Sequence

(Artikel)
Rian Voß, 06. November 2011

Sequence

Links-rechts-FeuerBALL-rechts-links...

Ich habe ein großes Herz für Rhythmus-Spiele: wenn man irgendwo passend zum Beat eine Taste drücken muss, dann ist das genau mein Fall. Ein Klassiker des Musik-Genres ist natürlich Dance Dance Revolution - ihr wisst schon, heraufrieselnde Pfeile, die mit links, rechts, oben oder unten entschärft werden müssen. Die Entwickler von den Iridium Studios dachten sich dann: "Das bauen wir in unserem Rollenspiel Sequence als Kampfsystem ein." Und so geschah es.

In Sequence übernimmt man die Rolle des 20-und-noch-was-jährigen Ky, der ohne Wissen um die letzten Stunden nur mit seinen Klamotten am Leib im Erdgeschoss eines Turms aufwacht. Über die Sprechanlage meldet sich eine junge Dame namens Naia, die sich als Kys Schäferin vorstellt, um Ky duch die ihm bevorstehende Aufgabe durchzulotsen: alle sieben Stockwerke des Turms überwinden und sich den Weg in die Freiheit bahnen.


Das funktioniert natürlich nicht ohne Gegenwehr, denn der Turm ist geradezu verseucht mit Monstern. Allerdings ist auch Ky nicht unbewaffnet, denn er bekommt von Naia ein paar Zaubersprüche spendiert, die ihn im ersten Kampf unterstützen. Einmal im Musikbildschirm angekommen, präsentieren sich dem Spieler drei Reihen, in denen immer mal wieder Pfeile nach unten hageln, wobei jederzeit nur jeweils eine Spalte aktiv ist und jede von ihnen einem anderen Zweck dient. Im roten Bildschirm verhindert man durch erfolgreiches Rumgedrücke zu erleidenden Schaden, im blauen baut man sich Mana für eigene Angriffe auf und wenn man über das Kreismenü einen Zauberspruch aktiviert (oder in eine Warteliste schiebt), dann kommen die entsprechenden Richtungsangaben im grünen Bereich geflogen und werden ausschließlich bei einer perfekten Abarbeitung ausgeführt. So wird Feinden Lebenspunkte abgezogen oder man wendet Zauber wie Heilung oder Schild auf sich selbst an.

Zentrum eines jeden Stockwerks ist der Safe Room, wo man sich nach jedem Kampf ausruhen darf. Hier kann man mit Rezepten aus Monster-Kleinteilen neue Gegenstände zusammenmischen, seine Ausrüstung oder seine Zauber ändern, bevor man wieder auszieht, um neue Zutaten für den Schlüssel zu sammeln, der die Tür zum Bossgegner öffnet.

An sich ist das Prinzip eine richtig gute Idee und ist simpel genug, um vor allem in der ersten Stunde eine Menge Spaß zu machen. Das Schalten zwischen den Aktionsflächen funktioniert einwandfrei und mit der Zeit bekommt man ein richtig gutes Gefühl dafür, wann man zu welchen Bereichen schalten sollte, um den Kampf vor dem Ablauf der Zeit zu Ende zu bringen. Aufgrund der leichten, aber doch spürbaren Lernkurve stellt sich da sehr schnell ein freundliches Erfolgsgefühl ein.
Leider bröckelt das Gesamtbild ein wenig, wenn man im fünften Stockwerk immer noch nach genau demselben Muster vorgeht: Save Room erreichen, dieselben drei Monster immer und immer wieder um ihr Hab und Gut erleichtern, Schlüssel mixen, weiter geht's. Es hilft, dass man sehr schnell an die benötigte Zahl für gewünschte Gegenstände kommt, und dass die Sprecher von Ky und Naia ihre Aufgabe ziemlich gut erledigen und vor allem in der Konfrontation mit den Wächtern des Stockwerks gerne mal humoristische Perlen fallen lassen, etwa wenn der Ur-Engländer hochgestochen "Ich hinterfrage deine sexuelle Orientierung!" ruft oder Ky im Intro Naia fragt, ob sie seine Brieftasche gestohlen hat und sie nur salopp antwortet: "Klar, ich stehle dir deinen Geldbeutel, kaufe mir davon Drogen und brüskiere mich damit anschließend über das Intercom. Warte, ich muss mir kurz 'ne Line Koks reinziehen."


Des weiteren finden sich im ganzen Spiel ein paar merkwürdige Design-Entscheidungen, die das Potenzial und spannende Aspekte des Spiels ein wenig dämpfen. So machen die meisten Gegner dermaßen wenig Schaden, dass man sich in den meisten Fällen gar nicht auf die Defensiv-Spalte einlassen muss, höchstens mal wenn ein kritischer Schlag als hochroter Pfeil anrollt. Das Ermischen von neuen Gegenständen wirkt da auch ein wenig sinnlos, weil man einerseits dafür Erfahrungspunkte - als einzige Währung, die einem zur Verfügung steht - ausgeben muss, andererseits erhält man die mächtigsten Items sowieso immer von den Bossen, so dass die kleinen Status-Variationen in den frischen Rezepten höchstens als Sahnehäubchen zu empfinden sind und man im nächsten Stockwerk eh wieder bessere Sachen bekommt. Das Merkwürdigste ist wohl, dass ein Buttongemashe nur mit Abzügen in der Endwertung bestraft wird. Inwiefern sich das allerdings auf das Spiel an sich auswirkt, ist ungeklärt. Eventuell droppen die Monster nichts mehr, wenn man nur auf den Tasten hämmert.

Das sind aber nur Kleinigkeiten. Wie gesagt: das Kampfsystem funktioniert, die Dialoge sind gut und sogar die Story, die sich ähnlich wie in Aksys-Spielen präsentiert, macht neugierig auf die Auflösung. Ein richtiger Wermutstropfen ist allerdings die ziemlich maue Liederauswahl. Viele Tracks gehen in Richtung Ambience und Trance und während ich so einen Kram, zuzüglich Electronica, eigentlich ganz gerne mal privat höre, kommen die Stücke hier wie aus einer Schuh-Schachtel, die ein Komponist mit "Für schlechte Zeiten" gekennzeichnet hat. Die DJs riskieren keine große Abwechslung, sondern legen viel wert darauf, generische (oder wie alte Linkin-Park-Stücke klingende) Stücke zu erzeugen. Es hilft da auch nicht, dass die Musik, dazu zählen auch die durchaus ab und zu hervorstechenden Boss-Tracks, auf jeder Ebene aufs Neue recyclet wird. Was ihr im Paterre gehört habt, wird euch noch eine ganze Weile begleiten.

Die paar Euro, die man auf Steam oder dem Xbox Live Indie-Marktplatz zahlen muss, ist Sequence vollkommen wert - allerdings fehlt es dem Titel an genügend Abwechslung im Gameplay und, vor allem, bei den Liedern. Mit einer größeren Songbibliothek und ein bisschen mehr Freiheit wäre dieses "Rollenspiel" eine wirklich konkurrenzfähige Anschaffung. Ach, was sage ich - bessere Musik und Sequence schlüge alles, was der Handheld-Markt in der Kategorie zu bieten hätte. Rian

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26. Januar 2020 um 05:00 Uhr
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20. Oktober 2011
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Xbox 360
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