Advance Wars: Dual Strike

(Artikel)
Rian Voß, 12. April 2011

Advance Wars: Dual Strike

Buntes Boom Boom

Territoriale Runden-Strategie - ein gewichtiges, Intelligenz forderndes Genre, welches durch viele verschiedene Titel populär gemacht wurde, darunter die Shining Force-Serie, die Fire Emblem-Serie, Final Fantasy Tactics, die Tactics Ogre-Serie, Disgaea und nicht zuletzt Brettspiele wie Axis & Allies. Während sich heutzutage viele Titel aus dem Bereich offensichtlich ans Fantasy-Genre anlehnen, vergisst nur eine Serie ihre physischen Wurzeln nicht: Nintendo Wars, auch bekannt als Famicom Wars, Game Boy Wars, Super Famicom Wars, (offiziell) Advance Wars oder neuerdings auch als Battalion Wars. Ich bin zwar seit langer Zeit ein ziemlicher Loser in dieser Spielereihe, aber mich hat vor kurzem doch mal wieder die Lust auf eine Runde Advance Wars: Dual Strike für den (erratet ihr's am Namen?) Nintendo DS gepackt und, man höre und staune: Ich räume tatsächlich S-Ranks ab!

Mit Dual Strike setzt sich die Geschichte um den Kampf mit der bösen Armee von Black Hole fort, die ja unbedingt den Streit mit Omega Land, Macro Land und was es nicht noch so für Länder gibt sucht. Komisch ist nur, dass seit dem letzten Krieg noch nicht allzu viel Zeit ins Land gegangen ist und die Bösewichte eigentlich vernichtend geschlagen wurden - da trifft es die Allianz der vier Länder ziemlich übel, dass Black Hole auf einmal stärker als je zuvor zurückkehrt. Aber sei's drum - Jake und Rachel, zwei junge Offiziere aus Orange Star, suchen Verbündete zusammen, um sich gemeinsam dem Feind zu stellen.
Die Charaktere, auf die man im Spiel trifft, sind dabei auch verhältnismäßig unterhaltsam gestrickt, richtige Story-, Charakter- oder Dialogtiefe kommt dabei aber nicht wirklich auf, zumal Protagonist Jake die ganze Zeit mit Gossenslang um sich hauen muss. Egal, wichtig sind eh die Kämpfe, welche sowieso fast vollständig die Spielzeit ausmachen.


Wer schon vorher einen Advance Wars-Teil auf dem Game Boy Advance gespielt hat, wird sich in Dual Strike sofort wohlfühlen: es gibt ein paar Einheiten extra, ansonsten ist alles wie gehabt - die Roten sind die Guten, die Schwarzen (nicht die Blauen!) die Bösen und wer will, der darf auch vollständig mit Steuerkreuz und Tasten spielen und lässt den Stylus im Kofferraum. So wie ich zum Beispiel. Wer will schon den Stift auf einer Einheit gedrückt halten, um den Feuerradius zu sehen, wenn man auch B drücken kann?
Wer der Serie noch vollkommen fremd ist: ihr steuert aus der Vogelperspektive eure Armee im Kampf gegen die bösen Invasoren. Ihr beginnt das Spiel dabei mit den billigsten Einheiten auf dem Markt, nämlich ein paar Männeken, leichten Panzern und Aufklärer-Buggies, wobei die Spielmechaniken aber schon früh gut ins Blut übergehen. So ziemlich jede Einheit hat einen Wert für Bewegungsweite, einen Angriffswert gegen bestimmte andere Einheiten (die Buggies sind etwa gut gehen gemeines Fußvolk), einen Verteidigungswert, Treibstoff und so weiter. Viele Einheiten können andere direkt angreifen, einige schießen auf Entfernung. Dann gilt es noch die Beschaffenheit von Untergründen aufgrund von Bewegungsweite und defensiven Eigenschaften auszuwerten, man kann gegnerische und neutrale Gebäude einnehmen, um Geld zu verdienen, und, und, und.
Das klingt jetzt zwar fürchterlich kompliziert, allerdings ist das Spieltempo doch recht langsam und man fühlt sich auch in der zwanzigsten Mission immer noch so, als wäre man in einem Tutorial, da man immer noch neue Vehikel und Strategien kennenlernt.

Der Trick beim Auswerten eines Kampfergebnisses ist, wie schon das große Einheitenmanagement, vom Vorbild Axis & Allies abgeguckt, denn die Verteidiger sind in der Situation nicht wehrlos. Anstatt dass beide Parteien allerdings gleichzeitig angreifen, haben die Eröffner des Gefechts die Initiative, schießen zuerst und die überlebenden Einheiten dürfen dann zurückfeuern. Allein aus diesem Grund schon lohnt es sich häufig, auch mit einer leicht unterlegenen Einheit aggressiv zu sein und es gilt taktisch zu erwägen, ob man einen Panzerfaust-Trupp nun gegen den viel stärkeren Neotank schicken soll, damit dieser geschwächt wird - verminderte Lebensenergie bedeutet nämlich auch verminderter Angriff.

Der Schwierigkeitsgrad ist bei der Sache dann auch nicht ohne, vor allem wenn sich viele Einheiten auf dem Schlachtfeld tummeln und man sich wie ein Schachspieler fühlt, der jeden einzelnen Zug jeder Figur genauestens im Voraus berechnen muss - dabei übersieht man dann doch mal gerne, dass man einen wertvollen, schweren Panzer in die Angriffsreichweite einer Flak bewegt hat und ärgert sich dann tierisch über den entstandenen Krater, der eben noch die feindliche Basis freiräumen sollte.
Aber wenn man dann doch mal in eine Bredouille kommt, können die Fähigkeiten der COs (Commanding Officers) helfen - davon darf man sich nämlich zu Beginn eines Kampfes bis zu zwei in ein Team stopfen, die erst einmal passive Fähigkeiten mit sich bringen (verstärkte Panzer etwa), aber erst beim Auffüllen ihrer CO-Leiste durch Beschädigen und Beschädigtwerden ihr volles Potenzial durch das Entfesseln von speziellen Eigenschaften erfassen. Ganz besonders heftig wird das dann noch, wenn beide COs im Team ihre Leiste komplett gefüllt haben, dann lässt sich nämlich ein mörderisch cooler Tag-Angriff starten, will heißen: Beide COs aktivieren ihre stärksten Superkräfte, erhöhen, wenn die sich gut verstehen, eventuell noch die allgemeine Kampfkraft aller Einheiten und man darf gleich zweimal hintereinander ziehen - das kann das Brett ganz schön von hinten aufrollen.


Neben dem umfangreichen Kampagnen-Modus gibt es dann auch noch den War Room, bei dem man sich gegen die CPU messen kann, falls einem die Kampagne zu billig war, einen Survival-Modus, bei dem man entweder eine bestimmte Menge Geld, Zeit oder Runden bekommt und so lange und so gut überleben muss, wie es nur geht, lokalen Versus (WiFi kam erst mit Advance Wars: Days of Ruin), einen Editor und einen sehr, äh, gut gemeinten Echtzeit-Modus, bei dem man eine Einheit steuert und andere Figuren mit viel Pyew Pyew Pyew erlegen muss.

Allseits dabei ist das bis zu Days of Ruin existierende Markenzeichen der Advance Wars-Reihe: Bunte Pastellfarben. Alles ist fröhlich und schön und sonnig und selbst die bösen, fiesen Volksvernichter sehen doch eigentlich ganz niedlich aus und so richtig nachtragend kann man ihnen doch nicht sein, wenn sie einen ganzen Flugzeugträger samt Besatzung ins Nirvana blasen. Ich finde solche Kriegsdarstellung... fragwürdig. Das hat mich ja schon an Valkyria Chronicles gestört, wo die ethnische Säuberung einer Stadt von einem Tag am Strand abgelöst wurde. Hrrrrm.

Nun ja, es soll ja jeder dürfen wie er will, und auch wenn der Grafikstil nicht unbedingt den Ernst des Krieges übermittelt, so ist er doch schön anzuschauen und das ändert ja auch alles nichts daran, dass Advance Wars: Dual Strike ein anspruchsvolles, langanhaltendes Spiel im Single- wie im Multiplayer ist. Schaut es euch mal an, wenn ihr es noch nicht getan habt. Rian

Kommentare

peter
Gast
24. September 2015 um 16:15 Uhr (#1)
2
Rian
25. September 2015 um 10:33 Uhr (#2)
Hervorragender Kommentar, schließlich ist die 2 essentiell für Dual Strike! Zwei Screens, zwei Kommandeure!
Gast
16. September 2019 um 02:41 Uhr
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