Spieletester!

(Artikel)
Haris Odobašić, 05. Dezember 2010

Spieletester!

I'm on a plane!

Mein Abenteuer ist vorbei. Es waren auf den Tag genau sechs Monate, als ich in den Flieger stieg um meinen Einstieg in die Spielebranche als linguistischer Tester zu finden. Ich war nicht einmal 24 Stunden mit der Schule fertig, als ich im Flugzeug nach Kanada saß und während ich das hier schreibe, stehen meine Koffer schon an der Haustür und mich trennen weniger als 24 Stunden von der Rückkehr in die Heimat. Zeit auf sechs schöne Monate zurückzublicken.

Natürlich war einiges anders, als ich es mir anfangs vorgestellt hatte. Denn Spieletesten besteht eben nicht nur aus den Sonnenseiten. In einer Firma mit mehreren hundert Mitarbeitern, die dutzende Projekte gleichzeitig betreut, kann es passieren, dass man auf einem Titel landet, dass man ganz sicher nicht freiwillig spielen würde. Wenn man aber an einem Spiel arbeitet, wo man nicht anders kann, als den Kopf zu schütteln und zu beten, dass niemand wirklich ernsthaftes Geld dafür ausgibt, kann das durchaus schwer sein das zu tun, wofür man bezahlt wird: mit höchster Motivation und Sorgfalt zu arbeiten, um sicherzustellen, dass zumindest die linguistische Qualität des Spiels hervorragend ist.

Und der Job kann auch wirklich stressig sein. Workaholics können sich vollkommen darin wiederfinden, aber gerade wenn man auf einem der wichtigen Projekte landet, kann es auch mal sein, dass man zwei Monate ohne wirklichen freien Tag durcharbeitet. Und das nicht unbedingt mit normalen Arbeitszeiten! Um 7:30 Uhr zur Arbeit losgehen und dann um 21:30 Uhr zu Hause ankommen kann genauso der Fall sein, wie dass man gesagt kriegt, dass heute mit offenem Ende gearbeitet wird.

Manchmal läuft es auch einfach nicht rund: man kriegt eine Version, die an sich untestbar ist und aus einem angenehmen Arbeitstag wird eine stundenlange Odyssey, in der man tatenlos warten muss. Oder trotz größter Bemühungen schafft man es nicht, eine knifflige Stelle im Spiel zu meistern, die einem den Zugang zu einem bestimmten Teil des Spiels versperrt. Zeitpunkte, wo man gerne den Controller niederlegen würde und sich vielleicht sogar fragt, wieso man überhaupt so was macht und nicht etwas "Ordentliches".
Doch dann gibt es eben auch die Momente, die einen diese gesamten Nachteile vergessen lassen. Wenn man sich in einem internationalen Team vollkommen integriert und plötzlich Freunde aus mehr als einem Dutzend verschiedener Nationen hat. Wenn man zum ersten Mal sieht, wie eine eigene Änderung, sei es ein Bug oder das simple Modifizieren der Datei, die den gesamten Spieltext beinhaltet, es in die neueste Testversion des Spieles geschafft hat. Wenn man einen vollkommen abgefahren Bug entdeckt, der dem gesamten Team Tränen in die Augen treibt -- oder Lob von den Vorgesetzen erntet, weil der Spielfehler wirklich sehr gut versteckt war. Wenn man nach stressigen Tagen und Wochen voller Überstunden plötzlich eine E-Mail von den Entwicklern im Postfach hat, die sich persönlich für die gute Arbeit bedanken wollen. Und natürlich wenn man schließlich das fertige Spiel in den Händen hält, sich die Credits anschaut und irgendwann seinen eigenen Namen entdeckt. In einem richtigen Spiel, das womöglich Millionen von Menschen spielen werden. Verewigt.

Die schöne Flugzeugfotografie kommt von William Cho.
Seien wir mal ehrlich: trotz all der Nachteile wird man im Endeffekt doch dafür bezahlt, dass man sieben Stunden am Tag zockt. Solange man dies immer im Kopf behält, ist der Job des Spieletesters wirklich einer der großartigsten Berufe, die man sich vorstellen kann. Zumindest wenn man jung ist und nicht vor hat, es bis zum Ende seines Lebens zu machen.
Andere Leute gehen nach der Schule zum Bund, aber wir Killerspieler und Gamer wissen: virtuell auf Polygone schießen ist eben doch cooler. Andere machen Zivi und kutschieren dann 12 Monate lang Medikamente durch die Gegend oder spielen den Alleinunterhalter im Altenheim. Wieso also nicht nach der Schule Auslandspraxis sammeln, Spiele testen und sich in den Credits so manches Millionensellers einprägen lassen? Seid mutig und wagt das Risiko. Als Belohnung wartet eine der schönsten Erfahrungen eueres Lebens! Evil

Kommentare

Rian
05. Dezember 2010 um 12:40 Uhr (#1)
Yeaaaah, ich freu mich darauf, dass du wiederkommst. :D
Gast
18. November 2017 um 04:02 Uhr
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