Civilization V

(Artikel)
Rian Voß, 02. Mai 2011

Civilization V

Virtuelles Koks

Ich habe einen Fehler gemacht. Einen großen Fehler. Die meisten, die das Spiel kennen, wissen wahrscheinlich bereits, welchen Fehler ich meine: Ich habe mit Civilization angefangen. Und wie Crystal Meth macht Sid Meiers Kopfgeburt bereits nach dem ersten Probieren 100% abhängig. Freunde, Uni, Privatleben, imaginäre Haustiere, körperliche Hygiene - alle müssen darunter leiden. Ich habe immerhin gerade ein paar Minuten Zeit gefunden, in denen ich mich vom stählernen Griff des Kultur-Simulators befreien konnte, aber ich höre schon wieder seinen Sirenen-artigen Ruf. Sagt der Civ-Klinik bescheid! Ich muss entgiften!

Angefangen hat das alles, als ich noch gar keinen eigenen PC hatte: Bei einem Kumpel wurde Civ 2 installiert und wir konnten gerade mal so die Hälfte aller der großen Wörter im Spiel verstehen, aber das war uns egal! Es war uns auch egal, wie das Spiel eigentlich funktionierte und was für Hinweise und Tutorials das monsterhaft breite Anleitungs-Manuskript bereithielt, denn wir haben einfach drauflos gespielt, unserer Zivilisation beim Wachsen zugeschaut und irgendwann gar keinen so schlechten Job gemacht. Space Age, Baby! Ab zum Mond!

Letztes Jahr habe ich mir dann mal, nach langer Abstinenz, gedacht: Hey, könntest eigentlich mal wieder Civ. Also den zweiten Teil besorgt, installiert, nichts verstanden. Anleitung war mir zu aufwändig und drauflosspielen wollte ich auch nicht. Ich will doch einfach nur ein paar hohle Höhlenbewohner zu raketenreitenden Musketieren ausbilden! Also zum lokalen Mediamarkt geflitzt, Civ 4 in der Green Pepper-Edition abgestaubt, installiert und bei den Tutorials eingeschlafen. So etwas Ödes! So etwas Trockenes! Mir rollten sich die Fußnägel auf, als ich Sid Meiers digitaler Vorlesung zum Einheitenmanagement beiwohnen musste. Ne, also, so nicht. Schnell wieder deinstalliert und die Lust verloren.


Nun hatte ich vor kurzem ein paar Stunden Leerlauf und wollte Civilization doch noch mal mit dem Fünfer eine neue Chance gönnen. Habe schließlich gehört, dass das Spiel ordentlich reinhauen und wesentlich intuitiver sein soll. Und, bei Gott: Es war nicht gelogen.
Civ 5 hält zwar einige Tutorials für das genauere Studium bereit, aber man kann auch sehr gut den Learning-by-Doing-Ansatz wählen, wo einem ab und zu die Berater erzählen, was man denn so machen könnte. Aber ganz ehrlich: Das Interface des Spiels ist schon mehr Erklärung als man braucht. Wie bei all den alten Civs sieht die grobe Runden-Routine sehr einfach aus: Baue Siedler, gründe eine Stadt, sage den Leuten der Stadt, was sie bauen und anbauen sollen (da gibt's dann auch Empfehlungen per Icons), entscheide dich für ein Wissenschaftsprojekt und führe ab und an Krieg gegen andere Nationen. Um nicht irgendwas in seiner Runde zu vergessen, gibt es eine ziemlich geniale Ein-Klick-To-Do-Liste: Über der Minimap ist ein großer Button, auf dem steht immer eine Aktion drauf, die man noch tun kann - Einheiten herumschicken, Produktion auswählen etc. Hat man alles erledigt, erscheint dort der Befehl zum Beenden der momentanen Runde und die anderen Spieler sind dran.
Das klingt jetzt schon fast nach Automatisierung, allerdings war ich ziemlich froh darüber, da bei Civilization der Teufel ohnehin im Detail steckt, da fände ich es grausig, wenn man dann in einer Runde noch irgendwas Wichtiges vergessen würde. Zu den Sachen, die man nämlich sonst so noch managen muss, gehört das Vernichten der allseits kriegerischen Barbaren in der Umgebung, Diplomatie mit anderen Herrschern (auf vielen intriganten Ebenen), das Durchqueren der Umgebung (wobei der Untergrund ähnliche Eigenschaften bezüglich Bewegung und Kampf hat wie Advance Wars), der Produktionsfokus von Städten (der sich immerhin auch halb- oder vollautomatisieren lässt), das Auswählen von Kultur-Boni, das Verbessern der Ländereien in den eigenen Grenzen, das Aufpassen, dass die Bürger immer gut gefüttert und glücklich sind, und ein ganzer Haufen weiser Voraussicht in vielen Gebieten.

Zudem gibt es seit diesem Teil die Stadtstaaten: Autonome Nationen, die das Spiel zwar nicht gewinnen können, allerdings gerne Allianzen mit großen Nationen eingehen, was viele kulturelle oder militärische Vorteile haben kann. Oder man annektiert diese kleinen Warmduscher einfach oder macht daraus einen Puppenstaat, der sich zwar selbst managed, aber uns weiterhin Rohstoffe zukommen lässt.


Ich hatte bei meinem augenblicklichen Spiel, das über zwei große Landmassen mit sechs Spielern geht, etwa das Pech, mit meinen Azteken gerade auf dem Kontinent mit drei anderen Spielern gelandet zu sein. Da habe ich mich zum Anfang an erst einmal aus größeren Konflikten herausgehalten, habe schön Frieden mit allen gehalten, meine Wissenschaft und Kultur außerordentlich vorangetrieben und erst militarisiert, als die rohstoff- und geldarmen Japaner Kopenhagen eroberten - was den anderen Nationen in der Nähe nicht sonderlich gefiel und die mich schon um einen Kriegspakt gebeten haben. Den habe ich erst mal abgelehnt, weil ich noch nicht stark genug war, dann hat Deutschland irgendwann Japan selbstständig den Krieg erklärt (sehr unhistorisch, ich weiß) und dann habe ich mit meinem erstarkten Militär blitzschnell zugeschlagen, eine geschwächte, japanische Stadt nach der anderen eingenommen und holterdipolter hatte ich meine Grenzen einmal über das ganze Land gezogen.
Tja, und Deutschland lag dann irgendwie ungünstig nördlich und südlich von meinem Imperium, das war mir ungünstig, da habe ich mal einfach gleich weitergekriegt. Fürst Bismarck hat mir zwar ein echt gutes Friedensangebot gemacht, aber hey: Man muss sich vor der deutschen Bedrohung in Acht nehmen!

Nachdem ich mir also auch Groß-Germanien einverleibt habe, habe ich meinem blutdürstigem Treiben (ich hatte immerhin einen Grund dazu: Azteken opfern ihre Feinde und bekommen dadurch Kultur geschenkt!) ein Ende bereitet. Das kleine Siam ist ganz niedlich in der südöstlichen Ecke meines Landes und vor den Übersee-Herrschern USA und Groß-Britannien habe ich nicht sonderlich viel Schiss - George Washington will mich zwar ständig gegen die Königin aufhetzen, aber das kann er ruhig selbst machen. Die Teeparty möchte ich nicht stören, haha! Hah... Hah...

Helft mir bitte. Rian

Kommentare

Critic
Gast
17. Dezember 2014 um 00:33 Uhr (#1)
hey, ganz nettes review. ich weiß ich bin spät (ganze 3 jahre, wow). aber du hast recht. ich spiel es nur noch in nächten, in denen ich weiß ich muss am nächsten tag nicht arbeiten. nur...noch...eine...runde. und schon ist es halb 1. in der nacht
Ben
17. Dezember 2014 um 11:58 Uhr (#2)
Im Multiplayer dauern die Runden später auch mal 20 Minuten, wenn mehrere Spieler in Kämpfe verwickelt sind. Man muss sich für solche Sessions eigentlich ein Wochenende Zeit nehmen.
Rian
21. Dezember 2014 um 00:48 Uhr (#3)
Nur noch... eine... Runde...
Gast
21. November 2019 um 12:59 Uhr
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21. September 2010
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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