Virtua Tennis 4

(Artikel)
Haris Odobašić, 10. Mai 2011

Virtua Tennis 4

Segas Doppelfehler

Tennis-Spiele sind eine Anomalie in der Welt der Sportspiele. Liegt der normale Rhythmus bei jährlichen Iterationen, erscheinen die Spiele zum weißen Sport meistens zweijährig. Vorbildlich, würde man meinen, bis Sega den quasi-Nachfolger zu Virtua Tennis 3 namens Virtua Tennis 2009 herausgebracht hatte. Von einem neuen Entwicklerstudio stammend war VT 2009 genau das, was eigentlich durch den längeren Entwicklungszyklus hätte vermieden werden sollen: ein Marginal-Update. Die Reaktionen waren bei Fans und Presse dementsprechend, weswegen Virtua Tennis 4 wieder den alten Entwicklern, Sega Hitmaker bzw. AM3, überlassen wurde. Doch auch wenn das neueste Tennis-Spiel von Sega ein großes Inhaltspaket spendiert bekommen hat, ist es insgesamt ein enttäuschendes Spiel.

Das liegt zum einen am Gameplay. Ich habe extra nochmal das allererste Virtua Tennis reingeschmissen und auch wenn die Unterschiede, besonders bei KI und Animationen, auffallen, ist das Grundspiel noch immer dem ersten Teil aus dem Jahre 2001 ähnlich. Zu ähnlich. Dieselben Schlagvarianten, ähnliche Bewegungsabläufe, repetitive Spielsequenzen. Ignoriert man das Technische fällt es schwer, zu erkennen, dass überhaupt ein Generationensprung stattgefunden hat.

Virtua Tennis 4 wird auch nicht dadurch geholfen, dass es sich manchmal eher schlecht als recht steuert. In den meisten Fällen reagieren die Kontrollen schnell auf die Eingabe des Spielers, aber dann gibt es immer mal wieder Situation, wo man sich als Gamepad-Bediener einfach nur machtlos fühlt. Man bewegt den Stick in die richtige Richtung, drückt den Knopf, und der doch eigentlich erreichbare Ball segelt trotz allem knapp am eigenen Charakter vorbei zum Punktgewinn für den Gegner. Das passiert zwar vielleicht pro Match ein- oder zweimal, aber da Tennis ein Spiel ist, bei dem ein verpasster Ball gleichbedeutend mit einem Punkt für den Gegner ist, frustriert das schon.

Doch nicht alles ist Schatten bei Virtua Tennis. Der World Tour-Modus, in dem ihr einen Tennisrecken erstellt und ihn vom Nobody zum Tennismeister macht, ist sehr gut gelungen. Auf einer Art Spielbrett, welches die Welt repräsentiert, könnt ihr euch pro Zug zwischen einem und vier Schritten bewegen. Je nachdem, auf welchem Feld ihr danach landet, passiert etwas. Das reicht von Turnieren über Trainingsmatches bis hin zu Minispielen, die eure Werte verbessern. Dabei müsst ihr aber immer auf den Zustand eures Spielers achten und gelgentlich versuchen ein Feld mit Erholungseffekt aufzusuchen, denn wenn die Leiste im kritischen Bereich ist, bedeutet das eine Knöchelverletzung für euren Spieler, die auch spürbare Auswirkungen auf das Spiel hat. Mit einem kaputten Knöchel gewinnt ihr keines der großen Turniere, das kann ich euch versprechen.
Durch die viele Abwechslung im World Tour-Modus und gerade weil die Trainings-Minispiele allesamt sehr gelungen sind, ist der Modus motivierend, auch wenn man ihn schon nach wenigen Stunden durchgespielt hat. Ärgerlich ist nur, dass, wenn man es nicht schafft innerhalb eines Jahres weit genug in der Tennisrangliste aufzusteigen, man am Ende nur einen kurzen Endbildschirm zu sehen kriegt, der sagt, dass man es nächstes Jahr wieder versuchen soll. Wer also zu Beginn ein paar Turniere schlecht spielt hat praktisch schon so gut wie gar keine Chance, das Spiel positiv zu Ende zu bringen und muss dann ein paar Stunden umsonst weiterspielen, damit er wenigstens im nächsten Durchlauf Geld und Trainingserfolg seines Recken übernehmen kann, während die Ranglistenposition zurückgesetzt wird.

Die Präsentation ist leider durchwachsen. Die Spielermodelle sehen gut aus und es gibt einige grafische Spielereien, wie zum Beispiel einen Schweißeffekt. Der ist zwar dezent übertrieben, so dass man sich manchmal fragt, ob der Charakter gerade von einer Bukkake-Party zurückgekommen ist, sieht aber insgesamt gut aus. Dafür sind die Animationen eher schäbig, was nicht unbedingt an ihrer Qualität liegt, sondern an der Anzahl. Gewinnt man ein Match, gibt es genau eine Animation des Spielers. Leider sind auch die Zwischensequenzen, die nach spannenden Ballwechseln, Satzgewinnen und Ähnlichem eingespielt werden, ebenfalls streng limitiert, so dass man sich schnell wünscht, sie einfach abschalten zu können. Diese Option bietet Sega einem aber nicht.
Im Soundbereich sieht es auch nicht viel besser aus. Spieler- und Publikumsgeräusche sind akzeptabel, aber während der Matches läuft dauernd nervige und unpassende Musik, die man schnellstens im Menü leise drehen sollte.

Virtua Tennis 4 hätte das beste Virtua Tennis aller Zeiten werden können, aber selbst das wäre einfach nicht mehr gut genug. Zu sehr hat sich Sega die letzten Iterationen über auf Altbekanntes verlassen und es nicht geschafft, das Grundgameplay an die neue Konsolengeneration anzupassen. Falls ihr auf Federer oder Nadal verzichten könnt, empfehle ich euch definitiv zum ersten oder zweiten Virtua Tennis zu greifen. Grafisch nicht mehr auf der Höhe, ist der Spielspaßfaktor doch gerade im Multiplayer höher. Evil

Kommentare

kurt
Gast
25. April 2012 um 05:11 Uhr (#1)
Sagt mal ehrlich....Gibt es überhaupt eine chance im profimodus
zu gewinnen???? und wenn wie. ich bekomme meinen Charakter einfach nicht srärker
kurt
Gast
25. April 2012 um 05:14 Uhr (#2)
ich habe schon bestimmt 6-8 mal die Tour durchgezockt..
aber der computer entscheidet anscheinend schon vor dem match wie es auszugehen hat.echt frustrierend...
Gast
27. April 2018 um 06:25 Uhr
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