Capcom Round-Up

(Artikel)
Rian Voß, 26. August 2011

Capcom Round-Up

Von nett zu großartig

18 Uhr am Freitag, die letzte Präsentation der GamesCom. Lars Kuehme, Pressevertreter von Capcom, denkt sich, dass das Wochenende zum Greifen nah ist, doch ein kleiner Redakteur von einer kleinen Spieleseite macht ihm einen Strich durch die Rechnung, indem er halbnackt auf die Bühne springt und auf einer mitgebrachten Twister-Matte mit einer Dose Red Bull La Bamba tanzt. Wie, was? Schwachsinn? Ja, natürlich, aber das hier ist mein letzter Artikel zur diesjährigen Messe, da werde ich ja wohl ein bisschen lügen dürfen! Wie, nicht? Na gut, dann nicht. Weiter geht's mit den kommenden Capcom-Spielen.

Resident Evil: Operation Raccoon City
Über die Prämisse dieses Opposing Force im Resident-Evil-Universums haben wir bereits geschrieben, aber ich fasse es gerne noch mal zusammen: Zur Zeit von Resident Evil 2 und 3, also während des Raccoon City-Vorfalls, denkt sich Umbrella, sie sollten mal ihr Image retten, weswegen sie ein Team in die zombieverseuchte Stadt schicken, um dort alle Beweise, dass die Chemie-Firma an der ganzen Sache Schuld hat, zu vernichten. Unter anderem auch so Leute wie Leon S. Kennedy. Wir erleben also die Story dieser Spiele aus einer anderen Sicht und dafür spielen wir mit bis zu drei Kollegen gleichzeitig, wobei jeder aus einer Gruppe von sechs Charakteren mit Spezialfähigkeiten seinen Liebling wählt - in der Vorführung war es der agile Mann mit Messer, der gerne mal Zombies im Nahkampf meuchelt. Auf diese Weise spielt sich RE:ORC ziemlich ähnlich dem Vorreiter in Sachen Ko-Op-Zombie-Survival, Left 4 Dead. Aber das ist ja nichts Schlimmes, denn Klassen und Story kann das Mini-Genre gut gebrauchen.
Natürlich sind, wie bei allen Zombiespielen, die etwas actionlastiger sind, nicht die Zombies die wahren Gegner. Zumindest nicht die normalen. Die große Gefahr kommt von anderen bewaffneten Feinden, wie zum Beispiel der Stadtpolizei, die sich tapfer und verbissen gegen diesen Albtraum wehrt. Besonders fies wird es dann, wenn Umbrella merkt, dass die Sache mit dem Spezialteam doch keine so coole Idee war und noch eigene Monster per Helikopter abschmeißt, um das Gehalt für unsere sechs moralisch fragwürdigen Recken einzusparen. Ganz schön gemein. Maybe you'll find someone else to help you. Maybe Black Mesa! That was a joke, haha, fat chance.

Während das Spiel doch definitiv auf Geballere ausgelegt ist, vergisst es doch zumindest einige Elemente des Horror-Genres nicht, darunter Panik und Munitionsknappheit. Zu letzterem ist nicht viel zu sagen. Munition ist halt... knapp? Panik allerdings ist etwas Schönes. Wird man nämlich ein bisschen zu sehr von Zombies angeknabbert, dann läuft man Gefahr, selbst zum Untoten zu mutieren. Der Bildschirm wird bläulich und wenn man nicht schnell ein Serum einnimmt, dann kann man eine Weile den Controller aus der Hand legen, während der eigene Charakter fünfzehn Sekunden lang versucht, dem eigenen Team ans Leder zu wollen, bis man dann endlich mal den Löffel abgibt und respawnt. Da ist es doch schöner, einfach so zu krepieren.
Ein anderes schönes Feature ist, dass Zombies total auf Blut stehen und quasi rasend werden. Das kann man prima ausnutzen, etwa wenn viele Feinde in der Gegend sind. Einfach mal jeden ein bisschen anschießen, Blut spritzen lassen und unsere grau-grünen, stöhnenden Freunde erledigen den Rest.


Street Fighter x Tekken
Ich habe bereits ein bisschen auf dem Show-Floor SF x Tekken angespielt und muss sagen: Ja, es spielt sich wie Street Fighter 4, nur eben mit ein paar zusätzlichen Extras. Etwa verfügt man über ein Tag-Team wie etwa in Marvel vs Capcom, allerdings mit zwei Einschränkungen: man hat nur zwei Charaktere am Start und wenn einer KO ist, hat man sofort verloren. Andere Unterschiede beinhalten, dass man jeden Angriff zu einem Superangriff chargen kann (je weiter die Power-Leiste aufgeladen ist, desto schneller geht das), und mit genug Power kann man den ausruhenden Charakter mit auf's Schlachtfeld rufen, so dass für eine kurze Zeit beide auf ein hilfloses Männeken eindreschen. Oder, wie es in der Vorführung passiert ist, plötzlich vier Kämpfer gleichzeitig Haue austauschen. Ulkiges Ende der Präsentation: Kurz vor Ende hat der verlierende Lars einen klassischen Ragequit gemacht, hihi. :)


Dragon's Dogma
Hier ist ein Titel, von dem ich bisher noch gar nichts gehört hatte, aber das macht ihn nicht schlecht. Beschrieben wurde das Spiel als Resident Evil 4 meets und Devil May Cry 4, was ich aber nicht so ganz einsehe, da es anscheinend auf dynamischen, guten Bosskämpfen beruht, deswegen würde ich eher ein bisschen Shadow of the Colossus einmixen. Und wer würde schon mit DMC4 Werbung für sich machen wollen?
Wie dem auch sei, bei Dragon's Dogma ist man der Anführer einer tapferen Heldenbande, bei denen alle Mitglieder, genannt Pawns, bis auf eine Dame austauschbar sind. Wir streifen durch eine Open World und um auch ordentlich menschliche wie monsterliche Feinde zu schnetzeln, gibt es ein dickes Kampfsystem mit Nahkampfkombos, Fernwaffen und einer Menge Tasten, die gedrückt werden müssen. Als im Ladebildschirm die Steuerung angezeigt wurde, war jeder Knopf doppelt und dreifach belegt - was ich in komplexen Häckslern eigentlich ziemlich cool finde - wenn denn die Entwickler die Tasten sinnvoll mehrfachbesetzen und sich da nicht hochgradig verzetteln.

Die Gruppenmitglieder sind dabei nicht nur einfach Kanonenfutter, sondern geben taktische Ratschläge, brüllen herum, ob es ihnen gerade gutgeht oder nicht, und hören auch auf Befehle, die wir ihnen geben. Nachdem wir ein paar Menschen aus einem Kornfeld gepflückt haben, griff plötzlich ein stattlicher Greif an, den es zu bezwingen galt. Das Tier hockt sich dabei nicht MMORPG-mäßig einfach in die Mitte und wartet anständig, bis wir es tothauen, sondern nutzt seine natürlichen Vorteile schamlos aus. Also ausweichen, wenn er in den Sinkflug geht, und ansonsten immer kräftig mit Fernkampf auf ihn schießen, bis eine von zwei Situationen eintritt: 1. man hat auf die Flügel geballert und das Vieh kann sich nicht mehr in der Luft halten, also draufklettern, festhalten und ordentlich einstechen. Wenn der Greif doch wieder aufsteht, geht unsere Ausdauer runter (NPC-Gefährten können übrigens alles machen, was wir auch können. Es sah schon sehr lustig aus, wie unser Mitstreiter auf einem abhebenden Mythos-Monster herumsegelte und wir ihn beim Stabben beobachten konnten) und irgendwann fallen wir ab. 2. Der Greif hält sich in der Luft, ist aber etwas betäubt. Unter ihn stellt sich ein Pawn, der zur Räuberleiter ansetzt, und mit Anlauf springen wir hinauf, wo wir uns auch gleich in die Mähne des Löwenvogels zotteln. Und mit zotteln meine ich brutalst drauflosmessern.

Dieser Kampf sah schon bannig spannend aus, sodass Dragon's Dogma von mir aus gerne mit ausgefallenen Action-RPGs wie Dark Souls und Shadow of the Colossus mithalten darf. Das einzige, was mich ein wenig nervte, waren die sich schnell wiederholenden Audio-Kommentare der Pawns. Alle zehn Sekunden hörte man ein "FAAAALL STIIIIILL!" oder ein theatralisches "I'LL TREAT YOUR WOUNDS!" Ich hoffe, dass da bis zum Release im Frühjahr/Sommer 2012 für PS3 und Xbox 360 noch ein bisschen die Gesprächigkeit runtergedreht wird.


Asura's Wrath
Natürlich. Mein Lieblingsspiel der Messe. Ich fand's ein bisschen schade, dass nur die Show-Floor-Demo, die ich bereits durchgesuchtet habe, gezeigt wurde. Aber das richtige Highlight war eh die Reaktion aller Zuschauer, die plötzlich loslachten, ständig "Scheiße, nein, wie geil!" und "Oh. Mein. Gott!" gröhlten und ansonsten auch eine Mordsgaudi veranstalteten, während Asura einen Gott in Hackfleisch verwandelte. War Must-Buy, ist Must-Buy, wird Must-Buy bleiben. Das meinte auch ein Mädchen neben mir zu ihrem Begleiter. Ich glaube, Capcom wird an den Core-Gamern mit diesem Titel gut verdienen.

Das war's dann auch von mir. Und von Capcom. Ich mache jetzt erst mal Ferien, während die anderen drei hoffentlich noch fleißig Artikel vor sich herwichteln! Rian

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23. Mai 2019 um 07:13 Uhr
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