Wiederspielwert

(Artikel)
Joshua Peters, 18. Juli 2017

Wiederspielwert

Most of the time you're doing it wrong

In unseren schweren Zeiten, in denen kaum noch einer Videospiele für den Vollpreis kaufen würde und alles gebraucht oder reduziert abgegriffen wird, wollen die Menschen auch noch was für ihr Geld haben. Wie stellen die Entwickler das sicher? Naja, zum einen könnte man das Spiel ja vielleicht einfach so gut machen, dass es sein Geld wert ist. Wenn es da hapert, kann man ja mehrere Enden einbauen und mit einem hohen Wiederspielwert und vielen Geheimnissen rumprollen. Manchmal ist es auch beides. In anderen Fällen kann man ein Spiel einfach weiterspielen, solang man will, wenn die Story vorbei ist - so wie es in vielen Open World-Games der Fall ist. Und bei Pokémon! Im Prinzip geht es einfach nur darum, dass man versucht Leute glücklich zu stellen, die ungern 70€ für 15 Stunden Spielspaß (oder weniger) ausgeben - und das ist ja auch vollkommen in Ordnung, keiner will das. Und da viele Spiele nur noch so kurze Spielzeiten haben, aber trotzdem so teuer sind, verstärkt ja sich auch das Phänomen des Sonderangebots und des Gebrauchthandels. Klar, als Kind ist man darauf angewiesen, weil das Taschengeld in den meisten Fällen nicht mehr hergibt, und auch so ist ja nichts Schlechtes am Sparen. Aber ich komme von der ursprünglichen Intention des Artikels ab: es geht eben um jene Spiele, die meinen, man könnte sie immer und immer wieder spielen, weil es immer etwas zu entdecken gibt.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 16.1.2011 veröffentlicht.


Dieses Ziel an sich finde ich ja gut. Ich mag es, wenn sich die Dinge, die ich in einem Spiel tue, auch auswirken. Das gilt jetzt natürlich nur für Spiele, in denen man auch eine Wahl hat. Häufig gibt es aber das Problem, dass entweder die großen Entscheidungen kurz vor Ende eintreten, so dass man nach dem Durchspielen einfach seinen letzten Speicherstand lädt und das andere Ende ausprobiert, oder aber man das ganze Spiel mit allem Drum und Dran wirklich komplett nochmal spielen muss, nur dass man immer wieder mal andere Entscheidungen trifft. Das ist ja auch okay, kann aber mitunter bei etwas zeitintensiveren Rollenspielen schon nerven.
Manchmal gibt es ja auch einfach keine anderen Enden, sondern nur viele Klassen und Klassenkombinationen, die man spielen kann. Ich kenne das von mir, dass ich erst total motiviert bin, die anderen Enden zu sehen oder mal einen neuen Charakter auszuprobieren, aber man hat sich ja eigentlich schon an das Endgame gewöhnt und ist dann wieder nur so ein kleiner Pimpf ohne alles und muss sich erstmal aufleveln, um zu gucken, ob das, was man sich da als Protagonist erdacht hat, auch was taugt. Und nach mindestens 10 Stunden habe ich dann keine Lust mehr.

Was da Abhilfe schaffen kann ist das "New Game +", also dass man wieder ein neues Spiel anfängt, aber seine Items und Charakterstufe behält. Da hab ich persönlich dann auch mehr Lust drauf. Es ist lediglich nicht optimal, wenn man eigentlich einen neuen Char ausprobieren will, denn das geht damit meistens nicht. Aber egal - es spielt sich einfach ganz anders, wenn man beim ersten Durchspielen 40-60 Stunden reinsteckt, sich alles holt, was man will, IMBA wird und dann übermächtig durch die nächsten Playthroughs in jeweils drei Stunden durchfegt und dann alles gesehen hat, was man will. Das mochte ich schon bei Mass Effect, wobei ich da natürlich jedesmal den Schwierigkeitsgrad angezogen habe (was im Grunde egal war - der zweite Playthrough war mit Abstand der härteste und danach war man einfach so highlevel, dass die Gegner danach einfacher waren als "Normal" seinerzeit), und auch NIER, welches ich nach all dem (angemessenen) Gehype von Rian ja auch mal spielen musste (SO GEIL!), hat das sehr schön geregelt.


Ich denke es ist auch einfach eine Art Ermüdung, die einem das "New Game +" sympathischer erscheinen lässt, als wenn man wieder einen Char von ganz unten raufzüchten müsste. Schließlich hat man ja schon gelevelt, gefarmt, gecraftet und, und, und. Da möchte man nicht wieder ganz unten sein. Und im Grunde hat man das Spiel ja schon durch... Wenn es andere Enden gibt, findet man die bestimmt auf YouTube und die anderen Chars probiert man dann halt mal aus und guckt, was die können. Aber nochmal 20-30 Stunden mit denen spielen? Mit den allen? Ne...

Ich weiß auch jetzt schon, dass, wenn es beim zweiten Abenteuer des Hexers mit seinen 16 Enden und unendlich verzweigten Zusammenhängen kein "New Game +" oder eine ähnliche Lösung hat, ich es wohl einfach einmal durchspielen würde und dann wär das Ende, was ich sehe, halt mein persönliches Witcher 2-Ende - so wie es passieren würde, wenn ich in Geralts Position wäre. Das ist ja im Grunde so auch ganz schön, wenn ein Spiel für verschiedene Spieler auch verschiedenen Enden hat und ich habe mich mit einem Kumpel aus der Uni auch immer stundenlang über Entscheidungen in Bioware-Spielen unterhalten und diskutiert, warum ich mich jetzt z.B. dafür entschieden habe, die Rachni-Königin am leben zu lassen und nicht zu killen, oder ob man jetzt Morrigan schwängern sollte oder nicht. Aber so schön das auch sein mag mit einem Ende für jeden - meistens gibt es ja doch Achievements dafür, alle gesehen zu haben. Und das ist auch eine Methode die Leute an Spiele zu fesseln. Man zwingt sie das Spiel länger als man eigentlich will oder es hergibt zu spielen, weil es mit Gamerscore belohnt wird. Aber dann motiviert einen diese Zahl in seinem Profil und nicht das Spiel selbst.

Auch Ihr - Jozu

Kommentare

Rian
16. Januar 2011 um 21:49 Uhr (#1)
Ich glaube, bei dem "Ich fange mit einem neuen Char an"-Ansatz liegt auch einfach ein narratives Problem vor: Man hat den Charakter vom ersten Playthrough einfach zu gern. Das ist der "echte" Shepard oder der "echte" Sohn des Bhaal, alles andere ist nur zum Rumspielen da. Und das ist auch ganz verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass viele Leute fast genau so viel Zeit in einen Charaktereditor stecken wie ins eigentliche Spiel
Kristin
16. Januar 2011 um 22:51 Uhr (#2)
... oder man lässt einfach seine Freundin kurz Halo spielen, damit man für ein bestimmtes Achievement noch mal von vorne anfangen muss? :3
KenDeep
16. Januar 2011 um 23:09 Uhr (#3)
Der "Neue/Andere Char" ansatz ist eigentlich nicht negativ zu Betrachten, da er meist eine neue unentdeckte Lücke schließt. Sehr nervig sind nur die Wiederholphasen, wo man wirklich erst gen Mitte des Spiels was neues entdeckt, weil die Motivation bis dahin einfach nur flöten geht. "9 ist in der Tür 5 explodiert? Kennen wir schon, *gähn*... oh, da ist was neues... moment, das kenn ich doch auch..."
Rian
17. Januar 2011 um 00:04 Uhr (#4)
Das ist ja gerade das, was an dem Artikel als negativ bemäkelt wird - oder hast du die ganzen "eigentlich" überlesen? xD
KenDeep
17. Januar 2011 um 16:26 Uhr (#5)
Mir gings nur ums Kommentar ;)
Bronko
19. Januar 2011 um 16:26 Uhr (#6)
Oft isses nur nervig für ein paar kleinigkeiten nochmal alles neu zu spielen.... wo bleibt da der genuss??
Gast
22. Oktober 2017 um 03:00 Uhr
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