Online-Quitter

(Artikel)
Haris Odobašic, 25. Mai 2011

Online-Quitter

Die Pest des Internets

Manche Leute würden sagen, dass diese fiesen Hacker die wohl schlimmste Bedrohung sind, die einem armen Zocker in den Online-Netzwerken auflauern könnten. Andere hingegen würden auf Cheater verweisen, die den Spielspaß maximal leiden lassen. Für mich sind aber die Quitter die schlimmsten von allen. Wenn der Anbieter des Online-Netzwerks nämlich ein schlüssiges Sicherheitskonzept hat, dann muss man sich in der Regel nicht zu viele Sorgen machen, dass ein Hacker großen Schaden anrichten kann, spätestens wenn die persönlichen Daten gut genug verschlüsselt sind, hört der Spaß für den unbefugten Eindringling auf. Und bei den Cheatern kann man sich zumindest sicher sein, dass der Banhammer sie irgendwann treffen wird, um sie ihrem gerechten Schicksal zuzuführen. Quitter aber nerven mehr -- und man wird sie einfach nicht los, da kaum ein Publisher jemanden fürs exzessive Abbrechen von Spielen bannen wird.

Problematisch werden die Spiel-abbrechenden Quälgeister vor allem dann, wenn die Entwickler aus lauter Naivität nicht mit solchem Verhalten rechnen oder irgendwelche Gegenmaßnahmen nur unzureichend implementieren. Nehmen wir Halo als Beispiel. Wer nicht quittet, wird am Ende eines Spiels mit einem Jackpot belohnt, der je nachdem, wie brav man seine Spiele zu Ende spielt, in schon fast astronomische Höhen steigen kann. Das ist den meisten Spielern Motivation genug, aber es gibt auch Spieler, die sich nicht um die Credits und die damit kaufbaren Rüstungsteile scheren. Und wenn man online spielt und plötzlich das eigene Team quittet, so dass man alleine gegen mehrere Gegner spielen darf, stirbt der Spielspaß schnell. Da bringt auch die Tatsache, dass man zu Ende gespielt hat, während die anderen ihren Creditbonus verlieren, nur wenig als Trost, wenn man sich die nächsten zehn Minuten wie eine Schießbudenfigur fühlen darf. Ein Problem, das vielleicht mit einem automatischen Ausbalancieren der Teams zu lösen wäre.

Ein anderes Beispiel findet sich bei Pro Evolution Soccer. In einem früheren Teil der Serie bedeutete ein Abbrechen, beispielsweise durch das Ziehen des Internetsteckers, dass man eine realistische Chance darauf hatte, zu gewinnen. Wenn man also in der 90. Minute das entscheidende Gegentor kassierte, konnte man einfach den Stecker an der Xbox ziehen und mit etwas Glück, die Chance lag wohl bei ungefähr 50%, würde das System es so registrieren, dass der andere Spieler das Spiel abgebrochen hat und deswegen einem selbst den Sieg zusprechen. Wer abbrach, wenn er sowieso hinten lag, hatte also gar nichts zu verlieren und man konnte einfach nur jedes Mal von neuem hoffen, dass man einen Gegenspieler erwischt hatte, für den Fairness was bedeutet.

Auf frischer Tat ertappt: ein gemeiner Quitter.

Andererseits gibt es durchaus Situationen, wo man verstehen kann, dass jemand quittet. Um bei den Sportspielen zu bleiben: wenn der Gegenspieler schon in den ersten Spielminuten seine Dominanz deutlich macht und einen großen Vorsprung aufbaut, der eigentlich nicht mehr einholbar ist, was bringt es dann noch, weiterzuspielen? Vor allem, wenn dieser Gegenspieler noch zu der Spezies der Replay-Durchlaufen-Lasser gehört, die jede Wiederholung in zehn Kamerawinkeln wiederholen, so dass man am Ende mehr Zeit damit verbracht hat, sich diese anzuschauen, anstelle richtig zu spielen. In solchen Fällen wäre es wünschenswert, wenn man einfach ehrenvoll aufgeben könnte ohne sich den Rest der Spielzeit weiter abschießen zu lassen.

Dennoch gibt es positive Beispiele. Beim Meister-Liga-Online-Modus des neuen Pro Evolution Soccers quittet niemand, da man sich damit nur selbst schadet, kriegt man ja nicht nur eine Niederlage angerechnet, sondern darf auch Geld zahlen. Spielt man zu Ende, egal wie das Resultat aussieht, wird man hingegen mit einer Finanzspritze belohnt, die, was sehr wichtig ist, in bessere Spieler investiert werden kann.

Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass mehr Entwickler solch einem Beispiel folgen. Quitter gehören konsequent bestraft, am schönsten wäre eine Markierung im Profil mit dem Titel "Spiele abgebrochen:", auch wenn diese auch Leute mit einer etwas zweifelhaften Internetverbindung erfassen würde. Zumindest sollte es möglich sein, die Spieler, die ein Spiel abbrechen, mit einer Niederlage zu bestrafen, aber gleichzeitig es weit unterlegenen Gegnern ermöglichen, die Spiele aufzugeben. Evil

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02. Dezember 2021 um 05:38 Uhr
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