Space Channel 5, Part 2

(Artikel)
Rian Voß, 20. März 2012

Space Channel 5, Part 2

Tanzen bis die Plateausohlen glühen

Commander Zorg von der inzwischen verstorbenen Sega-"Fanseite" UKResistance wird mir zustimmen: Es gibt nur eine anbetungswürdige Frau in Videospielen, und das ist Ulala aus Space Channel 5. Die funkige Space-Reporterin reitet mit ihren Swing-Vorlieben und ihren schrillen Klamotten direkt auf wiederkehrenden Zukunftsmodewelle aus den Sechzigern. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich da ein Futur II hätte benutzen sollen. Wie dem auch sei, den ersten Teil von Segas Rhythmusspiel habe ich damals auf dem Dreamcast gezockt, bin aber irgendwie nie in den Besitz von Part 2 gekommen. Xbox Live, PSN und Steam haben diesen Umstand korrigiert - und es war glorreich.

Nachdem Ulala die Milchstraße vor Aliens, die Menschen entführten und zum Tanzen zwangen, bewahrt hat, wurde das Leben ein wenig ruhiger. Aber nicht lange, denn nun haben die Rhythm Rogues den Präsidenten der Galaxis entführt und... zwingen erneut alle Leute zu spastischen Bewegungen, die sie Tanz nennen! Das kann die Berichterstatterin nicht zulassen! Damit verstößt sie natürlich mal wieder gegen sämtliche Journalisten-Ethik, sich nicht in die Reportage einzumischen, aber wayne? Let's dance!


An dieser Stelle habe ich bereits alle Synonyme für "Reporterin" verbraucht, aber immerhin habe ich noch "funky" und "groovy" auf Halde!
Wie viele gute Spiele lässt sich Space Channel 5 sehr einfach handhaben: zu gegebener Musik geben die Rogues oder deren Tanzroboter zu ihrem Abgezappele eine Richtung, Chu! oder Hey! vor, was im Anschluss einfach nur durchs Steuerkreuz, die A- oder die B-Taste (anders auf der PS3 natürlich) kopiert werden muss. Es gibt Ausnahmen wie das Gitarrenbattle, wo man einfach nur nach unten hämmern muss, aber im Großen und Ganzen war's das. Aber das ist voll okay, denn United Game Artists wussten, wie man so entwickelt, dass trotz eines simplen Gameplays alles perfekt ist.
Angefangen damit, dass Part 2 in den ersten Spielsekunden bereits so viel gute Laune verbreitet wie kein anderes Spiel. Vielleicht bin ich auch ein bisschen Nostalgie-befangen, aber als ich alte Freunde - die Space-Japaner mit ihren silbernen Raumanzügen und Kameras in den Händen - aus den Fängen der bösen Roboter befreite, zog sich ein breites Grinsen über mein Gesicht, das während des ganzen Storymodus' dort wohnen blieb. Jede gerettete Figur wird Ulalas Line Dance hinzugefügt, so dass ein erfolgreiches Kapitel schon epische Dimensionen erreicht, wenn alle Geiseln freiwillig in die Gegenoffensive gehen und unter der vereinten Macht ihrer Schritte die Tanzmatte zum beben und die Feinde zum zittern bringen. Ganz zu schweigen von so abgedrehten Charakteren wie Space Michael, gesprochen von Michael Jackson himself, Diven, riesigen Pflanzen und einem Haufen bekannter Gesichter. Die groovige Musik fetzt, die Choreographie sieht größtenteils sehr professionell aufgenommen aus und der Humor des Spiels hat mich mehrmals zum Lachen gebracht - hauptsächlich, weil ich nicht verstanden habe, was zur Hölle da gerade abging. Aber das ist okay, ich bin ja Space-Reporterin.


Des Weiteren ist Part 2 mit seinen sechs Kapiteln à zehn Minuten zwar relativ kurz, dafür aber unglaublich intensiv - und an Umfang mangelt es auch nicht. Hat man den Storymodus beendet, gibt es einen Alternate-World-Modus mit neuen Personen. Neue Personen bedeutet neue Anhängsel, die es zu befreien gilt, bedeutet neue Kostüme, die sich in jedem Spielmodus anziehen lassen. Neue Kostüme bedeutet neue Hinweise auf Secrets und Bonus-Stages. Und außerdem gibt es noch Ulala's Dance, bei dem man fehlerfrei einhundert Stufen überwinden muss, und einen Ko-Op, bei dem ein Spieler die Richtungstasten und der andere das Chu! und Hey! übernimmt. Bis man sich komplett mit Space Channel 5 beschäftigt hat, sind mindestens fünf Stunden vergangen, und seine Einzelteile sind so gut miteinander verwoben, dass man auch wirklich jedes Detail erlebt haben möchte. Bis zur Perfektion aller Abschnitte dauert es dann noch einmal genauso lange.

Space Channel 5 gehörte zu einer Ära, als die Spielzeit der Solo-Kampagne keine Aussagekraft über die Güte des Spiels hatte, da man es einfach immer und immer wieder spielen wollte. Wer Musikspiele mag und nichts gegen positive Energie hat, der darf an Space Channel 5, Part 2 nicht vorbei. Rian

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17. September 2019 um 00:38 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
12. Februar 2003
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 2
Plattform
Playstation 3
Plattform
Sega Dreamcast
Plattform
Xbox 360
Plattform

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