenmue verglichen wird. Auch in Dead Souls kann man anfangs viel von diesen charakteristischen Elementen genießen. Im fiktiven Tokyoter Stadtteil Kamurocho könnt ihr euch also wie gewohnt beispielsweise im Casino vergnügen oder eine Hostess-Bar aufsuchen, um euch an Minispielen zu erfreuen oder Nebenaufgaben zu erledigen. Gleichzeitig wird Kamurocho durch einen Zombie-Ausbruch bedroht, der zwar bisher in einer Quarantänezone eingedämmt ist, aber die Versuche der japanischen Armee, sich der Zombies ganz zu entledigen, sind bisher gescheitert.

In der Rolle von insgesamt vier Charakteren, die ihr nach und nach spielen könnt, macht ihr euch nun auf den Weg der sich immer weiter ausbreitenden Zombie-Plage ein Ende zu setzen. Unter den Figuren mit dabei sind bekannte Gesichter wie Kazuma Kiryu, Protagonist seit dem ersten Teil, aber auch Serienneulinge feiern ihren Auftritt. Die spielbaren Charaktere unterscheiden sich dabei primär durch ihre Bewaffnung, die von euch durch finanzielle Investitionen natürlich verbessert werden kann, und haben alle ihre eigenen Motive, um sich in der verwobenen Yakuza-Geschichte den Zombies zu stellen.


In Dead Souls habt ihr es dabei mit Zombies auf Amphetaminen zu tun, die auch rennen können und deswegen nicht so einfaches Kannonenfutter darstellen. Immer wieder erwarten euch aber auch besonders ekelige Mutanten-Zombies, die die Rolle der Bosse einnehmen. Da dürft ihr euch dann auch beispielsweise einem mehrere Meter hohen Riesenzombie stellen, der Kamurocho in Schutt und Asche legt, während ihr in bekämpft.

Schade ist aber, dass Yakuza: Dead Souls ein altbekanntes Klischee erfüllt, wenn es um Zombie-Spiele aus dem fernen Osten geht: Genau wie in unzähligen Resi-Teilen oder in Read Dising hat auch Dead Souls eine Steuerung, die euch gerne Mal mit ihrer "Ungewöhnlichkeit" überrascht. So könnt ihr beispielsweise problemlos im Laufen schießen, aber wer zielt, kommt nicht vom Fleck. Das treibt manchmal die Atmosphäre an -- gerade wenn Untote oder einige der fetten Bosse auf euch zugestürmt kommen und ihr unter Druck gut zielen müsst --, dürfte aber auch einige Spieler frustrieren. Allgemein auch, weil man im Ziel-Modus das Fadenkreuz nur seeeehr langsam bewegen kann.
Nachvollziehbar aber dennoch schade ist, dass das aufwändige Kampfsystem für Nahkämpfe, das Herzstück der Vorgänger, hier nur sehr reduziert daherkommt. Schussgefechte stehen im Rampenlicht, der Nahkampf ist nur ein Raumschaffer für den Notfall und ansonsten ziemlich ineffektiv. Wer will, kann sogar Gegenstände aus der Umgebung aufheben, Tische, Sofas und ähnliches, die aber ähnlich schwach im Kampf gegen die wandelnden Leichen sind.


Der etwas ungeschickte Action-Part steht deswegen etwas im Gegensatz zur richtig guten Story und spaßiger Erforschung. Im späteren Verlauf nimmt auch die Action leider immer mehr Überhand, schließlich bereiten sich die Zombies mehr und mehr aus, und auch wenn die Story stark bleibt und gerade das letzte Kapitel, in dem man endlich in die Haut von Serienprotagonisten Kazuma Kiryu schlüpft, nicht enttäuscht, wird man sich doch immer mal wieder wünschen, einen Gang runterschalten zu können.

Ist Yakuza: Dead Souls etwas für Neuzugänge der Reihe? Jein. Das Zombie-Gimmick zusammen mit dem schusswaffenlastigen Gameplay dürfte sicher einige Spieler anlocken, die sonst kein Interesse an Yakuza gehabt hätten. Gleichzeitig könnten sich aber genau diese Leute teilweise etwas verloren vorkommen, da das Spiel trotz des Spin-Off-Charakters vorrausetzt, dass man eine gewisse Kenntnis der Serie hat, alleine durch die hohe Anzahl an wiederkehrenden Figuren. Wer also Lust auf Yakuza hat, aber noch kein Spiel der Reihe gespielt hat, sollte mit Dead Souls warten. Yakuza-Fans greifen sowieso zu und alle anderen, die vielleicht nur auf die Jagd nach Untoten aus sind, sollten sich zumindest bewusst sein, dass Dead Souls kein Spiel ist, in dem man die Untoten wie in Read Dising oder Left 4 Dead im Dauerfeuer vernichtet. Evil

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30. Oktober 2020 um 15:16 Uhr
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