Resistance 3

(Artikel)
Haris Odobaši?, 12. September 2011

Resistance 3

"Hier drüben!!"

Manchmal muss man einfach den Reset-Knopf drücken. Spielt man Resistance 3, hat man den Eindruck, dass wir wieder in einem Zeitalter wären, bevor Spiele wie Halo oder Gears of War tiefgehenden Einfluss auf die Shooter-Landschaft nahmen. Zumindest scheint sich Resistance kein bisschen darum zu scheren, was von einem modernen Shooter normalerweise erwartet wird, und macht sein eigenes Ding, das sich als Resultat ein bisschen anfühlt wie ein Shooter der späten 90er - gekonnt auf den neuesten Stand gebracht.

Dazu gehört auch wohl oder übel, dass die Story eher Bonus ist als ein Element, das das Spiel gelungen abrundet. Der Versuch, ein bisschen Empathie beim Spieler zu erwecken, geht gründlich schief. Die Handvoll Zwischensequenzen, die die Story vorantreiben lassen, verpuffen eher, als dass sie dem Spieler auch nur eine emotionale Regung abgewinnen, was vor allem an der schieren Bedeutungslosigkeit der 08/15-Charaktere liegt. Mit einer Persönlichkeit, die Toastbrot komplex und tiefgründig erscheinen lässt, fällt es schwer sich in die Figur Joseph Capelli hineinzuversetzen und die restlichen Protagonisten haben nicht mal genug Charaktertiefe, um in anderen Spielen die wortlosen NPCs, die einfach nur Areale bevölkern, zu mimen. Das ist schade, denn die Grundidee, einen Vater zu zeigen, der hin- und hergerissen ist zwischen der Verpflichtung gegenüber seiner Familie und dem Willen, alles zu tun, was nötig ist, um seinen Teil im Kampf gegen die Bestien beizutragen, hätte durchaus Potenzial gehabt.

Eine stärkere Geschichte hätte vielleicht auch geholfen mehr aus dem vielversprechenden Szenario rauszuholen, das mit seiner dichten Atmosphäre begeistern kann. Während man durch zerstörte Städte und desolate Untergrundtunnel, die oft der letzte Zufluchtsort für die wenigen Überlebenden der Bestien-Invasion darstellen, reist, sieht man überall Hinweise auf die letzten Überreste der menschlichen Zivilisation. Später wird sogar richtiges post-apokalyptisches Feeling erweckt, als man auf einige anarchistische Gefängniswärter trifft, die Menschen entweder jagen und sie grausam umbringen oder sie einfangen, um sie dann in einer Art Arena gegen die Bestien kämpfen zu lassen.

Doch trotz dieser Schwächen macht Resistance 3 sehr viel richtig bei dem wichtigsten Aspekt: dem Gameplay. Trotz der Ignoranz der Entwickler, die euch weder ein Deckungssystem zur Verfügung stellen, noch von euch erwarten mit einer limitierten Anzahl an Waffen herumzulaufen - ihr schleppt eigentlich immer das gesamte Arsenal mit -, euch dafür aber zwingen regelmäßig nach Health Packs Ausschau zu halten, ist euer Ausflug als Ein-Mann-Armee, die alles niedermäht, sehr spaßig. Nach etwas verhaltenem Start schicken euch die Jungs von Insomniac Games durch eine fulminante Kampagne, die wenig Zeit zum Verschnaufen bietet, aber dafür mit viel Abwechslung punkten kann. Sei es ein Sniperduell im dichten Wald, ein Kampf gegen die Grim - mutierte Bestien, die zu Dutzenden hinter euch her jagen, um euer Fleisch zu verspeisen - oder ein Bosskampf gegen einen riesigen Witwenmacher, einer Art Bestien-Spinne, auf dem Times Square: Insomniac sorgen dafür, dass euch nicht langweilig wird. Ohne Frage liegt eine der größten Stärken des Spiels am Waffenarsenal, das euch mit knapp zehn unterschiedlichen Wummen freie Wahl lässt, wie ihr eure Feinde ausschalten wollt. Dabei werden Neulinge viele Waffen sehen, die sie so in keinem anderen Shooter wiederfinden, während Resistance-Veteranen sich über die Rückkehr von Gewehren wie dem Bohrer freuen, der fröhlich durch alle Wände schießt, aber auch mit den neuen Mordwerkzeugen wie dem Mutierer, der eure Feinde in Sekundenschnelle in grüne Blobs verwandelt, ihren Spaß haben sollten. Fahrzeuge werden ebenfalls geboten, aber anders als beispielsweise im ersten Teil dürft ihr nicht selbst ans Steuer, sondern nur vom fahrbaren Untersatz eure Waffen zu den Verfolgern sprechen lasst.

Dazu sieht das Spiel absolut fantastisch aus. Die Entwickler verrieten uns auf einem Termin auf der GamesCom, dass Resistance 3 zwar nicht in nativer 720p-Auflösung läuft, sondern stattdessen hochskaliert wird, aber dies absichtlich gemacht wurde, um aufwändigere Grafikeffekte bieten zu können. Das Resultat dessen sieht man dabei schon sehr früh: In einem der ersten Kapitel kämpft man inmitten einer Kleinstadt, während euch Orkanböen um die Ohren schlagen, die sogar die Bäume fast zum Umknicken bringen -- alles natürlich während euch die Bestien kaum Zeit lassen, die ganze Effektkulisse zu beobachten, da es um euch herum nur so kracht. Auch andere Wettereffekt wie der Regen, aufgewirbelter Staub oder Schneefall zählen zu dem besten, was man so bisher gesehen hat.
Ebenso haben es die Effekte der Waffen in sich. Wenn der Atomisierer, eine Elektrogewehr, mit seinem Sekundärschuss eine Gravitationssphäre erzeugt, die alle Gegner in der Nähe anzieht und gleichzeitig mit Blitzen malträtiert, ehe sie sprichwörtlich atomisiert werden und in einer Blutwolke zerplatzen, sieht das sehr beeindruckend aus.

Ein Feature, das mir richtig gut gefallen hat, ist die Möglichkeit Erfahrung für seine Waffen zu sammeln, die man dadurch dann auch aufleveln kann. So verschießt die Rossmore, eine altmodische Shotgun, auf Stufe 1 normale Schrotkugeln, auf Stufe 2 wird dann schon Brandmunition verwendet, während ihr auf der maximalen Stufe als Sekundärschuss Brandgranaten verschießt.
Das hatte dann sogar Einfluss darauf wie ich spielte: anstelle die besten Waffen für den jeweiligen Gegner zu nutzen, machte ich es mir künstlich schwerer, indem ich alle Waffen, die auf der maximalen Stufe waren, nicht mehr nutzte. Das führte dazu, dass ich am Ende des Spiels fast nur noch mit dem Cryogewehr herumlaufen musste, welches eure Gegner einfrieren kann. Doch trotz dieses selbstauferlegten Handicaps war Resistance 3 nur bedingt taktischer, der Ein-Mann-Armee-Ansatz funktionierte in den meisten Fällen noch immer hervorragend, wenn man noch ein paar Granaten nutzte, um etwas härtere Feinde ein bisschen weichzukochen.

Außerdem ist es sehr zu begrüßen, dass die Entwickler offensichtlich auf Fan-Feedback reagiert haben und deswegen der Koop-Modus, der zwar in Resistance 1 vorhanden aber in Resistance 2 schmerzlich vermisst war, wieder zurückgekehrt ist. Auch wenn Resistance 3 nicht ganz so von der Koop-Erfahrung profitiert wie andere Shooter -- dafür merkt man dem Spiel doch sehr an, dass es auf eine Einzelspielererfahrung ausgerichtet ist -- ist es dennoch ein nettes Extra, dass man wenigstens diesen Standard der heutigen Zeit berücksichtigt hat. Außerdem fand ich die Möglichkeit per Druck auf Unten auf dem D-Pad, seinem Coop-Kameraden einen Wegpunkt zu setzen zur eigenen Position, ziemlich nützlich und vorbildhaft, auch wenn das ständige "Hier drüben!", mit dem die Charaktere diese Funktion kommentierten, sehr schnell sehr nervig wurde.

Mit einer Nettospielzeit von 6 - 8 Stunden erfüllt Resistance 3 die übliche Spielzeit und schafft es in dieser Zeit trotz wirklicher Höhepunkte, aber dafür auch ohne Längen, gut zu unterhalten. Obwohl Potenzial verschleudert wurde, bleibt Resistance 3 ein guter Shooter, der durch gelunges Gameplay der alten Schule überzeugt. Aufgrund des grundsoliden Gameplays würde ich sogar sagen, dass Resistance 3 einem Abstecher in die extrem kurze dritte Killzone vorzuziehen wäre. Evil

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17. September 2019 um 00:41 Uhr
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