Aya Breas dritter Geburtstag

(Artikel)
Christian Steiner, 19. April 2011

Aya Breas dritter Geburtstag

Und niemand erscheint

Sonys PSP und Square-Enix haben es nicht leicht. Die portable PlayStation ist von vielen Problemen geplagt und Square-Enix sucht verzweifelt ein eigenes, modernes Profil. Für beide Unternehmen ragt deshalb die Veröffentlichung von The 3rd Birthday aus dem Alltäglichen heraus: Sonys Handheld wird endlich mal wieder mit Spielbarem versorgt und Square-Enix veröffentlicht endlich mal etwas ohne rundenbasierte Kämpfe und/oder Final Fantasy-Bezug für die Plattform. Schade nur, dass dieses Experiment gescheitert ist.

Doch zunächst die harten Fakten. The 3rd Birthday ist ein Spin-Off der rund 13 Jahre alten Parasite Eve-Serie, die ihren Ursprung als Survival-Horror-Rollenspiel auf der guten alten PlayStation fand. Viele von den alten Elementen scheinen allerdings nicht übernommen worden zu sein, denn mit dem PSP-Ableger versucht sich Entwickler Hexadrive am 3rd-Person-Action-Genre mit leicht angehauchten Rollenspiel-Elementen. Waffen können durch wiederholten Gebrauch aufgelevelt und mit XP-Punkten verbessert werden und auch die Hauptcharakterin Aya Brea verbessert in gewohnter Manier ihre Fähigkeiten durch Erfahrungsgewinn.
Die Story-Prämisse ist ebenfalls schnell erzählt: Im Jahr 2012 tauchen riesige plfanzenartige Gebilde aus dem Boden Manhattens auf und begraben Menschen und Gebäude unter sich. Der Schlüssel im Kampf gegen die unbekannten Kreaturen ist Aya Brea. Sie kann nach bester Matrix-Art ihre Seele von ihrem Körper trennen und über eine spezielle Maschine zurück in die Zeit reisen, um somit die Ereignisse zu einem besseren für die Menscheit zu wenden. Gleichzeitig verfolgt sie eine eigene Agenda, denn seitdem sie im Jahr 2010 in einem Hochzeitskleid vor einer Kirche gefunden wurde fehlen ihre alle Erinnerungen.


Es ist zwar stets viel los, die Kontrolle über das Geschehen leidet aber nicht unter dem Handheld

Der Spielablauf gestaltet sich für einen mobilen Titel sinnvollerweise sehr direkt. Das Spiel ist in mehreren Episoden aufgeteilt, die selbst wiederum aus einem größeren Level mit kleineren Abschnitten bestehen. Die Abschnitte präsentieren sich in schlauchförmigen Gängen, die unüberraschenderweise vom Gegner-Gesocks befreit werden müssen. Zwischendurch finden sich die obligatorischen Speicherräume sowie die noch obligatorischeren Zwischen- und Endgegner. Die große Stärke von The 3rd Birthday liegt allerdings nicht in diesem konservativen, ja sogar langweiligen Spielaufbau, sondern dem eigentlichen Spielgeschehen. Die feindseligen Kreaturen ("Infected") werden in routinierter Über-der-Schulter-Manier und einem großen Waffenarsenal zur Strecke gebracht. Der Clou und Retter vor allzu großer Eintönigkeit ist der Overdive-Modus, mit dem man auf Knopfdruck in die Haut der NPC-Mitstreiter schlüpfen kann, vergleichbar dem wenig erfolgreichen Mindjack (übrigens auch von Square-Enix). Dies verleiht dem Spiel eine gewisse "räumliche Breite" im Kampf gegen die Infected, denn so flankiert man die Gegner über mehrere Overdive-Stationen und Mitstreiter.
Ein weiterer taktisches Schmankerl ist die Möglichkeit durch längeres Anvisieren des Gegners seine Teammitglieder zum gemeinsamen Angriff auf diesen einen Gegner zu koordinieren. Hält man in der Haut von Aya lange und geschickt genug durch, so füllt sich die sogenannte Liberation-Leiste, mit der man auf Knopfdruck in einen kurz bemessen Super-Modus wechselt, in dem Aya schneller/besser/härter wird. Das Kampfgeschehen selbst ist relativ abwechslungsarm (Raum säubern - Raum säubern - Zwischensequenz - Endgegner), doch die taktischen Möglichkeiten mischen die Eintönigkeit zumindest etwas auf.

Die Steuerung in den Action-Passagen ist für die PSP erstaunlich gut gelungen. Man merkt Hexadrive die Erfahrung mit der Plattform an, der zweite Analogstick wird beispielsweise überhaupt nicht vermisst. Mit einem brauchbarem Lock-On-System und einer agilen Aya fällt es leicht gegen die Gegnerhorden zu bestehen. Oberflächlich gesehen bzw. in der Theorie betrachtet ist The 3rd Birthday also ein durchaus interessantes Spiel für die ansonsten vergessene PlayStation Portable, verbringt man allerdings mehr Zeit mit dem Spiel fallen die kleinen Macken so tief ins Gewicht, dass man ernsthaft am gesunden Menschenverstand der Entwickler zweifeln möchte.


Aya zeigt sich viel zu selten so selbstbewusst...

Nach einiger Zeit schleicht sich das Gefühl ein, dass man bei Hexadrive kein Verständnis für das Shooter-Genre übrig hat. Viele Kleinigkeiten stören den Spielfluss gewaltig. So ist es beispielsweise nicht möglich Animationsroutinen zu unterbrechen. Eine Eigenschaft, die schon das erste Halo vor knapp 10 Jahren verstanden hat. Wenn ich gerade mitten im Gefecht bin und statt mein Gewehr nachzuladen eine schnelle Granate werfen will, dann soll ich das gefälligst auch tun können. Nicht so bei diesem Spiel. Ebenfalls sehr nervig in der Hitze des Gefechts ist die Uneigenart von Aya mit leeren Magazinen umzugehen. Leert sich der Clip und es ist noch Restmunition für die Waffe vorhanden, dann passiert nichts. Eine automatische Nachladefunktion wäre beispielsweise in vielen Fällen ein Segen. Der Höhepunkt ist aber, wenn die Waffe gänzlich geleert wurde: Statt nämlich automatisch zur nächstbesten Waffe zu wechseln, rennt Aya weiterhin mit einer leeren Waffe im Arm durch die Gegend und stöhnt sinnlos beim Versuch diese Waffe zu benutzen. Im Eifer des Gefechts ein absolut nerviges Detail, das einen zur völlig übertriebener Beobachtung der eigenen Reserven zwingt. Störend auch, dass das Spielgeschehen beim Waffenwechsel (Quadrat-Taste und Steuerkreuz) nicht pausiert, man ist in diesem Moment also völlig hilf- und bewegungslos).

Und überhaupt, was ist los mit dem Charakter Aya Brea? Selbst im Vergleich zu Samus Aran-Perversion aus Metroid: Other M ist sie eine völlig verweichlichte Hauptdarstellerin. Bei den Geschehnissen um sie herum wäre eine starke und selbstbewusste Frau notwendig, stattdessen wird mit einer völlig sinnbefreiten Sexualisierung gespielt. Das fängt bei den wahlweise übertrieben knappen Bekleidungen an und hört bei der ebenfalls völlig unnötigen, aber vorhandenen Duschszene auf. Zwischendurch kommentiert Aya jede zweite Sekunde einer Zwischensequenz mit einem nervigen Stöhnen, bei dem man nicht weiß was es soll (man beachte Ayas "Sprechrolle" in der gesamten Zwischensequenz). Das Spielgeschehen verlangt mit seinem Kriegsszenario und den Feuergefechten eine starke Persönlichkeit, zeigt in den Zwischensequenzen aber ein völlig anderes Bild einer schwachen, auf ihr Aussehen reduzierten Frau.

Die Krönung des Ganzen ist ein einfallsloses, spätestens seit Final Fantasy X langweiliges Charakterdesign. Wirkliche Persönlichkeiten finden sich bei den Nebenfiguren konsequenterweise ebenfalls nicht, lediglich Karikaturen von Archteypen (der Hacker, der Boss, etc.) laufen einem über den Weg. Die Story entfaltet sich unpackenderweise recht belanglos und die Synchronisierung schwankt zwischen lächerlich und durchschnittlich. Ein weiterer Höhepunkt des Sich-an-den-Kopf-Fassens sind stellenweise die Dialoge: Bei einem Bosskampf wurde ich tatsächlich zur Vorsicht ermahnt, weil der Gegner ein "badass" sei. An andere Stelle wurde mir zum Angriff des Schwachpunktes für massiven Schaden geraten. Nein, ich glaube nicht, dass man es ironisch meinte.

Vielleicht lassen sich meine Probleme auf den üblichen Ost-West-Konflikt der Spielergeschmäcker reduzieren. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass es Leute mit einer höheren Frusttoleranz oder einem Faible für diese Art von Spielen gibt. Für mich überwiegen die Negativpunkte aber so stark, dass ich The 3rd Birthday wirklich nur sehr eingeschränkt weiterempfehlen kann.
-Christian

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16. Mai 2021 um 10:58 Uhr
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