Army of Two

(Artikel)
Benjamin Strobel, 11. März 2008

Army of Two

Ein Spiel für "Ich und Du"

Eins ist heute wohl klar: Koop ist im Kommen. Das wusste Bungie schon 2001 als man Halo veröffentlichte. Und als Epic vor anderthalb Jahren Gears of War auf die Spieler losließ, fesselte es online tausende von Spielern nicht gegeneinader, sondern gemeinsam gegen das Spiel vor den Bildschirm. Und mit Halo 3 hinterlässt Bungie inzwischen eine wohlig-pikante 4-Spieler-Koop-Duftmarke in der Zockerwelt ("Du versohlst den Flood grad den Arsch? Warte kurz, ich steige ein!").

Und was die Massen wollen, das will auch EA. Inzwischen ist der Schrei nach kooperativem Gameplay so laut geworden, dass man auch im Hause Electronic Arts den Massenabsatz erschnupperte. Mit Army of Two kündigte der Software-Riese einen äußerst interessanten Titel an. Trailer versprachen erstmals ein "echtes" Koop-Gameplay, soweit die Theorie.
Disc eingelegt, Praxis erforscht. Vorweg: Alleine spielen suckt. Man kann seinen virtuellen Kumpel zwar mittels eines vorgefertigten Befehlssatzes einigermaßen sicher durch die Levels lotsen, aber so wirklich ausgereift ist das alles nicht. Wenn ich Feuerschutz anfordere, will ich eben nicht, dass er sich hinter mir in eine Ecke kauert und darauf wartet, dass die Feinde zu ihm kommen. Oder dass sich mein Blechkumpan sich irgendwo festrennt und ich die nächsten zehn Terroristen alleine umhobeln darf.
Doch wir sprechen ja von einem Koop-Spiel. Und wenn man das als Spieler schon weiß, sollte man sich nach dem allgemeinen Benimmkodex auch daran halten. Rian war in der Nähe - ich hatte also ein perfektes Ko-Opfer.

Zu zweit macht das Spiel dann wirklich Spaß. Leider ist das kooperative Gameplay auf wenige Faktoren reduziert. Zum einen gibt es "Aggro". Der Spieler, der sich seinen Feinden gegenüber auffälliger verhält (und sei es durch das Mitführen der größeren Wumme - zum Waffen-Shopping später mehr), wird eher wahrgenommen und angegriffen als der weniger auffallende Mitspieler. Gibt einer also permanentes Sperrfeuer, kann der zweite Spieler vordringen. Bis auf Zusammentreffen mit einigen Spezialgegnern (fette Frontpanzerung), ist das aber nicht von Nöten und noch lange nicht innovativ - siehe Ubisofts WWII-Shooter Brothers in Arms, wo sogar die KI besser ist. Man kann es also machen, muss aber nicht.
Wirklich nett sind hingegen kleine Back-to-back-Einschübe. Rücken an Rücken schießt man in Slow-Motion auf Feinde, die einen umzingeln. Gezielte Treffer in Füße oder Beine mit einer Prise Physikengine zaubern so ein paar nette Sturzanimationen auf den heimischen Bildschirm, die man in voller Pracht genießen kann. Features wie das tragbare Schild, das man nur zu zweit nutzen kann (einer navigiert die Richtung mit dem Schild, der andere schießt - leider löst sich der hintere Partner nur allzu gerne an Treppen und Hindernissen und steht dann mit heruntergelassenen Hosen im Kreuzfeuer. Dann doch lieber den Schildheini die Aggro auf sich ziehen lassen und von einer festen Deckung aus feuern) und Koop-Sniping (simultanes Snipen - kann man im Übrigen auch einfach so machen) sind allerdings weder nützlich noch ausgereift.

Was dem Spiel neben den doch eher optionalen Koop-Aspekten bleibt, ist eine solide Technik, gute, sicher teure Synchronsprecher und eine Hand voll witziger Sprüche. Die Militärstory interessiert sowieso keinen, dafür sind die einleitenden Videosequenzen vor jeder Mission nett in Szene gesetzt und stellen das ruppige Gespann der beiden Hauptcharakter wunderbar heraus. Leider werden grade die vielen Sequenzen innerhalb des Spiels stellenweise ziemlich albern: Keiner der beiden kann eine Tür allein öffnen. Bei großen Toren verstehe ich ja, dass man zu zweit ran muss - aber bei jeder kleinen Tür gleich alles zu zweit aus den Angeln heben? Zu Sam Fishers Zeiten gab es dafür einen Dietrich! Oder man schießt eben das Schloss auf, tritt die Tür ein oder irgendwas! Nein, hier wird alles rausgehoben.

Aber dann gibt es ja noch die silbernen Koffer! "Koffer, Koffer, Koffer" - "Hier ist bestimmt irgendwo ein Koffer!". Koffer, das sind einfach Items, die sich in den Levels verstecken und Geld einbringen, wenn man sie findet. Auch für das Erfüllen eines Missionsziels gibt es Geld. Und Geld, das braucht man unbedingt, wenn man Army of Two spielt. Denn hier ist Shopping der halbe Spaß. Ich sage euch, spielt es mit eurer Freundin - ihr ballert euch durch die Level, sie kann hinterher shoppen gehen. Vorausgesetzt sie interssiert sich nicht nur für Kleidung, sondern auch für dicke Wummen. Die lassen sich dann nicht nur einfach kaufen, sondern auch noch endlos pimpen ("Schatz, lässt mich die P90 mit aufgesetztem Schalldämpfer fett aussehen? Sei ehrlich!"). Und wenn die AK47 dann mit dem 100er Magazin und einem riesen Frontmount versehen ist, lässt sie sich sogar noch vergolden. Alle Upgrades wirken sich natürlich auf die Statuswerte der Waffe aus - ebenso wie auf ihr Aussehen. Letzteres ist zwar nicht wichtig, aber ich kann euch sagen: ein superfettes Gerät im Waffenmenü das mit "Ausgerüstet" markiert ist, befriedigt ungemein.

Was soll ich sagen - Army of Two ist nett. Ja, nett, doch auch nicht mehr. DAS erhoffte Koop-Spiel ist es jedenfalls nicht - Spielen wie Gears of War hat es nichts voraus und bewegt sich auch ansonsten einfach nur auf der Höhe des momentanen Shooter-Standards. Dennoch empfehle ich allen Koop-Junkies da draußen mal einen Blick zu riskieren - schaden tut's nicht. Nex

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16. September 2019 um 08:47 Uhr
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RELEASE
07. März 2008
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Xbox 360
Plattform

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