Gears of War 3

(Artikel)
Benjamin Strobel, 16. Oktober 2011

Gears of War 3

Das Multiplayer-Spektakel

Gears of War 3 erscheint als erster Ableger der Gears-Reihe auch in Deutschland. Für viele kommt damit ein unerwarteter dritter Teil einer unbekannten Franchise in die Ladentheken und löst Verwirrung aus. Andere haben sich vielleicht schon vorher die ersten Teile importiert und schon lange Blut geleckt: Gears of War läutete vor rund fünf Jahren das Zeitalter des Deckungs-Shooters ein und eine ganze Generation von Spielen folgte diesem Beispiel. Neben einem Koop-Modus gab es seit jeher auch einen umfangreichen Multiplayer. Mit dem dritten Teil haben Epic Games diese Sparte nochmal ordentlich aufgestockt: Völlig neue Modi und altbekannte Erfolgsrezepte haben mich die letzten Tage an den Bildschirm gefesselt.

Versus. Der Klassiker.

Der wohl bekannteste und meistgespielte Modus: Zwei Teams spielen um Punkte gegeneinander. Im Deathmatch von Gears of War 3 geht es aber nicht (nur) darum, eine bestimmte Anzahl von Kills zu sammeln. Jedes Team erhält eine begrenzte Menge von Leben. Jeder Tod eines Teammitglieds kostet also einen Punkt vom gemeinsamen Teamkonto. Man ist in Gears 3 daher umso mehr darauf bedacht, nicht so schnell den Löffel abzugeben, dafür aber seinen Kameraden zu helfen. Anders als in vielen anderen Shootern ist man hier nämlich nicht sofort Geschichte, wenn man zu Boden geschossen wird. Man hat noch die Möglichkeit, ein paar Meter zu kriechen, sich wieder aufzurappeln oder sofort durch einen Mitspieler wiederbelebt zu werden. Mit Mechanik zeichnet Epic Games Gears of War ganz besonders als Teamspiel aus, da es somit jederzeit sinnvoll ist, mindestens zu zweit zu bleiben. Alleingänge werden nicht nur mit dem Tod bestraft, sondern oftmals auch mit fieser Erniedrigung: Ist ein Spieler niedergeschossen und versucht noch davonzukrabbeln, kann man Executions an ihnen durchführen, anstatt sie einfach nur zu erschießen. Je nach ausgerüsteter Waffe sind diese Finisher unterschiedlich fies. Zudem muss ich mich doch sehr über die USK wundern, dass Gears of War 3 ungeschnitten durchgewunken wurde. Aber man will sich ja nicht beschweren.

Besonders interessant finde ich im Versus-Multiplayer den Wingman-Modus. Hier spielen vier Teams mit je zwei Spielern um die meisten Kills. Alle Spieler haben pro Runde nur ein Leben und das Spiel endet, wenn ein Team die nötige Menge an Kills gesammelt hat. Welcher der beiden Wingman sie durchführt ist egal, es gibt natürlich ein gemeinsames Konto. Gut ist hier, dass es wirklich nichts bringt, sich aus den Kämpfen rauszuhalten und lange zu überleben, denn am Ende zählen nur die Kills. Jedes Team muss sich also von Anfang an ins Getümmel mischen und versuchen, Abschüsse zu ergattern. Hier werden viele Killsteals ergaunert, aber da kann man nicht viel machen. Da man nur zu zweit ist, wird das Teamspiel umso wichtiger und zeigt ein weiteres Mal, was Epic Games uns mit Gears of War sagen wollen: In erster Linie spielt man zusammen, erst zweitrangig gegen andere.

Horde Mode. Die Hardcore-Awesomeness.

Der Horde-Modus ist ein Fest für Teamspieler. Ähnlich wie bei Halos Firefight stürmen Wellen von Feinden auf die Spieler zu und müssen bis auf den letzten Feind besiegt werden, damit es in die nächste Runde geht. Horde in Gears 3 ist dabei spielerisch nicht nur dem vergleichsweise simplen Firefight überlegen, sondern toppt sich selbst nochmal enorm im Vergleich zum Gear of War 2-Vorgänger.

Für Abschüsse verdient man nämlich nicht nur Punkte, sondern auch Geld. Das ist sehr wichtig, denn sämtliche Waffen und Munition müssen für Bares nachgekauft werden, solange man sie nicht Gegnern aus den toten Händen reißt. Während man diese Grundversorgung jederzeit einkaufen darf, gibt es noch weitere Dinge, die man nur in den Pause-Phasen zwischen den Feindwellen besorgen kann. Man kann an verschiedenen Stellen der Map Kommando-Posten errichten. Damit markiert man nicht nur sein Revier, sondern ermöglicht im umliegenden Bereich auch das Bauen von weiteren Objekten. Dazu zählen Barrikaden, welche die Feinde verlangsamen oder bei ausreichender Verbesserung ganz aufhalten können, sowie Geschütztürme und Selbstschussanlagen. Alle diese wunderbaren Gimmicks lassen sich aber nicht von vornherein aufbauen, sondern müssen gelevelt werden. Zu Beginn kann man also nur kleine Zäunchen bauen, tut man das aber oft genug, erreicht man höhere Stufen und kann später Stacheldrahte und sogar Laserschranken zum Schutz errichten. Das Management der eigenen Finanzen ist daher enorm wichtig, denn ständig muss man Munition für Geschütze nachkaufen oder nach Mauler-Morgenstern-Verwüstung für den Wiederaufbau aufkommen. Wo sind eigentlich die Trümmerfrauen, wenn man sie braucht?

Wie eingangs erwähnt, ist hier das Teamspiel maximal wichtig. Getötete Spieler müssen bis zur nächsten Runde aussetzen - nicht gerade ein Trost für die übrigen Spieler. Einmal unter der Erde kann man sich zwar ins Spiel zurückkaufen, muss aber ein Vermögen dafür blechen, das man in der Regel nicht hat. Wenn man also nicht als Boomer-Frühstück enden möchte, sollte man seine Mitspieler beisammen halten und immer so schnell wie möglich wiederbeleben. Wird es mal eng für jemanden, sodass er sich nicht mal mehr Munition leisten kann, kann man auch Geld austauschen. Oft macht es auch Sinn, auf diese Weise zusammenzulegen, um größere Anschaffungen wie Kommando-Posten zu tätigen. Und wenn man das Achievement für alle 50 Wellen möchte, kann man sich auf harte Nächte und viele Tode einstellen. Alle 10 Wellen gibt es eine Boss-Runde, die es in sich hat: Berserker sind nur eines der vielen großen Übel, die neben dem gewöhnlichen Kleinkram (Grinder, Mauler, Boomer) ausgespuckt werden. Und wenn man in so einem Moment dann von einem miesen kleinen Ticker in die Luft gesprengt wird, hört der Spaß wirklich auf. Mit Horde hat Epic den wohl schwierigsten Modus in Gears geschaffen, der aber im heimischen Couchteam unheimlich viel Spaß macht und eine lange Zeit sehr herausforderend bleibt.

Beast Mode. Die dunkle Seite der Macht.

Im neuen Beast-Modus übernimmt man eine andere Front: Die Horde selbst. In maximal zwölf Runden gilt es, die menschlichen Barrikaden zu stürmen und alle Feinde dahinter auszuschalten. Dabei hat man die Auswahl zwischen zahlreichen Locust-Kämpfern. Zu Beginn gibt es nur die einfachen Klassen (unter anderem Ticker und gewöhnliche Dronen). Je stärker die Viecher sind, desto mehr kosten sie. Kills zahlen auch wieder neues Geld in die Kasse und ermöglichen somit immer bessere Monsterklassen über Mauler bis hin zum Boomer und Berserker. Jedes Beast hat seine eigenen Fähigkeiten und spezielle Vor- und Nachteile. Große Kerle wie der Mauler sind eher langsam und haben nur Nahkampf-Angriffe. Dafür sind sie mit einem Schild ausgerüstet und haben ordentlich Wumms. Sie eignen sich sehr gut, um Barrikaden mit wenigen Schlägen in Schutt und Asche zu legen, können aber schon von einer kleinen Zahl von Feinden umzungelt und getötet werden. Ein Mauler sollte also nie ohne Support unterwegs sein.

Die Berserker sind wohl die stärksten und fiesesten Bestien, die man bekomman kann. Sie haben allerdings eine stark einegschränkte Sicht und sind daher auf Teamkollegen angewiesen, die sie in die richtige Richtung führen können. Ihre rohe, recht ungerichtete Gewalt und ihr großes Durchhaltevermögen (sie schlucken Kugeln ohne Ende) machen sie in den meisten Fällen aber zum Siegesgaranten. Mit nur zwölf Wellen ist der Beast-Modus deutlich kürzer und einfacher als der Kampf gegen die Horde. Die unterschiedlichen Klassen machen aber richtig Spaß und vor allem Hunger auf mehr. Leider gibt es keinen Spielmodus, der die Horde und Beast kombiniert, sodass man auf beiden seiten gegen menschliche Feinde spielen kann. Aber vielleicht ist das auch ein utopischer Overkill.

Epic Games haben mit Gears of War 3 ein neues Multiplayer-Feuerwerk bis nach Deutschland gebracht, das vielen Shootern nicht nur die Hand zur Begrüßung, sondern auch das Wasser reichen kann. Gerade der enorme Fokus auf Teamplay und kooperative Spielmodi wie Horde und Beast zeigen deutlich, dass es nicht nur ums Ballern geht, sondern auch um Taktik, Spielüberblick und Berücksichtigung seiner Teamspieler. Die unzähligen Challenges, Abzeichen und Medaillen, die man sich über die Zeit verdienen kann, regen zum ständigen Wiederspielen an. Man vergleicht seine Highscores mit denen von Freunden, versucht ständig mehr Abschüsse und Abzeichen zu sammeln und natürlich auch den höchsten Gamerscore auf seinem Konto zu verbuchen. Bis man hier alles erreicht hat, muss viel getan werden. Den Multiplayer von Gears of War 3 werden wir noch lange spielen. Nex

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12. November 2019 um 10:24 Uhr
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RELEASE
20. September 2011
PLATTFORM
Xbox 360
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