Stranded Kids

(Artikel)
Benjamin Strobel, 06. März 2012

Stranded Kids

Survival, bevor es Mainstream wurde

Erschienen im Jahr 1999, ist Stranded Kids vielerorts unbemerkt vorübergegangen. Der Game-Boy-Color-Titel aus dem Hause Konami hat erst mit der Nachfolgerserie Lost in Blue wieder an Aufmerksamkeit gewonnen. Für meinen Geschmack haben die neuen Spiele auf dem Nintendo DS aber nie den Charme des Originals erreicht.

Das Spielprinzip war geradezu revolutionär: Das Adventure-Spiel gab dem Spieler nicht vor, was zu tun war; gestrandet auf einer Insel hatte der Spieler selbst in der Hand, was er tun wollte. Der Kampf ums bloße Überleben. Die Erkundung einer fremden Insel. Wird man den dichten Dschungel betreten? Wo wird man Unterschlupf finden? Wartet man auf Rettung? Flieht man auf eigene Faust? Oder chillt man auf der Insel?

Mit diesem Bilder-Review möchte ich einen Einstieg in den vergessenen Klassiker geben, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hatte, als ihm zukam.

Das Spiel beginnt mit einem sonnigen Tag! Das Wetter ist bombig und auf dem Kreuzfahrtschiff herrscht ausgelassene Stimmung. Ein Junge und sein Vater legen im Urlaub so richtig die Füße hoch und genießen die Idylle. Doch dann...

...Schluss mit Urlaubsspaß! Nachts tobt ein Unwetter und bringt das Schiff zum Sinken.

Wenn wir wieder zu uns kommen, finden wir uns am Strand einer einsamen Insel wieder. Okay, nicht ganz einsam - ein Äffchen weckt uns zur Begrüßung.


Nach kurzer Aufwachphase und anfänglicher Verwirrung die erste Idee: schauen wir uns auf der Insel um!

Dumme Sache: wir haben leider all unseren Stuff verloren! Dabei hatten wir von unserem Abenteurer-Vater gerade erst ein superscharfes Messer bekommen - zum zehnten Geburtstag. Ohne das gute Ding kommen wir hier wohl nicht weiter.

Das ist Glück im Unglück. Unter einem Sandhügel am Strand finden wir unseren Rucksack! Ob nach alle Sachen drin sind?

Das Messer ist noch da! Puuh... unser Radio ist auch drin, aber die Batterien sind leer und wir bleiben von der Außenwelt abgeschottet. Genauso nutzlos sind die Streichhölzer: sie sind nass und funktionieren nicht mehr.

Eine Muschel am Strand! Gleich mal einstecken - vielleicht für den kleinen Hunger zwischendurch, bis wir gerettet werden? Wir werden ja sicher bald gerettet...

Ein kurzer Schnitt und - ZACK! - ist Gras keine Hürde mehr. Überleben in der Wildnis? Ich bitte euch. Kein Problem für einen Zehnjährigen!

O...kay. Hier sieht's schon anders aus. Dschungel? Ob es hier gefährlich ist? Wie auch immer, die Neugier ist größer. Und überall liegt Loot herum. Mal schauen, ob was für uns dabei ist.

Baumrinde! Joa... was man damit wohl soll? Unser Inventar ist noch leer, also rein damit! Konami wird das ja wohl nicht aus Spaß hier versteckt haben!

Nachdem wir eine ganze Weile durch den Dschungel geirrt sind und hier und da einen nützlich aussehenden Stock eingesammelt haben, der erste Lichtblick des Tages: eine Hütte! Vielleicht ist die Insel nicht so einsam wie gedacht!

Okay, doch einsam. Niemand zu finden. Da es langsam dunkel wird, rät das Spiel einem zu schlafen. So tun wir's!

Moment, Moment! Warum sind auf der Anzeige noch Platzhalter für Zehner- und Hunderterstellen? So lange wollten wir auf der Insel aber nicht verbringen. Die Rettung wird sicher kommen.

Muschelfleisch, omnomnom! Nur roh sollte man es vielleicht nicht essen. Magenkrämpfe von verdorbenem Essen kann man bestimmt nicht gebrauchen. Die Anzeigen auf dem Charakterbildschirm legen aber nahe, dass man demnächst etwas essen sollte. Die Werte für Durst und Erschöpfung sehen noch gut aus, darum müssen wir uns vielleicht keine Sorge machen.

Nachdem wir uns an einem See dann doch mal kurz kühles Flüssiges die Kehle runtergezischt haben, scheint es auch mit dem Essen zu klappen: Pilze! Die gehen bestimmt auch ungekocht.

Wie der Pilz uns wohl bekommt, will das Spiel noch nicht verraten. Aber Probieren geht bekanntlich über Studieren! Und da ein leerer Bauch ohnehin nicht gern studiert... rein damit! Nicht lange fackeln! Es wird schon nichts passieren...

Argh, sowas Blödes. Der Pilz schlägt ziemlich auf den Bauch. Und die Essensvergiftung auf die Lebensenergie. Nach einer Weile wird es zwar wieder besser, aber der Hunger bleibt noch.

Spuren im Sand! Sehen die, aus als kämen sie von einem großen Tier? Ach was.. bestimmt etwas kleines, leckeres, das wir uns fangen können!

Damit hatte ich nicht gerechnet: Wirklich nur ein Hase! Sicher schmackhaft, aber auch verdammt flink.

Nicht flink genug für einen hungrigen Jungen! Wenige Messerhiebe haben ihn im Namen des Überlebenswillens erlegt! Aber den kann man ja auch wieder nicht roh essen...

Kluges Kind! Aber wie sollen wir das anstellen? Die Streichhölzer sind nass und nutzlos, also wie könnte man Feuer machen?

Der Merge-Befehl im Menü erlaubt es uns, Gegenstände aus dem Inventar zu kombinieren, um neue Sachen zu basteln. Vielleicht kann man ja...

Das sollte es tun! Baumrinde + Stock, so simpel kann das Leben sein! Mit ein paar kuren Handgriffen ist das Feuer entfacht und der Hase gegrillt!

Für die Muscheln ist es wohl zu spät. Länger als einen Tag sollte man wohl nicht mir rohem Fleisch in der Tasche herumlaufen.

Tag zwei ist geschafft! Und wenn ich das hier richtig einschätze, erwartet uns noch diese Woche die Rettung :)

Als nach über einer Woche noch immer keine Hilfe in Sicht war, habe ich dann angefangen, mir ein Floß zu bauen. Damit werde ich die Grenzen der Insel überwinden und heil nach Hause entkommen!

...das hat leider auch nicht so geklappt. Hätte ich mehr Essen einpacken sollen?

Zu spät, wie es aussieht. Das Spiel informiert uns darüber, dass wir eines der schäbigen Enden erreicht haben. Im Menü erfahren wir im Anschluss, dass es das zweite von acht, aufsteigend besser werdenden Enden ist. Noch viel zu tun...

Stranded Kids ist ein großartiges Adventure-Spiel, das Erkundung, Crafting und Survival-Gameplay geschickt zu einem stimmigen Spiel verbindet. Täglich kämpft man mit den Sorgen des Hungers, des Durstes und der Erschöpfung. Pilze und Beeren müssen erst probiert werden, bis man abschätzen kann, welchen Effekt sie haben - einige können sogar als Gewürz dienen, um Fleisch länger haltbar zu machen. Und im Hintergrund werkelt mehr und mehr eine kleine Geschichte, die man mit acht verschiedenen Enden auf mehr oder weniger befriedigende Weise zu Ende bringen kann. Die Spielzeit ist hoch, der Motivationsfaktor groß und die Neugier, was um die nächste Ecke lauert, noch größer! Dieses Spiel sollte man vor seinem Tod einmal gespielt haben. Nex

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