3D ohne 3D

(Artikel)
Benjamin Strobel, 04. August 2011

3D ohne 3D

Dafür mit Headtracking

Da ich ja bekanntlich vom aktuellen 3D-Wahn nicht überzeugt bin, war ich schon vor einiger Zeit sehr erfreut darüber, dass mit anderen Technologien genauso überzeugende Effekte erzielt werden können. Die Rede ist vom sogenannten Headtracking.

Schon mit einfachen Kameras und der richtigen Software kann der Kopf, das Gesicht oder sogar die Augenbewegung eines Menschen registriert werden. Jetzt muss man sich nur noch durch die Mathematik und ein paar Matrizentransformationen wühlen, um eine simple Idee umzusetzen: In Abhängigkeit der der Kopfbewegung wird die 3D-Darstellung auf dem Bildschirm so angepasst, als würde sich entsprechend der Kopfbewegung auch der Blickwinkel verändern. Das Ergebnis ist ein ziemlich überzeugender 3D-Effekt, der völlig ohne stereoskopische Mechanismen funktioniert. Großer Vorteil: Keine Anstrengung oder Ermüdung der Augen und es ist quasi ohne Einschränkung für jeden sehbar.


Ein findiger Bastler hat eine Demonstration dieser Idee bereits vor einiger Zeit mit der Wii realisiert (siehe oben). Der Effekt ist sogar per Video völlig überzeugend. Einziges Manko ist die Tatsache, dass es immer nur für eine Person funktioniert, da die Anpassung der Perspektive ja gerade auf seine Bewegung zugeschnitten ist. Für andere Zuschauer bleibt das Geschehen zweidimensional. Allerdings haben gängige 3D-Fernseher und auch der 3DS ein ähnliches Problem aufgrund schlechter Sicht, wenn man nicht gerade frontal auf den Bildschirm schaut.

Mittlerweile lassen sich diese Demos auch mit dem iPhone 4 bzw. dem iPad realisieren. Hierbei wird die Frontkamera der Geräte zum Headtracking genutzt und die Mathematik ist dieselbe: Rotiere die Perspektive in Abhängigkeit der Kopfbewegung.


Eines der ersten mir bekannten Spiele, die sinnvollen Gebrauch von der Technologie machen, ist Geschichtenbuch: Verborgene Formen in Perspektive für DSi-Ware. Das Spielprinzip ist eher simpel: In einer dreidimensionalen Umgebungen sind Symbole und Objekte versteckt, die es zu finden gilt. Erkennbar werden diese aber nur mit dem richtigen Blick auf die 3D-Szene. Dazu registriert der DSi bzw. 3DS mit seiner Frontkamera die Kopfbewegung des Spielers und verändert, ähnlich wie in den Demos für Wii udn iPhone, die Perspektive. Sicher kann man sich auch aufregender Spiele vorstellen als diesen Puzzler, aber allein Idee finde ich sehr interessant.


Das Geschichtenbuch habe ich mittlerweile angespielt und bin von der Umsetzung nur mäßig begeistert. Während ich das Grundprinzip immer noch super finde, ist die Umsetzung leider nicht so gut gelungen. So flüssig wie im Video funktioniert es nämlich nicht. Es gibt schon eine spürbare Latenz zwischen der Bewegung und der Perspektivveränderung. Es macht deutlich mehr Sinn, den DS zu bewegen als den Kopf. Und zu schnell sollte man auch nicht sein oder den Blickwinkel zu steil machen, sonst gerät man schnell außer Reichweite der Kamera. Wichtig ist auch, den richtigen Abstand zum Gerät zu wahren, sonst wird die Erkennung schlechter.

Insgesamt bleibt es bei der netten Idee. Mustererkennen ist nicht übermäßig spannend, zumal wenn die Technik nicht richtig mitspielt. Fünf Euro ist gerade noch fair, andererseits bekommt man dafür auch zwei bis drei wirklich gute Spiele auf dem iPhone. Wer sich die Technik gern mal real ansehen möchte, findet hier das geeignete Spiel, wer aber ein sinnvolles Spiel sucht, wird hier leider enttäuscht. Nex

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14. Oktober 2019 um 17:42 Uhr
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