Penumbra

(Artikel)
Benjamin Strobel, 06. September 2008

Penumbra

Im Halbschatten

Willkommen bei einem weiteren Titel aus meinem Horrorsortiment! Von Klassischen Serien wie Alone in the Dark oder Silent Hill habe ich ja bereits berichtet (dazu gibt es noch keinen Artikel, aber Resident Evil ftw). Doch das ist noch nicht alles, was die düstere Welt der Horrorspiele zu bieten hat.

Heute möchte ich euch eine ganz besondere Perle dieses Genres vorstellen: Penumbra: Overture von Frictional Games. Dem Erfolg dieses Top-Spiels steht leider nur seine mangelnde Popularität im Weg, obwohl es bereits einen Nachfolger gibt. Teil zwei, Penumbra: Black Plague, erhielt gerade erst ein Addon, das seit einem Monat in allen gut sortierten Spieleregalen anzutreffen sein sollte.

Die Penumbra Tech-Demo gibt es zum kostenlosen Download!
Doch kehren wir zum Original zurück. Im Jahr 2006 erschien eine unscheinbar wirkende Tech-Demo der jungen und unabhängigen Spieleschmiede Frictional Games. Die Jungs wollten ihre eigens entwickelte Engine präsentieren, die sehr viel mit Physik und physiaklischen Effekten spielt. Aus der großen öffentlichen Begeisterung für die innovativen Physik-Rätsel der Tech-Demo resultierte schließlich ein vollständiges Spiel. 2007 erschien Penumbra: Overture, das sich sehr gut darauf versteht, eine geheimnisvolle Story mit dichter Atmosphäre und intelligentem Gameplay zu verbinden.

Zwei Elemente sind bei Penumbra immer ganz zentral: Physik und Horror. Und ich spreche hier von echtem Survival Horror. Nicht Resident Evil-Horror, bei dem man mit Shotguns und Hochpräzisionsgewähren bewaffnet verhältnismäßig wehrlose Zombies niedermetzelt und der einzige Gruselfaktor darin besteht, dass einem die Munition ausgeht. Bei Penumbra verbringt man seine Zeit in einer zugeschütteten Mine und da gibt es erstmal gar keine Waffen, schon gar keine hochtechnisierten Schusswaffen! Wehren kann man sich nur mit dem, was man gerade so findet oder sich zusammengebaut hat. Das kann durchaus mal ein bisschen Sprengstoff sein oder ein alter Hammer. Oft auch nur herumliegende Steine oder Holzbalken.

Das DPad empfiehlt zu jeder Dosis Penumbra das Ausschalten der Beleuchtung sowie das Schließen aller Vorhänge. Für den vollen Spielgenuss sollten die Gammawerte gesenkt und der Sound aufgedreht werden. Aber das weiß ja jeder. Die echten Hardcore-Motherfucker holen sich einen Freund, der in unregelmäßigen Abständen in der Wohnung gruselige Geräusche fabriziert.
Hat man allerdings erstmal einen Feind auf sich aufmerksam gemacht, sollte man ihn schnell ausschalten. Da das mit den spartanischen Mitteln, die einem dafür zur Verfügung stehen, allerdings nicht so einfach ist, empfiehlt es sich, besonderes bei mehreren oder starken Feinden, einfach vorbeizuschleichen oder sich zu verstecken, bis die Gefahr vorüber ist. Unterstützt wird die Anwesenheit von Gefahr und Feinden stets durch unbehagliche Geräusche, begleitet von unterschwelliger Musik, die sich mit ihren atonalen Klängen bis ins Unterbewusstsein der Spieler vorhämmert. Zugespitzt wird dieser Psychoterror in bester Silent Hill-Manier durch alte Nachrichten, die man findet, oder Wandkritzeleien, die auf Dinge hindeuten, die den Menschen in diesen Gefilden zugestoßen sind.

Licht- und Schatteneffekte kommen gut zur Geltung.
Zum Beispiel gibt es da diese Spinnen... Zuerst erfährt man nur in Tagebucheinträgen von ihrer Existenz. Später wird man ihnen begegnen. Wenn die nur in der Nähe sind, ertönt schon ein kribbelndes Krabbelgeräusch der kleinen Biester. Man kann hören wie ihre vielen kleinen Krabbelbeinchen tippeln und tappeln. Man fühlt beinahe wie sie einem Rücken raufklettern und einem dann in diese Nase beißen. Diese kleinen Beinchen, die dicke, giftige Körper durch die Höhlengewölbe tragen, in denen man eingeschlossen ist. In diese begibt man sich übrigens versehentlich auf der Suche nach seinem Vater, der einem längst nach seinem Tode noch einen Brief zukommen lässt und auf irgendetwas in Grönland hinweist, das man sich daraufhin näher ansieht. Wie bei allen Horrorspielen wünscht sich der Hauptcharakter hinterher natürlich, genau das nicht gemacht zu haben...

Tag 50
Mein Proviant ist aufgebraucht, vier Tage ernähre ich mich nun schon von den kleinen Spinnenkörpern. Es ist gar nicht so einfach, genügend von den Krabbeltierchen für eine anständige Mahlzeit zu sammeln. Durch einen Zufall jedoch - die Batterien meiner Taschenlampe gaben den Geist auf - fand ich heraus, dass die Spinnen Dunkelheit bevorzugen. In absoluter Dunkelheit brauche ich also nur mit offenem Mund dazuliegen und darauf zu warten, dass sich mein Essen von ganz alleine zu mir begibt.
Während man unter dem Einfluss von Terror, Ekel und Angst von einem Ende eines Tunnels zum Anderen kriecht und sich weitere Wege versperren, liegt das meistens daran, dass es noch Rätsel zu lösen gilt! Die Schatten von Penumbra sollte man nämlich nur mit offenen Augen durchstreifen, sonst entgeht einem womöglich ein wichtiges Detail. So manches Mal fehlt es einem an Passwörtern oder einem passenden Gegenstand, um eine Tür zu öffen, aufzubrechen oder auch zu umgehen. Die Vielfalt und der Abwechslungsreichtum sorgen allerdings dafür, dass die Rätsel nicht langweilig oder nervig werden. Häufig hilft auch ein logischer Gedanke, um das Rätsel eines Raumes zu lösen. Ein Blick in das eigene Inventar offenbart die gesammelten Gegenstände, die man sicher gebrauchen kann. Türen öffnen sich mit Schlüsseln (oder Brechstangen), mit einer Säge lassen sich Dinge... absägen. Um an eine erhöhte Plattform zu gelangen, muss man Kisten so stapeln, dass man hinauf springen kann. Oft hilft es auch, alte Maschinen wieder in Gang zu bringen, um neue Wege zu eröffnen. Die Physik spielt fast immer eine große Rolle für das Weiterkommen.

Penumbra bietet ein durchgehend rundes Spielerlebnis, auch wenn die Spielzeit mit rund zehn Stunden nicht sehr füllig ausfällt. Es sind gute zehn Stunden! Die Atmosphäre zählt zu den besten in einem Horror-Game überhaupt und das innovative Gameplay macht Hunger auf mehr. Dabei kommt das Spiel ohne gestellte Schreckmomente oder vorgefertigte Cutscenes aus. Man ist einfach mittendrin in einer erschreckenden Umgebung. Ob es ein Entkommen gibt, solltet ihr euch unbedingt selbst ansehen. Das Spiel ist nämlich schon für zehn Euro zu haben. Nex

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21. Oktober 2017 um 10:26 Uhr
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