SSX

(Artikel)
Benjamin Strobel, 05. April 2012

SSX

Die Snowboard-Hölle

SSX ist wirklich eine ungewöhnliche Franchise aus der EA Sports-Schmiede: Während FIFA und seine Sportbrüder jährlich erscheinen, ließ sich SSX fünf Jahre Zeit, um zurückzukehren. Die Neuauflage des Snowboard-Spiels bemüht sich jetzt um einen abgedrehten Style und neue Online-Features. Fans von Simulationen müssen sich warm anziehen: SSX ist ein eiskaltes Extremsport-Arcade-Spiel!

Seit der großen Welle um die Jahrtausendwende ist der Hype um Extremsportarten stark zurückgegangen. Die Zeit der großen Verwandten, nämlich der Skating-Spiele, ist ebenfalls vorbei. Trotzdem entschied man sich bei EA Sports nun dafür, den schlafenden Schneeriesen zu wecken. Zwei klassische Elemente aus den Vorgängern wurden natürlich erhalten: Rennen fahren und Punkte sammeln durch Tricks. Diesmal wird der Snowboard-Trip in eine kleine Geschichte eingebettet (nicht, dass das nötig gewesen wäre, aber dennoch). Unter der Aufmachung eines typischen US-Sportsenders wird das Team SSX vorgestellt - eine Truppe von Glücksrittern, welche die neun tödlichsten Abstiege befahren wollen (Fans der Vorgänger werden hier einige bekannte Charaktere der Serie wiederfinden). Die Sache hat aber noch einen Haken: Griff, ein ehemaliges Teammitglied, möchte das zuerst schaffen! Für den Spieler heißt es also: ran halten!


Unter den neun Gebirgen auf der ganzen Welt finden sich Riesen wie der Kilimanjaro, Mont Blanc und der Mount Everest. Angeblich hat man diese Gebiete mit eine NASA-Satelliten gescannt. Die Tracks erscheinen mir aber dennoch superreal-lang. Vielleicht liegt das auch einfach daran, dass man in unrealistischen Höhen beginnt oder mehrere hundert Meter hoch und weit springt, um eine 3600 Grad-Drehung zu machen (Jawoll, zehn Mal rum!). Realismus ist hier nicht zu erwarten, der actionreiche Arcadewahnsinn in der Snowboardhölle sorgt jedoch für verblüffende Szenen. Ob es gigantische Lawinen sind, die den Spieler verfolgen, riesige Schluchten, die man mit dem Wingsuit überbrückt, oder dunkelste Höhlen in Afrika - das Spiel bleibt stets abwechslungsreich. Und hart.

Je nach Spielmodus muss man sein Verhalten anpassen. Während es beim Tricksen darauf ankommt, so oft wie möglich an Höhe zu gewinnen und weite Sprünge zu machen, sollte man das bei einem Rennen eher vermeiden. Hier zahlt es sich aus, die schnellsten Wege zu suchen. Da es oftmals zahlreiche Möglichkeiten gibt, einen Berg herunterzurauschen (Weggabelungen, Tunnel, Höhlen, Stangen zum Grinden), gibt es auf einer Strecke viel zu erkunden, bevor man den optimalen Pfad gefunden hat. Bis aufs Treppchen der Online-Leaderboards ist es aber selbst dann noch ein großer Schritt. Bevor man sich mit aller Welt vergleicht, sollte man sich Freunde suchen und diese als Rivalen registrieren. SSX wählt dann automatisch Challenges aus und stellt Zeiten von Rivalen bereit, gegen die man fahren kann.

Sollte man sich während eines Abstiegs einen Patzer leisten, so kann man jederzeit mit der Rewind-Taste die Zeit rückwärts laufen lassen, um die Stelle noch einmal zu fahren. Beim Trick-Modus ist das besonders hilfreich, da man keinen Nachteil davon hat. Spielt man jedoch ein Rennen, läuft die Zeit für alle anderen normal weiter. Bevor man jedoch in den Tod stürzt oder sich erst mühsam aufrappeln muss, ist zurückspulen manchmal schneller.


Die Königsdisziplin jedes der neun Abschnitte ist es schließlich, den Survive-it-Trip zu schaffen. Bevor man hier an Punkte oder Bestzeiten denken kann, geht es ums pure Überleben. Und weil es sonst ja zu einfach wäre, kann man nicht beliebig oft die Zeit zurückdrehen. Jeder der neun Berge hält außerdem eine besondere Gefahr bereit: große Höhen führen zu Ohnmacht, wenn man keinen Sauerstoff zu sich nimmt, und große Schluchten lassen sich nur mit einem Wingsuit überwinden (was außerdem ziemlich cool ist). Deshalb gibt es für die Fahrer nicht nur verschiedene Boards und Anzüge zu kaufen, sondern auch zahlreiches Equipment. Strecken mit großer Gefahr durch Bäume oder Felsen erfordern daher eine zusätzlich Panzerung und der tödliche Abstieg in Afrika durch eine Höhle ist nur dann überhaupt schaffbar, wenn man eine Lampe dabei hat. Die Items haben unterschiedliche Attribute, die je nach Preis besser oder schlechter ausfallen. Durch Gewinnen von Events scheffelt man die Kohle heran, wird sie so aber schnell wieder los.

Bei den tödlichen Abstiegen wird besonders deutlich, dass SSX ein Spiel ist, das jede Menge Skill erfordert. Sprünge brauchen perfektes Timing und viele Streckenabschnitte eine gute Reaktion, wenn es darum geht, Hindernissen oder Schluchten auszuweichen. Eine gute Streckenkenntnis ist spätestens dann erforderlich, wenn man die Rekorde der Bestenliste in vielfacher Millionenhöhe überbieten möchte. Für den Anfänger stellt aber schon das bloße Überleben eine harte Probe dar. SSX bietet neben der klassischen Steuerung auch zwei neue Varianten; getrickst wird hier entweder mit den Tasten oder den beiden Sticks. Die Tricks gehen in beiden Fällen gut von der Hand, die Basics lassen mich jedoch den Kopf schütteln. Die Lenkung reagiert bei hohen Geschwindigkeit extrem empfindlich, sodass eine kurze Bewegung den Snowboarder völlig aus der Bahn driften lässt. Hindernisse sorgen dann häufig dafür, dass man anschließen in die entgegengesetzte Richtung reflektiert wird, bis man schließlich ganz die Kontrolle verliert. Der größte Störfaktor war für mich aber die Tatsache, dass das Grinden oftmals nicht gut geklappt hat. So manches mal wollte ich von der Stange abspringen, aber das Spiel sorgte dafür, dass ich wieder perfekt auf ihr lande - in anderen Momenten wollte ich das für Tricks nutzen und schieße völlig vorbei in den Graben. Bei dafür vorgesehen Stangen sollte das Grinden zudem automatisch funktionieren, wenn man drüber fährt. Darauf sollte man sich aber nicht zu sehr verlassen - so mancher Bildschirmtod ging auf das Konto verpasster Grinding-Stangen.


Die Online-Features des Titels setzen neben dem Gebrauchtkauf-Schutz des Online-Passes eher auf neue als traditionelle Konzepte. Es gibt keine Möglichkeit, direkt ein Rennen gegeneinander zu fahren. Stattdessen bietet das Spiel ständig Global Events an, bei denen man seine Bestzeit oder Highscore einreichen kann, um einen Gewinn abzustauben. Spieler, die gleichzeitig ein Event spielen, können sich dann auf der Piste sehen, konkurrieren natürlich aber nicht live. Da man sich aber auch eigene Challenges einrichten und Freunde dazu einladen kann, lässt sich ein recht guter Ersatz zum üblichen Multiplayer-Modus basteln.

Das anspruchsvolle Arcade-Spiel ist sicher nichts für Anfänger. Der Schwierigkeitsgrad geht schnell sehr hoch und die hohen Punktesummen der Community geben weltweit den Ton an. Die Bedrohung der großen weiten Welt wird erholsam abgeschwächt, wenn man Freunde hat, die ebenfalls SSX spielen. Die Vergleiche mit Spielern auf einem ähnlichen Skill-Level sorgen für einen angemessenen Rahmen und länger dauernde Motivation. Erfahrene Sportspieler werden dagegen sofort in ihrem Kampfgeist geweckt und finden bei SSX eine der besten Plattformen überhaupt, wenn es um internationalen Wettbewerb am Bildschirm geht. Die Größe des Spiels kann wie seine Strecken einschüchternd sein, hat aber gerade dadurch viel zu bieten. Nex

Kommentare

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Gast
13. April 2012 um 13:31 Uhr (#1)
wie kann man auch bei ssx auf der ps3 fahren ohne immer in ein rennen verwickelt zu seit ?
Rian
13. April 2012 um 18:11 Uhr (#2)
Huh? Ich fürchte, ich verstehe nicht so ganz. Also, es gibt ja generell die Modi Trick It, Race It und die Survivals. Möchtest du einfach auf einer Karte rumdüsen ohne Gegner?
Jozu
30. Oktober 2012 um 11:19 Uhr (#3)
Die Musik in SSX ist übrigens, wie ich gerade feststellen muss, auch nicht von schlechten Eltern. Sie ist sogar von sehr guten Eltern wie Nero, Noisia und The Quemists.
Gast
28. Januar 2023 um 01:56 Uhr
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