HEUREKA!

(Artikel)
Rian Voß, 25. Februar 2010

HEUREKA!

Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth

Es kommt nicht häufig vor, dass eine Spieleserie sich zwischen den einzelnen Titeln so sehr ähnelt, dass man nach dem zweiten oder dritten Spiel eigentlich keine Ahnung hat, was man noch großartig schreiben soll. Prominente Beispiele sind da Fifa oder Madden, aber auch die Ace Attorney-Serie von Capcom gibt dem Spieler eigentlich immer wieder dasselbe Teil in die Hand. Das ist jetzt nichts Schlechtes, schließlich sind die Spiele eins wie das andere ziemlich genial - es bedeutet nur, dass da eine funktionierende Formel gefunden wurde und es meinen Job ein bisschen schwieriger gestaltet.

Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth ist, in gewisser Weise, ein Spin-Off von der normalen Storyline um Phoenix Wright und dessen Anwaltskanzlei. Wir schlüpfen in die Rolle von Staatsanwalt Edgeworth, Phoenix Wrights Erzrivale im Gerichtssaal, der gerade aus Europa eingeflogen kommt und auf seinem Weg vom heimischen Flughafen bis zu seinem Büro über sage und schreibe drei Mordfälle stolpert - und dann kommen noch zwei dazu. Wie auch sein Freund/Feind im blauen Anzug muss Mr. Edgeworth in allen fünf Fällen die wahren Übeltäter ausfindig machen. Also nichts Neues. Funktionieren tut das ähnlich wie in den anderen AA-Spielen: Erst untersucht man den Tatort, dann quetscht man Zeugen aus. Das geht en detail ein bisschen anders als sonst und trotzdem genau so wie immer.
Diesmal wurde nämlich die übliche Postkarten-Ansicht im Untersuchungs-Teil des Spiels ersetzt durch eine ganz normale Grafik-Adventure-Ansicht à la Monkey Island; anstatt direkt wo drauf zu klicken, steuert man Edgeworth durch die Gegend und guckt sich Objekte an, die man dann entweder genauer untersucht oder sofort im Inventar landen oder man spricht mit Leuten. Außerdem trottet einem immer noch ein Partner hinterher, den man um Rat fragen kann, aber das ist in etwa so nötig wie mit Maya in Phoenix Wrights Büro zu reden (also weder zwingend noch nützlich). Hat man einen Tatort fertig untersucht, geht es allerdings nicht in den Gerichtssaal, sondern, als Ersatz für das Kreuzverhör, gibt es jetzt eine sogenannte "Widerlegung" direkt am Tatort - spielt sich aber genau so wie das Kreuzverhör, also bei der Aussage immer fleißig neue Informationen herauspressen und dann an der richtigen Stelle das richtige Beweisstück vorlegen, um einen Widerspruch freizulegen. Auch nichts Neues.


Eine Sache bringt allerdings ein bisschen Schwung ins Spiel und ist auch das ersichtlichste Merkmal für die subtilen Unterschiede zu Wrights Art, einen Fall zu gewinnen. Im Gegensatz zu magischem Hokuspokus und einer Menge Glück hat Edgeworth nämlich eine ganz andere Waffe zu seiner Verfügung: Logik. Manche Informationen des Tatortes landen in einem entsprechenden Menü. Wenn die Infos zusammenpassen, kann man sie kombinieren und neue Informationen daraus gewinnen. Das klingt jetzt weder sonderlich spannend noch herausragend, aber es ist das Aushängeschild dafür, dass Miles Gedankengänge wesentlich nachvollziehbarer sind. Seien wir mal ehrlich: Phoenix und Apollo sind ein bisschen dumm. Die beiden brauchen für Gedankengänge, die der Spieler in einem Schritt erledigt, manchmal zwei oder drei kleine Hüpfer und dann verlaufen sie sich immer noch. Miles ist da schon wesentlich schlauer und erklärt alles, was man für "Wtf, das ist ja wohl ersichtlich?" hält, von selbst. Das bedeutet aber leider nicht, dass die Fälle dadurch rationaler oder herausfordernder werden, nee. Die wahren Verbrecher leisten sich immer noch unendlich viele Schlappen und da man nicht mehr von den Doppelt- und Dreifach-Strafen des Richters erschlagen wird, kriegt man seine Fehlerleiste nur äußerst selten vollkommen leer.

Anderes Thema: Was durchaus cool ist und mal Zeit wurde, ist ein Remake von allen bekannten Charaktersprites. Da wurden endlich mal ein paar Schatten hinzugefügt, Details ausgebessert und Animationen erneuert. Jetzt müsste im nächsten Spiel nur mal der alte Phoenix ein Face-Lifting bekommen. Ein bisschen komisch ist nur, dass sie bei Investigations trotzdem einen Rückschritt Richtung Gameboy Advance gemacht haben, denn es gibt gar keine 3D-Rätsel mehr. Merkwürdig.


Story ist bei den Ace Attorney-Titeln natürlich immer ein etwas wackeliges Thema, weil sich meistens irgendein hanebüchenes Setting aus der Nase gezogen wurde, bei dem man aber erst in den letzten Fällen merkt, dass es die ganze Zeit eine Rolle gespielt hat und so wird dann ein Aha!-Effekt erzeugt. Das ist bei den Investigations nicht anders, allerdings merkt man hier sehr stark, wie die Fälle zusammenhängen und die Geschichte um den Schmuggel-Ring ist wirklich nicht übel erdacht, wenn auch... im Kern ein bisschen langweilig. Etwa so wie das Terroristen-Blabla in Splinter Cell-Teilen.
Außerdem muss ich leider sagen, auch wenn ich ein großer Fan von Edgeworth bin, dass der Kerl keinen sonderlich brisanten Hauptcharakter abgibt. Apollo und Phoenix sind ein bisschen dumm, ja, aber das macht sie so liebenswert. Edgeworth ist zu schlau, der ist immer obenauf, da hat man gar nicht so recht das Gefühl, man würde einen Fall um 180° herumreißen. Außerdem ist seine Art zu reden ein bisschen eintönig. Ich fordere: Edgeworth zurück auf die Staatsanwaltsbank und das Spiel zurück in den Gerichtssaal! Den Untersuchungsteil fand ich eh nie so toll, ich hau mich lieber mit Zeugen und am liebsten kille ich, als Verteidiger, immer noch den guten, schlauen, leicht arroganten Herrn im violetten Anzug!


Aber an sich ist Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth ein gutes Spiel. Es hält sich sehr stark an das alte Rezept und ist gefühlt, mit fünf Fällen und über 20 Stunden Spielzeit, wohl der längste Titel der Serie. Schauen wir uns mal meinen Ace Attorney-Ranking an:


Na, das ist doch gar nicht so übel. Ersten und zweiten Platz teilen sich immer noch der originale Phoenix Wright und Apollo Justice, den zweiten nehmen sich Trials und Tribulations (der nur kacke ist, weil der letzte Fall episch failt) und Investigations und auf dem letzten Platz hockt Justice for All. Den Teil kann ich nicht leiden. Der suckt. Aber Investigations kann man sich holen. Rian

Kommentare

Rian
25. Februar 2010 um 13:47 Uhr (#1)
Investigations führt übrigens die originale Storyline nach Trials and Tribulations weiter, womit Apollo Justice als Zukunfts-Ace Attorney immer noch alleine steht.
Gast
23. Mai 2017 um 14:46 Uhr
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