Dungeon Defenders

(Artikel)
Haris Odobašic, 20. Januar 2012

Dungeon Defenders

Du kommst hier nicht rein.

Beim Spielen von Dungeon Defenders, einem ziemlich beliebten Tower-Defense-Action-RPG, hatte ich eine sehr ungewöhnliche Situation. Ich spielte den Survival-Modus, der euch schier unendliche Gegnerwellen auf den Hals hetzt. Fängt es noch mit knapp hundert an, müsst ihr euch schon bald Wellen von tausend, bis hin zu sogar zehntausend Gegner erwehren. Ich hatte aber meine Verteidigung perfekt aufgestellt, also schlug ich auf die Gegner, eher aus Lust als aus Not, ein und ging regelmäßig reihum zu meinen Türmen, um das Loot, das dort im Dutzend bereitlag, aufzusammeln. Und irgendwann hörte ich einfach auf. Ich stellte meinen Charakter an eine Stelle, die für die Gegner nicht zu erreichen ist, und ging einkaufen. Nach gut einer halben Stunde kam ich wieder, gut eine Welle weiter im Spielfortschritt, aber meine Verteidigung stand noch immer, nur leicht lädiert. Das Spiel spielte sich quasi von selbst.

Das ist vielleicht nicht unbedingt ungewöhnlich, viele Tower-Defense-Spiele erwarten vom Spieler keine allzu große Aktivität, aber dass ausgerechnet ein etwas unkonventionelles TD-Spiel, in dem man den Spieler selbst Teil der Welt werden lässt - anstelle ihn auf eine Rolle als körperloser Baumeister zu reduzieren - wohl zu den Spielen des Genres, die noch am allerwenigsten Nutzer-Interaktion benötigen, zählt, kann durchaus als Anomalie gesehen werden. Darum vergleichen wir Dungeon Defenders mal mit einem Spiel, dass auf den ersten Blick sehr ähnlich ist in seiner Mixtur aus strategischem Türmchenbauen sowie Action- und RPG-Elemente, und das sogar ziemlich zeitgleich erschienen ist: Iron Brigade!

Bei Iron Brigade sind die Türme in der Regel schmuckes Beiwerk, die euch die Arbeit erleichtern. Aber nur in den wenigsten Fällen wird es passieren, dass ihr eine komplette Welle ruhig zuschauen könnt. Alleine schon durch die große Anzahl an unterschiedlicher Feinden, wie eben den Burst Transmitters, die auf Distanz eure Verteidigungsanlagen in wenigen Schüssen vernichten, seid ihr gezwungen, ständig über die Karte zu hetzen. Das euch von Welle zu Welle immer wieder was Neues erwartet, sorgt dafür, dass ihr auch ständig gefordert seid euch anzupassen, beispielsweise indem ihr neue Türme baut.

In Dungeon Defenders ist der Spieler in den ersten Wellen noch am meisten beansprucht. Sobald man aber seine Türme an den richtigen Stellen platziert hat, verkommt das Spiel schnell. Ihr steht rum und schaut zu, müsst selten nur mal einen Turm reparieren oder upgraden. Einerseits ist das dem Leveldesign geschuldet. Egal wie aufwändig die fast 20 unterschiedlichen Karten gestaltet sind, am Ende läuft es darauf hinaus, dass es eben nur eine sehr geringe Anzahl an Wegen zu den Kristallen, die ihr beschützen sollt, gibt. Platziert ihr dort geschickt eure Türme -- und man muss wahrlich kein Meisterstratege sein, um zu erkennen, wo und wie man am besten ein paar Türme aufstellt -- ist der Rest nur noch Formsache.

Andererseits sind die Feinde, die euch von Welle zu Welle erwarten, zwar abwechslungsreich, aber im Endeffekt allesamt gleich unmächtig gegen eure Abwehr. Es gibt Bogenschützen, fette Orks, suizidale Sprengkobolde und noch einiges mehr... aber wenn ihr beispielsweise einen schönen Slice'n'Dice-Turm aufstellt, der gleichzeitig Wegblockade und Gegnerschnetzler in einem ist, könnt ihr ruhig beobachten, wie ein Gegnertypus nach dem anderen da reinläuft und innerhalb von Sekundenbruchteilen stirbt. Selbst die massiven Oger, Zwischenbosse, die gut und gerne das zehn- bis hundertfache an Energie im Vergleich zu normalen Gegner haben, werden von diesen Türmen problemlos erledigt. Meistens müsst ihr dann zwar ein paar Sekunden Zeit aufwenden, um kleinere Reparaturen auszuführen, doch danach dürft ihr euch wieder dem Zuschauen widmen.

Wenn wir also zu Rians Artikel von gestern zurückblicken, ist die Herausforderungskurve wohl noch tiefer im Spektrum angesiedelt als Oblivion, Skyrim und Co. Wenn es um Spiele geht, die weniger Aufregung und Anspruch an die spielerischen Fähigkeiten haben, bilden wohl nur noch die 5-Minuten-pro-Tag-Spielchen auf Facebook und zahlreichen mobilen Plattformen eine Konkurrenz. Und trotzdem macht Dungeon Defenders ziemlich Spaß. Warum?

Loot und Mana sind die zwei Stichworte! Denn Loot gibt es reichlich, es vergeht keine Welle, in der ihr nicht dutzende von Waffen einsammelt. Manchmal ist was Besseres dabei, und wenn nicht, dann verkauft ihr den Kram einfach und heimst ordentlich Mana ein. Und das wollt ihr, denn Mana ist quasi der Treibstoff für alles in Dungeon Defenders. Eure Türme kosten Mana, genauso wie die Spezialfähigkeiten eures Charakters. Aber, was noch besser ist: wer viel Mana angespart hat, kann es in sein Equipment investieren. Vom Helm über eure Waffe bis hin zu eurem Begleittier, alles kann zusätzlich aufgelevelt werden.

Dadurch entsteht ein gewisser Trott. Man spielt ein Level, sammelt das Loot und schaut am Ende durch, ob etwas Brauchbares dabei ist. Das bessere Equipment behält man, den Rest verkauft man für Mana und macht sich dann ans Aufwerten der Ausrüstung. Danach kommen gut fünf Minuten Begeisterung, wenn man die nächste Karte startet und ausprobiert, wie viel stärker man geworden ist oder in wie weit das neue Equipment die Eigenschaften der Türme beeinflusst. Hat man sich an seiner neuen Macht sattgesehen, kehrt man wieder in das Muster zurück, wo man zuschaut und gelegentlich interagiert, bis hin zum nächsten großen Loot-Fang.

Ein weiterer, hilfreicher Aspekt ist aber auch die soziale Interaktion. Mir zumindest kommt es so vor, dass die Community bei dem Spiel etwas gesprächiger und allgemein Headset-affiner ist im Vergleich zu anderen Online-Spielen. Das ist aber auch wohl dem Spielstil geschuldet, denn wenn man schon zu viert da hockt und um die Wette den eigenen Türmen bei der Arbeit zuschaut, da kann man genauso gut auch plauschen. Seltsam ist nur, dass die Community zu 80% auf prä-pubertären Briten zu bestehen scheint. Erspart einem zwar den üblichen Terror mit jugendlichen Amerikanern und ihrer Gewandtheit in der Benutzung von Schimpfworten sowie allgemeiner Nervigkeit, kann aber am Anfang irritierend sein, wenn man Spiel um Spiel erst mal den leicht arrogant klingenden, britischen Akzent zu hören kriegt.

Doch trotz allem würde ich Dungeon Defenders, welches für XBLA, PSN sowie über Steam für den PC erhältich ist, generell weiterempfehlen. Auch ohne aufregendes Gameplay, das euch an den Sitz festglüht, ist Dungeon Defenders ein lustiger Zeitvertreib mit Suchtfaktor, den man sogar ohne Schuldgefühle spielen kann. Denn egal, ob man aufräumen müsste oder die nächste Klausur wartet -- all dies lässt sich wunderbar parallel erledigen. Evil

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27. September 2020 um 10:59 Uhr
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