Hybrid Heaven

(Artikel)
Haris Odobašić, 21. Februar 2010

Hybrid Heaven

"And, man: Put some clothes on."

Was ich euch nun vorstellen möchte, ist nicht weniger als das beste N64-RPG, das es je gab. Nun mögt ihr euch sicher wundern, wieso dieses Spiel, von dem ihr niemals gehört habt, das beste Rollenspiel für das N64 sein soll und wieso das Teil überhaupt besser sein soll als.... na, versteht ihr? Angesichts der Vielzahl an Konkurrenztiteln auf der Konsole ist Hybrid Heaven schon automatischer Sieger. Aber selbst mit starker Konkurrenz hätte Hybrid Heaven Chancen sich durchzusetzen, da es immerhin ein durchaus einzigartiges und innovatives Rollenspiel ist, für alle, die weder die typische Japano-RPG-Erfahrung suchen, noch sich in die dialoglastigen West-RPG-Höllen begeben wollen.

Der Plot erinnert leicht an die 80er-Fernsehserie V bzw. ihr aktuelles Remake: eine Alienrasse hat die Menschheit infiltriert und versucht die wichtigsten Führungskräfte der Regierung nach und nach durch eigene Leute, geklonte Hybride aus Alien und Menschen-DNA, zu ersetzen. Ihr seid dabei einer dieser Hybriden, Diaz, und sollt eine wichtige Rolle spielen, werdet aber in einem entscheidenden Moment von Stimmen in eurem Kopf dazu getrieben einen eurer Eigenen umzubringen. Um euch untersuchen zu lassen werdet ihr ins Hauptquartier der Alieninvasoren geschickt und ab diesem Punkt übernimmt der Spieler die Kontrolle.


Die Story ist dabei durchaus ein Highlight des Spiels. Vielleicht nicht ganz auf dem narrativen Niveau eines Metal Gear Solid oder Final Fantasy VII, aber doch sehr spannend erzählt, gefüllt mit einigen überraschenden Twists, interessanten, komplexen Charakteren und einer dazu passenden Atmosphäre, vor allem auch dank teilweise ziemlich guter Sprachausgabe, die zwar nur selten Einsatz findet, aber zumindest die wichtigsten Zwischensequenzen ansprechend vertont -- auf dem Nintendo 64 durchaus eine Rarität. Die Grafik ist zeitgemäß, mit den üblichen Matschtexturen, die Nintendos Konsole damals dominierten.

Wie bei vielen Rollenspielen besteht das Gameplay aus zwei Elementen: dem Herumlaufen und den Kämpfen. Die Sequenzen, in denen ihr euren Charakter durch die unterirdische Basis der Aliens steuert, bieten dabei die üblichen Möglichkeiten: laufen, springen, kriechen -- sogar eine kleine Waffe habt ihr, mit der ihr euch aber nur harmloserer Wachroboter und ähnlichem Ungeziefer entledigen könnt. Kommt es hingegen zu einem Kampf, wird nicht in einen seperaten Bildschirm geschaltet, sondern es wird direkt dort gekämpft, wo ihr den Gegner getroffen habt -- und hier kann das Spiel seine gesamte Stärke ausspielen.

Kämpfe sind eine sehr taktische Angelegenheit, dadurch, dass sie ein Mix aus rundenbasiertem Gekloppe und Echtzeitrumgelaufe sind. Ein typischer Kampf besteht aus Phasen, in denen ihr um euren Gegner herumtänzelt, in der Hoffnung eine gute Position zu erwischen, während sich eure Powerleiste auflädt. Ist diese voll, könnt ihr Angriffe starten, die aus einem Menü ausgewählt werden. Dabei ändert sich eure Auswahl je nach Position und ob ihr den Gegner gegriffen habt oder nicht. Neben einer Vielzahl an Schlag- und Tritttechniken gibt es auch eine Menge Würfe und den ein oder anderen Move, bei dem sogar Hulk Hogan neidisch aus der Wäsche schauen würde. Nachdem ihr euren Angriff ausgewählt habt, darf euer Gegner noch einen Ausweichmove bestimmen, beispielsweise ein Seitwärtsschritt oder ein Block und dann spielt sich das Geschehen ab und ihr seht, ob ihr Erfolg hattet und den eventuellen Schaden für euch oder euren Feind.

Selbst wenn das Geschehen manchmal etwas langsam ist, funktionieren die Kämpfe sehr gut. Eine weitere Dimension wird später durch die Möglichkeit Combos auszuführen hinzugefügt und oft muss man planen, ob man beispielsweise mit starken Moves in die Offensive geht oder ein etwas defensiveres Kampfverhalten an den Tag legt, um beispielsweise Ausdauer für härtere Attacken zu sammeln. Und, das könnt ihr mir gerne glauben, in diesem Spiel WOLLT ihr kämpfen, alleine schon, weil ihr neue Moves nur erlernt, indem ihr sie abkriegt. Also ist jede Begegnung mit einem neuen Feind auch eine willkommene Möglichkeit.

Auch unter der Haube bietet Hybrid Heaven interessante Ansätze. Kämpfe mit Gegner bringen zwar Erfahrungspunkte -- aber fast noch wichtiger ist euer Kampfstil. Denn jedes Körperteil hat seine eigenen Statistiken. Jeder Treffer auf euren Arm macht ihn defensiv stärker, jeder linke Kick, den ihr ausführt, stärkt die offensive Kraft eures linken Beines und wenn ein Körperteil zu viel Schaden abkriegt, kann es zu einer Schwachstelle werden, weswegen es bis zur Heilung weniger Schaden anrichtet und gleichzeitig mehr Schaden kassiert. Charaktere, die also beispielsweise primär auf Tritte sitzen, dürfen sich spätestens dann, wenn es gegen Gegner geht, die gegenüber solchen Attacken eher resistent sind, auf schön niedrige Schadenspunktzahlen freuen!

Leider ist das Spiel für ein Rollenspiel mit knapp zehn Stunden eher kurz. Auch gibt es keine Städte oder Ähnliches zu erforschen, das Spiel ist sehr linear und, am Schlimmsten, komplett unterirdisch angesiedelt. Ihr seht nie etwas anderes als den Alienkomplex. Hier und da mal andere Lichter, die die Wände beleuchten, sind schon fast das Hoch der Abwechslungsgefühle.

Insgesamt ist Hybrid Heaven eine kleine Perle, die die wenige Aufmerksamkeit nicht verdient hat. Gerade weil es auf dem Nintendo 64 keinerlei Konkurrenz gab, konnte Konami wagen ein innovatives Rollenspiel herauszubringen, dessen eher geringer Erfolg der Qualität des Spiels nicht gerecht wird. Solltet ihr das Spiel mal zufällig entdecken, kann ich euch nur raten zuzuschlagen, alleine für sein Kampfsystem ist das Spiel die 5 oder 10 Euro, die ihr mittlerweile dafür ausgeben müsst, schon wert. Evil

Kommentare

Ben
21. Februar 2010 um 14:51 Uhr (#1)
Ganz großartiges Spiel! Sollte es mir definitiv wieder zulegen.
Gast
24. April 2017 um 21:02 Uhr
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