Unit 13

(Artikel)
Rian Voß, 29. März 2012

Unit 13

Metal Gear Shooter

Bisher fehlte es an reinrassigen Shootern auf der PS Vita. Ich will Uncharted: Golden Abyss nun nicht das größere Drittel seines Gameplays absprechen, aber auch wenn Nathan Drake Unterlinge zu hunderten über den Haufen schießt, ist es doch in den meisten Köpfen tatsächlich zuerst ein Abenteuerspiel. Zipper Interactive, die Macher der SOCOM-Serie, sind dafür mit Unit 13 in ihrem Element geblieben und liefern die solide Messlatte eines modernen Shooters für den neuen Handheld, die von jedem kommenden Titel des Genres zumindest erreicht werden muss.


Unit 13 bietet vier verschiedene Spielmodi, wobei das Hauptaugenmerk auf den Singleplayer-Missionen liegt. Hier wird gar nicht erst versucht, sich irgendeine haarsträubende Geschichte aus den Fingern zu saugen, sondern in einem Menü kann man nach und nach alle 36 Einsätze freischalten, die ein bisschen Feindbilderstellung betreiben und ansonsten auch nicht viel mehr Terroristen-Blabla liefern als das übliche Tom-Clancy-Spiel. Wobei ich sagen muss, dass die Dialoge zwischen Gegnern schon ihre kleine Anerkennung verdienen. Das gibt dem Ganzen doch ein bisschen mehr Gewicht als eine pure Anreihung von Aufträgen im gesichtslosen Feindesland.
Um das Spiel so ehrlich wie möglich zu gestalten, sind die Missionen sogar schon gleich zu Beginn in bestimmte Kategorien eingeteilt, welche das "wie" der Arbeit beantworten. Derer Wies gibt es vier: Direct Action, wo viel Wert darauf gelegt wird, dass der Spieler sich selbst einen Weg zum Ziel bahnt, Covert, in denen man möglichst unerkannt bleiben muss, Deadline, in denen man ein Zeitlimit bekommt und mit schwerem Geschütz und einem standhaften Charakter sich durch die Horden mäht, und Elite, welche dem Spieler eine nicht-regenerierende Lebensanzeige verpassen und sämtliche Checkpoints entfernen. All diese Missionen lassen sich, sobald einmal freigespielt, auch online im Ko-Op bestreiten. Ich hatte bisher leider noch nicht das Glück einen Spieler zu erwischen, der auch entweder deutsch oder englisch spricht, aber wenn man härtere Missionen im Team tatsächlich strategisch planen kann, ist das bestimmt eine schöne Erfahrung. Außerdem lassen sich alle Missionen noch mal mit zufälligen Missionszielen versehen, so dass aus den 36 Lokalitäten für den U13-Süchtigen locker eine schier unendliche Zahl an Variationen aus dem Ärmel geschüttelt werden

Das Spielgefühl bei Unit 13 ist ein ungewöhnliches: einerseits ist es ein Third-Person-Modern-Warfare, steht also vollkommen im Zeichen seiner Zeit, andererseits gibt es viele Oldschool-Elemente, die mich in eine Metal-Gear-Solid-Stimmung versetzten. Abgesehen vom Deadline-Modus ist es etwa gar keine so dumme Idee, sich doch mal hinter Deckungen zu verkriechen und die Lage zuerst auszukundschaften - vor allem weil das Radar nur einen ziemlich kleinen Wirkungsgrad hat und keine Anzeige von den Sichtbereichen der Gegnern unterstützt. Man verbringt vor allem in Covert-Operationen, wie eben bei MGS oder Deus Ex: Human Revolution, viel Zeit damit, die Patrouillen der Feinde auswendig zu lernen und so abzuschätzen, wann es relativ gefahrenlos ist, einzelne Schäfchen von der Herde zu entführen.
Es macht viel Spaß, wenn man erfolgreich unbemerkt Gegner ausschaltet ohne dass es ihre Kollegen mitbekommen. Dieses Gefühl wird allerdings in dem Moment verraten, wemm man bemerkt, dass die KI strunzdumm ist. Ich muss den Maskenmännern ja zugestehen, dass ihre Wahrnehmung perfekt sein muss, da sie mich auch gerne mal jenseits der peripheren Sicht erspähen und Alarm schlagen - aber wenn hinter ihrem Rücken der Kumpel, mit dem sie sich gerade noch übers Essen unterhalten haben, durch einen schallgedämpften Kopfschuss zusammenklappt, dann drehen sie sich um, wundern sich kurz und marschieren ihre Route ganz gelassen weiter. Selbst wenn es mal dazu kommt, dass sie meine Position entdecken, haben sie anscheinend Todesängst davor, ihren zugewiesenen Raum zu verlassen. Ich hatte in einer Situation so schöne Sprengfallen angebracht, in die meine Verfolger reinlaufen sollten. Sie sind dann aber lieber an Ort und Stelle verharrt, haben wie bekloppt auf den Eingang gestarrt und nach einer halben Minute sind sie wieder herumgelaufen als ob nie etwas gewesen wäre. Des Weiteren kommt häufiger Mal feindliche Unterstützung, die gerne einen Raum stürmen würde, dann aber zu doof ist, um eine KI-only Tür zu öffnen. Dann sieht man auf dem Radar, wie sie gruppenkuschelnd hinter dem Stahltor hocken und man wundert sich, wann sie sich denn endlich raustrauen - bis es einen langweilt und man weitergeht. Was leider sehr doof ist, weil man für die Highscorejagd in fast allen Spielmodi den "Kill 'em All"-Bonus für ein perfektes Rating zwingend benötigt.


Das, was Unit 13 in erster Linie machen möchte, nämlich ein guter Shooter zu sein, setzt es mit Finesse um: Steuerung und Kameraführung auf dem Handheld entsprechen, mit wenigen Ausnahmen, dem Optimum. Optionen, die nicht auf üblichen Knöpfen ihren Platz finden, werden komfortabel in Daumennähe auf dem Touchscreen angebracht (wie etwa das Werfen von Granaten - auch wenn das bei Golden Abyss cooler ist - oder das Benutzen von Objekten). Das genauere Zielen über die linke Schultertaste featured eine akurate Snap-To-Funktion, die bereits in Konsolenshootern wie Modern Warfare an Beliebtheit gewonnen haben. Dabei ist das Schnappen auf den Körper des Feindes mit Feingefühl bestimmt - wer nicht zumindest ein bisschen in die Richtung zielt, bekommt auch keinen Headshot geschenkt. Besonders gefallen hat mir die Schulterkamera, die sich auch gerne mal in Deckungsmanövern intelligent nach links oder rechts lehnt und so schon fast psychische Kräfte darüber an den Tag legt, wohin der Spieler gerade wie stark gucken wollte.

Leider fehlt es dann doch gerade bei den Features ein bisschen daran so raffinierte Versteckungs-Shooter wie Splinter Cell oder zuweilen auch Deus Ex: Human Revolution aus der Reserve zu locken, da es an Möglichkeiten fehlt. Man kann keine Feinde über geworfene Steinchen in verlassene Gänge bugsieren, großartige Parkour-Aktionen an den Tag legen, ungesehen mit einem Knopfdruck zwischen Deckungen wechseln oder sich auch einfach nur hinhocken, wenn man nicht gerade an einer Wand lehnt. Gerade der Mangel einer Kriechtaste macht es manchmal unnötig schwierig, ungesehen an bestimmte Orte vorzudringen.
Das macht aber, wenn man nicht gerade Covert spielt, meistens nichts, da man in vielen Fällen auch eine brenzlige Situation durch ein paar gelungene Snap-To-Headshots sofort wieder in den Griff bekommt. Dies ist nicht nur ein guter Plan-B, sondern oft auch der implizit vorgeschlagene Handlungsweg, da es unter anderem zeitlich bedingte Multiplikatoren für Tötungsserien gibt.


Die anderen beiden Spielmodi, die ich noch nicht angesprochen habe, sind die Jagd auf High Value Targets - quasi Bossmissionen, die man sich erst einmal erspielen oder durch Near finden muss - und die Daily Challenges. Gerade letzteres ist ein Garant für das Herauslocken des Perfektionisten im Spieler: Jeden Tag wird eine Mission in den Challenge-Rang erhoben und man bekommt nur eine Chance, für den Tag ein Rating einzureichen. Der momentan beste Spieler auf dieser Karte wird für alle anderen Spieler in dem Menü angezeigt. Und nur der beste.

Der einzige, dessen Abwesenheit man schmerzlich vermisst, ist ein Versus-Modus. Gerade die verschiedenen Ausstattung für die unterschiedlich talentierten Charaktere, die man in jede Mission schicken kann, laden zu einem klassen- und teambasierten Spiel ein, aber gerade das Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich Unit 13 auf dieser neuen Plattform noch mal so richtig Bonuspunkte hätte verdienen können, fehlt komplett. Schade, es wirkt wie eine verpasste Chance.

Unit 13 hat vielleicht keine Franchise-Präsenz, sollte aber gerade in den Anfangstagen der Vita nicht unter den Teppich gekehrt werden. Der lockere, fordernde Missionsaufbau macht den Spieler trotz teils frustrierender KI-Schwächen schnell zum Wiederholungstäter und wenn ein Kumpel das Spiel ebenfalls besitzt, holt man noch mal genauso viel Spaß aus dem Ko-Op heraus. Und für den Rest gibt es eine gut umgesetzte Jagd auf den Highscore. Rian

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13. Dezember 2019 um 10:07 Uhr
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07. März 2012
PLATTFORM
PS Vita
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