Fifa Street

(Artikel)
Haris Odobašic, 26. März 2012

Fifa Street

Straßenfußball richtig gemacht

Seit vier Jahren haben wir kein Fifa Street mehr gesehen und ich habe sie eigentlich nicht vermisst. Fifa Street 3, mit einem hässlichen Grafikstil, der an den Pixar-Animationsfilm "Die Unglaublichen" erinnerte, und seichtem, unrealistischen Gameplay, welches manche Captain-Tsubasa-Folgen wie Szenen aus einer echten Fußballpartie aussehen ließ, war weder eine Repräsentation des Straßenfußballs, wie man ihn überall auf der Welt findet, noch ein wirklich gutes Fußballspiel. Scheinbar dachte man sich das bei EA auch, denn das neue Fifa Street ist, wie das Fehlen einer Zahl im Titel schon andeutet, ein kompletter Reboot der Serie.

Reboot heißt in diesem Fall, dass man sich an Bewährtem orientiert hat: dem Gameplay des großen Fifa. Wer also Fifa 12 gespielt hat, wird mit der Steuerung sofort klarkommen, denn die meisten Funktionen wurden nicht großartig umbelegt. Wie es sich aber für ordentlichen Straßenfußball gehört, wird ein stärkerer Fokus auf spektakuläre Tricks gelegt. All die coolen Moves, die euch bei Fifa 12 nicht einmal nach stundenlangem Üben gelangen, gehen hier wirklich sehr locker von der Hand. Es wird keine zehn Minuten dauern, bis ihr Macht des rechten Sticks Gegenspieler mit Rabonas, Flick-Flacks oder Übersteigern alt aussehen lasst.


Der World-Tour-Modus, eine Art Karriere, führt euch dabei sanft an die Möglichkeiten heran. Ihr erstellt euch eine Mannschaft und einen eigenen Profi, den ihr auch nach und nach verbessern könnt, indem ihr Erfahrung sammelt. So lernt ihr die ganzen Tricks des Spiels Stück für Stück kennen, eben wenn ihr sie freischaltet, während ihr eure Mannschaft durch eine Vielzahl von Turnieren sowie kurzen Einzelmatches zu Ruhm führt. Da man online auch nur mit eben der World-Tour-Mannschaft antreten kann, ist es schon fast unabdingbar, diesen Modus zu spielen. Ein netter Kniff ist, dass man gerade die Turniere nicht unbedingt nur gegen die CPU spielen muss. Wer mag, kann sich auch gegen Gegner aus dem Internet ranwagen.

Richtig punkten kann EAs Fifa-Street-Reboot mit den Spielmodi. Dank großer Auswahl ist hier wirklich für jeden was dabei. Fifa-Fans, die schon seit gut 15 Jahren den Hallenmodus beweinen, der letztmals in Fifa 98 dabei war, kommen hier endlich auf ihre Kosten, auch in einer alternativen Variante namens Futsal, die ohne Banden auskommt und daher von euch etwas mehr Vorsicht bei Pässen und Schüssen erwartet. Auch ein paar weniger ergebnisorientierte Modi gibt es in Form von Freestyle, bei dem es darum geht mit Tricks eine hohe Punktzahl zu erreichen, und Panna. In letzterem sammelt ihr Punkte dafür, dass ihr eure Gegner austrickst. Mit einem einfachen Trick vorbeiziehen gibt einen Punkt, ein Tunnler drei. Diese werden gesammelt, euch aber erst auf euer Konto gutgeschrieben, wenn ihr ein Tor erzielt. Problematisch wird's nur, dass bei einem Tor auch der Zähler zurückgesetzt wird. Wer also sich gerade freut, 10 Punkte gesammelt zu haben und sich dann eine Bude hinten einfängt, darf wieder von vorne sammeln.


Leider mangelt es dafür an Umfang in anderen Bereichen. So gibt es eine stattliche Auswahl an Nationalmannschaften, Club-Teams aus eigentlich allen wichtigen Ligen und sogar ein paar Mannschaften, die aus echten Straßenfußballern bestehen. Aber gerade bei den Clubs wird man sich ärgern, dass die Kader der Teams auf dreizehn Spieler beschränkt sind -- und es gibt keine Möglichkeit, die Spieler, die nicht im Kader sind, nachträglich einzufügen. Bei Barcelona fehlt daher beispielsweise ein Alexis Sanchez, immerhin viertbester Torschütze bei den Katalanen, während Arsenal-Fans auf das Supertalent Alex Oxlade-Chamberlain verzichten müssen.

Die Grafik, da auf der Fifa-12-Engine basierend, entspricht dem gewohnten Standard. Es gibt teilweise etwas heftiges Animationsrecycling, aber der Gesamteindruck ist positiv, insbesondere die vielen Spielumgebungen laden mit unzähligen, kleineren Details zum Schauen ein.
Und wie gewohnt hat EA beim Soundtrack den Finger am Puls der Zeit: euch erwarten also eine große Anzahl verschiedener Stücke, die ziemlich ähnlich wie ein auf Hochtouren arbeitender Verdauungsappart eines Blauwales klingen. Neben Dubstep gibt es aber auch ein paar Songs anderer Genre, die euch aber auch nicht davon abhalten sollten, die Hintergrundmusik auszuschalten.

Das neue Fifa Street feiert den Straßenfußball wie kein Spiel zuvor. Im Vergleich zur alten Street-Reihe macht man hier bei den Rahmenbedingungen eigentlich alles besser, kombiniert dies aber noch mit einer einsteigerfreundlichen Variante des Fifa-12-Gameplays, die dennoch Tiefe bietet, um auch den anspruchsvolleren Fußballzocker zu fesseln. Evil

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12. Juli 2020 um 08:58 Uhr
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