Fate of the World

(Artikel)
Rian Voß, 27. April 2011

Fate of the World

Ordentlich am Abgas-Rädel drehen

Bio-Terroristen mit Hang zum Größenwahn aufgepasst: Wenn ihr lernen wollt, wie man bis zum Jahr 2080 effektiv die Welt zerstört ohne auch nur eine einzige Atombombe zu zünden, dann ist Fate of the World genau das Richtige für euch. Der Rest kann sich ja einfach der Weltrettungsversuche bei einem realistischen, minimalistischen Runden-Strategiespiel erfreuen.

Das Spiel von Red Redemption ist mehr oder weniger genau das, wonach es zuerst aussieht: ein unverhohlener, grüner Zeigefinger, der ernsthaft auf die Klimaprobleme der Welt zeigt. Da rollt man in den ersten Minuten ziemlich mit den Augen, bis man dann bemerkt, dass an der Hand noch ein paar andere Finger dran sind und das Spiel die anderen globalen Probleme nicht außer Acht lässt: Überbevölkerung, Energiehaushalt, Lebensqualität, Grundnahrungsmittel-Sicherstellung, Katastrophenschutz, Arbeitslosigkeit und so weiter und so fort. Man ist nämlich der neugewählte Chef der Global Environment Organization (GEO) und hat als solcher komplette Macht über einen ganzen Haufen Asche und darf sich in politische, militärische, wirtschaftliche und sonstige Angelegenheiten aller Länder komplett einmischen. Und jetzt alle zusammen, drei, zwei, eins: MUAHAHAHAHAHAHA!

Um nicht gleich komplett unter Beschwerden aller Völker begraben zu werden, staffelt sich der Ablauf in mehrere Etappen, zum Beispiel soll man zuerst in Fünfjahresschritten bis 2040 Nord- und Südafrika wieder auf die Beine bringen, später dann dafür sorgen, dass weltweit die Ölproduktion nicht unter den Tisch fällt und mehr. Egal, was das Hauptziel einer Mission ist, zwei Statistiken sind immer wichtig: Der Human Development Index (HDI) und die Herzchen-Leiste, die die Unterstützung eines Landes bezüglich der GEO anzeigt. Ersterer ist ein Wert einer Skala von 0 bis 10, der misst, wie gut es einem Volk gemessen am allgemeinen Fortschritt geht (und der in jeder Mission am Ende des Spiels nicht unter einem bestimmten Wert sein darf, also darf man nicht ein Volk zum Wohle der anderen einfach so ausbeuten), das Leeren der letzteren führt dazu, dass man aus dem Land rausgeschmissen wird und keine Macht mehr hat. Da fliegt dann der Autopilot.


In Aktion tritt man dann über die Weltkarte (welche, wenn man die ganzen Menüs nicht zählt, die einzige Ansicht des Spiels ist) sehr leicht: Man wählt ein Land aus, rekrutiert für das Land Agenten, kauft sich Karten, die für bestimmte Entwicklungen stehen, etwa allgemeine Gesundheitsversorgung oder die Kampagne gegen Waldabholzung, und drückt diese einem Agenten in die Hand. Je mehr Agenten man hat, desto mehr Kampagnen kann man in einem Land gleichzeitig laufen lassen. Hat man seine ganze Kohle verscheuert, spult man die Zeit fünf Jahre vor, guckt sich in den Nachrichten die Ergebnisse seiner Taten an und handelt auf's Neue.

Das klingt jetzt erst einmal sehr einfach, allerdings entpuppt sich das ganze System sehr schnell als eine Abwechslung für eingesessene Civilization-Veteranen, denn das eigentliche Gameplay besteht aus dem Beherrschen und Interpretieren der gut strukturierten Menüs und Statistiken. Man wird sehr viel mit Fachbegriffen zugehauen (als ob ich jetzt gewusst hätte, was HDI oder GDP bedeuten würde), aber ein handliches, spielinternes Lexikon erklärt in aller Knappheit und verständlich die dem Nicht-BWL/VWL-Studenten fremden Begriffe. Insofern war die erste halbe Stunde trotz schnellem Tutorial doch ein wenig quälend und Nord-Afrika hat sich dreimal dagegen gewehrt, seinen scheiß HDI auf über 7.0 hochgezogen zu bekommen. Aber nachdem ich's einmal geschafft hatte, die Wiege der Welt strampelnd und schreiend in die globale Komfort-Zone zu drängeln, war die Routine auch gut drin.

Und es ist spannend! Jede Handlung hat natürlich seine Konsequenzen und nach der kleinen Afrika-Startermission wird man auf die ganze Welt losgelassen. Da heißt es abwägen: Welche Nationen können auf sich selbst aufpassen, wo ziehe ich Geld ab, wo stecke ich Geld rein? Wo werden Energie und giftige Abgase produziert, wer braucht humanitäre Hilfe, wer darf reine Luft schnuppern? Wo schlagen die nächsten Katastrophen ein, wo bauen sich militärische Unruhen auf? Wenn man die Welt endlich unter seiner Fuchtel hat, ist man bereits gut genug, um die Übersicht zu wahren, aber das macht die Entscheidungen nicht leichter. Bei mir musste zum Beispiel 2060 das gute, alte Nashorn dran glauben - dafür wurde immerhin Südamerika nicht geflutet! Und Ozeanien wird ordentlich mit Steuern zugepflastert, die sind ja ansonsten so glücklich. Dafür muss man Nordamerika ständig zur Hand gehen, denn die reichste Nation der Welt ist mit einem HDI von 9.schießmichtot trotzdem die ganze Zeit am Rumquengeln wie ein Kleinkind, dem man den Lolli geklaut hat. Die sollen sich mal ein Beispiel an China nehmen! Mit China komme ich gut klar.

Fate of the World ist ein sehr interessantes Spiel für länger oder auch nur zwischendurch und zeigt einem gut, dass manch simpel aussehende Entscheidung doch folgenschwere Konsequenzen von sich tragen kann. Das Spiel gibt es zur Zeit über Steam für 7 Euro und kostet normalerweise 10, oder auch im hauseigenen Download-Verkauf des Entwicklers. Schaut es euch mal an, das Geld ist es mir als Strategie-Muffel jedenfalls wert gewesen. Rian

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03. August 2020 um 10:41 Uhr
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