Silent Hill: Downpour

(Artikel)
Benjamin Strobel, 10. April 2012

Silent Hill: Downpour

Survival-Horror, Entscheidungen und Regen

downpour, eng.: Wolkenbruch, Platzregen.
Silent Hill ist eine der letzten Survival-Horror-Größen. Während Resident Evil sich immer weiter in den Action-Sektor verlagert, gibt es nur selten ein paar neue Genre-Ableger. Doch auch Silent Hill kämpft als eine der ältesten Franchises mit so einigen Schwierigkeiten: Homecoming konnte mit Geschichte und Charakteren nicht überzeugen und Shattered Memories bediente mit Release auf der PS2 und Wii nicht alle seine Fans. Diesmal hat sich Vatra, ein tschechisches Entwicklerstudio, am Gruselspiel versucht. Wie schlägt sich Silent Hill: Downpour?

Es regnet STÄNDIG.

In diesem Silent Hill-Ableger übernimmt man die Kontrolle über Murphy Pendleton, ein eigentlich sympathischer Kerl, der aber irgendwie im Knast gelandet ist. Und wie man es von Silent Hill so kennt, erspürt man auch hier schon die dubiose Vergangenheit des Hauptcharakters. Jedenfalls soll der gute Murphy in ein anderes Gefängnis verlegt werden. Auf seiner Fahrt gelangt der Bus jedoch in ein Unwetter, bei dem fast alle draufgehen und Murphy sich in Silent Hill wiederfindet.

Neues Thema in diesem Ableger ist der titelgebende Regen. Die charakteristischen Bewohner Monster Silent Hills scharen sich in Massen auf den Straßen, wenn es regnet. Je kräftiger es schüttet, desto mehr Ärger bekommt man. Obwohl Silent Hill an jeder Ecke Nahkampfwaffen vesteckt und ab und zu auch eine Feuerwaffe spendiert, ist es oft ratsam, vor den Feinden zu fliehen. Ein einzelnes Vieh kann noch relativ problemlos niedergeschlagen werden, sobald es jedoch mehrere Feinde sind, bekommt man nur auf die Gosche. Sollte man sich in einem Anflug aus Wahnsinn aber doch mit den Monstern anlegen, sollte man dringend darauf achten zu blocken. Erst wenn die garstigen Angreifer eine Pause einlegen, kann man mit ein paar Schlägen zum Konter ausholen. Das wiederholt man noch einmal und die meisten Gegner liegen am Boden. Jetzt kann man sie einfach röcheln lassen und weitergehen, hat aber das Risiko, dass sie noch einmal aufstehen. Mit etwas Glück siechen sie aber auch allein dahin. Will man dagegen sicher gehen, kann man auch zum Double Tap greifen und noch einen Schlag obendrauf setzen. Das träge Kampfsystem ist, wie schon in den Vorgängern, zum Abgewöhnen. Es ist jedoch gut zu verschmerzen, da die Kämpfe in großen Abständen sehr vorsichtig dosiert wurden und man sich nicht ständig daran aufhält. Alle Feinden lassen sich aber auch umgehen, sodass man das Spiel sogar durchspielen kann ohne zu töten.

Merkwürdiger Kerl: der Postbote.

Neben unangenehmen Monstern gibt es auch ein paar merkwürdige Personen. Eine wiederkehrende Gestalt ist beispielsweise der Postbote, welcher immer noch seinem Handwerk nachgeht und brav seine Briefe zustellt... obwohl die Stadt ganz offenbar völlig ausgestorben ist. Wie auch der Regen trägt diese Obsession positiv zur Atmosphäre bei, auch wenn sie leider nicht ganz so gruselig ist wie in den Ursprüngen der Serie. Auch die Feinde sind zum Teil deutlich generischer und weniger creepy als früher. Immerhin gehen sie ziemlich merkwürdig und humpeln einem gruselig entgegen. Insgesamt schwächelt das Artdesign jedoch deutlich gegenüber den Vorgängern. Das ist wirklich schade, zumal gerade der psychedelische Horror Markenzeichen der Reihe war.

Dafür hat man bei den Rätseln ordentlich draufgelegt! Dass man den Fokus von den Kämpfen auf die Adventure-Aspekte verlagert hat, kommt dem Spiel sehr zugute. Das Pacing ist nahezu perfekt, wenn zwischen Erkundung und Kampf immer wieder eine Pause zum Rätseln eingelegt wird. Sehr gut ist auch, dass man die Kampfschwierigkeit und die Schwierigkeit für Rätsel einzeln auswählen kann. Das beeinflusst sogar die Positionen von wichtigen Items im Spiel, sodass den Spieler immer noch etwas Neues erwartet, wenn man auf einem höheren Schwierigkeitsgrad noch einmal spielen möchte.

Achtung: es kommen Penner aus dem Dunkeln! Und mit Pennern meine ich Monster.

Gut gefallen haben mir auch die Szenen der Otherworld. Wenn die Wände anfangen sich zu pellen und die Optik sehr skurril wird, befindet man sich in der anderen Welt. Hier verlängern sich Wände schon mal, wenn man vor dem unbekannten Bösen flieht oder eine Besichtigungsfahrt in der Mine wird zur Geisterbahn. Leider gibt es diese Stellen viel zu selten - aber wenn, dann sind sie gut!

Zurück in der richtigen Welt (in der es immer noch recht komisch ist), verbringt man viel Zeit damit, die große Stadt und ihre Umgebung zu erkunden. Man hat hier ziemlich viele Freiheiten und kann zuzüglich zur Geschichte auch zu einigen Nebenmissionen kommen, die allesamt optional sind. Sie offenbaren jedoch immer Hintergrundgeschichten zur Stadt und ihren Bewohnern oder zur Vergangenheit von Murphy selbst. Man sollte sie mitnehmen, wo man kann, da sie wirklich zum Spielerlebnis beitragen. Damit man wichtige Orte nicht verpasst, werden sie auch per Fragezeichen auf der Karte markiert, selbst wenn man sie nicht richtig bemerkt hatte. Besonders versteckte Dinge muss man aber geschickt erschnüffeln, weil sie nicht angezeigt werden.

Manchmal ist Wegrennen klüger als einen Kampf zu riskieren.

Bis man die Credits zum Rollen bringt, kann man fünf verschiedene Enden erspielen. Der Ausgang der Geschichte basiert jedoch nicht allein auf einer letzten Entscheidung im Spiel, sondern berücksichtigt verschiedene Entscheidungen über das Spiel hinweg - so wie es sich gehört. Zudem wird auch das Verhalten des Spielers berücksichtigt (beispielsweise wieviele Feinde man tötet). Leider ist das System dahinter nicht ganz so umfangreich und innovativ wie das aus Shattered Memories. Dennoch freut mich, dass sich das Ende nicht per Reload des letzten Savegames ändern lässt, sondern schon einen ganzen Spieldurchgang erfordert.

Auch wenn Silent Hill: Downpour nicht so gruselig und erschütternd ist wie es sein könnte, ist es ein motivierendes Grusel-Adventure, das nur durch seine lahmen Kampfpassagen ein paar Einbuße verzeichnen muss. Im Vergleich mit den letzten Titeln schneidet es überraschend gut ab und lässt so manchen Survival-Horror-Fan das Pad erst niederlegen, wenn er es durchgespielt hat! Nex

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07. Juli 2022 um 16:41 Uhr
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