Saw

(Artikel)
Benjamin Strobel, 08. Dezember 2009

Saw

Um zu leben, musst du töten

Serienkieller Jigsaw lässt sich für seine Opfer stets besondere Spielchen einfallen: Während er selbst nur von außen dem Geschehen beiwohnt, lässt er seine Marionetten gegeneinander "spielen". So lässt er eines der Opfer einen Schlüssel schlucken und zwingt ein weiteres, sein Gegenüber zu töten, um an den Schlüssel zu gelangen, der natürlich den einzigen Weg zur Freiheit öffnet. Seine Schauplätze sind bis ins Detail durchkonstruiert, Flucht ist zwecklos und führt bestenfalls zum Tode. Obendrauf nervt Jigsaw seine Opfer mit zweifelhafter Moral - er habe sie ausgewählt, weil sie im Leben verkackt haben, er ihnen aber noch eine Chance geben will, falls sie willens sind, bei seinen kranken Spielchen um ihr Leben zu kämpfen, blablabla. Ein Irrer eben.

Und das Ganze gibt es in mittlerweile sechs Filmen zu bestaunen, zuzüglich des Versprechens noch drei weitere herauszubringen. Hier jedoch geht es um das Spiel zu der bekannten Gewaltporno-Reihe. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Detectives David Tapp (Fans der Serie erinnern sich jetzt an den ersten Teil). Einst betraut mit den Untersuchungen des Jigsaw-Falls, ist er nun selbst in die Fänge des Killers geraten.

Nein, das ist keine Zahnspange.

Typisch für Saw: Das dramatische Erwachen des Opfers in einer fiesen Höllenmaschine. Wir als Detective Tapp müssen uns erst mal aus diesem Ding befreien (Buttonmashen, Sticks drehen, usw.), bevor es weitergeht. Aber die Maulklappe ist da noch harmlos gegenüber der Dinge, die ihr im Laufe des Spiels kennenlernen werdet. Aber ich möchte euch den Ekel mal nicht vorwegnehmen. Haben wir uns des Folterinstruments entledigt, muss die Orientierung erst mal wiedergewonnen werden. Gefangen, eingesperrt. Auf einem Klo. Klasse. Und dann hat der Irre auch noch überall Blut an die Wände geschmiert. Doch Moment! Vielleicht hat das ja eine Bedeutung. Tatsächlich: Bringt man die Blutflecken am Spiegel zusammen mit denen im Hintergrund in die richtige Position, ergibt sich eine Zahlenkombination. Na, ob die zum Zahlenschloss an der Tür passt? Ich lass das an dieser Stelle mal offen.

Nur eine Fleischwunde.

Saw ist auf der Genremap ganz klar beim Survival-Horror einzuordnen. Es ist nicht unbedingt die Hauptstadt, aber es liegt durchaus in einem Vorort. Sehr positiv finde ich, dass es sich nur wenig um Kämpfe dreht und dafür mehr um Rätsel. Angst davor, keine Medipacks mehr zu haben, tilgt in mir immer den Horror des Spiels selbst - und den will ich ja eigentlich genießen! Hier ist wirklich positiv, dass die Atmosphäre nicht durch knüppelharte, dauernde Kämpfe zerstört wird. Taucht allerdings ein Feind auf, erfordert er volle Aufmerksamkeit, mehr als zwei Messerstiche verträgt auch ein Detective nicht. Das ist dann schon mehr als eine oberflächliche Ruptur. Zudem sind viele Feindbegegnungen Story-relevant oder zumindest zum Fortkommen notwendig. Auch wenn man sich ganz als der Gute fühlt und man sich der Moral des kranken Killers nicht beugen will, muss man stets töten, um zu leben - ganz wie Jigsaw sich das vorstellt. Denn leider hat er den anderen Auserwählten mitgeteilt, dass Detective Tapp den einzigen Schlüssel zu ihrer Freiheit irgendwo implantiert in seinem Körper trägt. Und weil da nicht gerade die geskillten Chirurgen rumlaufen, wird man einen "Eingriff" kaum überleben.
Zum Glück ist die Umgebung voller Waffen (Rohre, Krücken, Knüppel, Baseballkeulen...) und man sollte immer etwas zur Selbstverteidigung bei sich tragen. Kleines Hindernis: Gegenstände gehen beim Gebrauch sehr schnell kaputt, mehr als ein bis zwei Feinde pro Keule sind da nicht drin. Aber es gibt da ein sehr nettes Feature: Mit einer unbeschädigten Waffe kann man einen Konter-Instant-Kill machen, wenn man das entsprechende Quicktime-Event besteht.

"VERDAMMTE SCHERBEN!"
Die Rätsel in Saw sind mittelschwer bis hart und bestehen aus drei Teilgebieten: Suchrätsel, Logikätsel und Geschicklichkeitsaufgaben. Bei Suchrätseln gilt es, vesteckte Hinweise in der Umgebung zu entdecken (beispelsweise die Blutschrift am Spigel). Logikrätsel erscheinen zumeist zum Öffnen von Türen oder beim Kurzschließen von Stromkreisen und Ähnlichem. Man muss Teile eines Labyrinths korrekt zusammenfügen, Objekte so drehen, dass sich zusammenhängende Ketten ergeben usw. In anderen Situationen wird Geschicklichkeit des Spielers gefordert: Man muss Sägeblettern ausweichen, das Gleichgewicht auf schmalen Balken halten und immer auf den Boden achten, um nicht auf Scherben zu treten. Jigsaw hat dem Detective nämlich ganz fies die Schuhe gemopst. Der alte Fuchs hat bestimmt Stirb Langsam geguckt!

Es gibt nicht viele Kämpfe, aber um die wenigen kann man sich auch nicht drücken.

Klasse finde ich auch die Lichquelle. Zu Beginn ist man nämlich nur mit einem Feuerzeug ausgerüstet und kann späterhin weitere Gegenstände finden. Neben einer klassischen Taschenlampe gibt es auch eine Fotokamera. Ihr Blitz kann hilfreich sein, um sich einen schnellen Überblick über den Raum zu verschaffen. Aber ganz im Ernst: Wenn man damit durch dunkle Gänge irrt, ist sie ziemlich nutzlos. Dabei lag sie ganz ansprechend auf einem großen Tisch! Das Spiel schrie quasi: NIMM DIE KAMERA! Und würde sie da liegen, wenn man sie nicht braucht? Die Antwort ist JA. Sie ist echt scheiße und ich habe mich geärgert, dass ich mein gutes Feuerzeug dafür liegen lassen musste. Echt scheinheilig. Da hab ich mich natürlich gefreut, als es die Taschenlampe gab. Scheiß auf das Feuerzug und scheiß auf die Kamera! Taschenlampe! Muahaha! Später gab es dann noch hier und da die Möglichkeit, die Lampe wieder gegen Feuerzeuge einzutauschen. Aber auf die Tricks bin ich nicht mehr reingefallen! Auch wenn das Feuerzeug dick und fett auf einem Altar präsentiert wurde. Taschenlampe ist ja wohl besser!

Und dann gab es Molotov-Cocktails.

Oh, schade, die kann ich leider nicht anzünden. WEIL ICH JA DAS FEUERZEUG NICHT MEHR HAB, AAARGH. Das Spiel ist gemein, wirklich.

Zum Schluss hab ich noch ein paar Worte zum Spielaufbau, da er mir besonders aufgefallen ist. Das Spiel untergliedert sich in rund zehn Kapitel. In jedem erschließt sich ein neuer Bereich, der allerdings erst durch das Lösen einiger Rätsel (Schlüssel finden usw.) verlassen werden kann. Anschließend muss man am Ende eines jeden Kapitels eines der Opfer aus einer Höllenmaschine befreien. Logikrätsel unter Zeitdruck! Na, das hab' ich gern. Da steht man ziemlich unter Stress, so dass schon mal das ein oder andere Milligramm Adrenalin ausgeschüttet wird. Alles in allem eine echt spannende Idee. Natürlich erfindet Saw das Rad nicht neu, aber wenn man bedenkt, dass es sich hier um eine Filmversoftung handelt, ist es ein wirklich gutes Spiel. Gerade für mich als Genrefan eine positive Überraschung so kurz vor Ende des Jahres. Nex

Kommentare

Phno
07. Februar 2010 um 21:33 Uhr (#1)
"Und dann gab es Molotov-Cocktails.

Oh, schade, die kann ich leider nicht anzünden. WEIL ICH JA DAS FEUERZEUG NICHT MEHR HAB, AAARGH. Das Spiel ist gemein, wirklich. "

NICHT GENUG, ich hatte endlich eins und die Flugbahn von diesem Ding ist ja mal SHIZZLEBESCHISSEN? Ich brauchte eine Stunde für den Erfolg "1 Kill mit Feuer".
Wie das gestresst hat. Zurück in die Videothek damit. ~_~
Gast
20. November 2017 um 20:14 Uhr
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