Brothers in Arms

(Artikel)
Haris Odobašić, 17. Oktober 2008

Brothers in Arms

On the Highway to Hell

"Mein Name ist Seargent Matt Baker und ich stecke hier mitten in der tiefsten Scheiße, die ihr euch vorstellen könnt. Und ich spreche hier von richtiger Scheiße. Was müssen sich diese Deutschen auch mitten auf einem Bauernhof verschanzen und die einzige Deckung ist voll mit Kuhdung.

Wellen bezeichnen das Phänomen, wenn sich ein bestimmtes Spiel besonders gut verkauft und jeder versucht auf den Zug aufzuspringen indem er das Genre bzw. das Setting kopiert. So gab es schon Jump'n'Run, Casual-Games und Gangster-Wellen.
Damals, vor drei Jahren, kämpfte ich schonmal gegen die Deutschen als Teil der Invasions-Welle. Da war alles noch einfach: Einem Trupp befehlen, die Deutschen unter Druck zu setzen, mit dem anderen Trupp sich schön um die Ecke schleichen und schon hatten wir die Krauts flankiert. Nach wenigen Sekunden war die Sache gegessen und es ging weiter zum nächsten Schützengraben, wo weiteres braune Gesindel warteten, das auf die selbe Art und Weise fertig gemacht wurden.

Dummerweise haben die feindlichen Truppen die Zeit gut genutzt und den ein oder anderen Trick gelernt. Beispielsweise: "Wenn der Gegner dich von zwei Seiten abknallt, such dir eine neue Deckung!" Nun ist das ausflankieren des Gegners ein Geduldsspiel und mit einer der Gründe wieso meine Stiefel voll mit dampfender Kacke sind.

Doch auch dagegen gibt es ein Mittel: Ich knall' die Gegner einfach so ab. Ich bleibe in Deckung, bis einer der Krauts sein Gesicht zeigt, dann schnelle ich hevor, knall ihm den Schädel weg, erfreue mich daran, wie ihm der Kopf halbiert wird und warte weiter in Deckung. Immer und immer wieder. Das ist auch der Grund, wieso ich überhaupt dazu komme, diese Worte zu schreiben, denn wenn ich meinem Team befehle, den Gegner unter Feuer zu setzen, kann ich getrost fünf Stunden zuschauen ohne dass irgendeine Seite jemals Verluste beklagt.

Doch nun muss ich mich langsam auf den Weg machen. Ich und meine sechs Männer müssen uns nämlich noch, vollkommen ohne Unterstützung, durch dutzende Bataillone von Deutschen kämpfen. Und ich dachte Krieg wäre realistisch."


Was Herr Baker in seinem Feldbericht übrigens noch vergessen hat zu erwähnen ist, dass Brothers in Arms: Hell's Highway etwas sehr künstlich daherkommt. Man hat den Eindruck, dass sich die Deutschen und die Allierten einige Stunden vor den Scharmützeln zu einem Kaffeekränzchen getroffen hätten, um ihre Schützengräben und Sandsackberge aus-/aufzugraben. Man hat sehr selten den Eindruck, anders als jetzt beispielsweise bei Gears of War, dass diese Deckungen auch in echt so vorhanden gewesen wären. Stattdessen denkt man sich durchgehend: "Oh, was für ein Zufall, dass jetzt ausgerechnet HIER dieser zurechtgesägte Baumstamm zu finden ist." Dadurch wird es oft verhindert, dass man richtig in das Spiel eintauchen kann.

Ein weiteres Problem sind die ellenlangen Missionsbesprechungen. Brothers in Arms versucht sich nämlich an einer Band of Brothers-ähnlichen Storyline, die dafür sorgen soll, dass einem die Charaktere besonders fest ans Herz wachsen, blahblahblah. Das klappt aber einfach nicht bei einem 08/15-Spiel, vorallem wenn drei Jahre zwischen zwei Spielen stecken und man sich 20 verschiedene Charaktere einprägen soll. Daher sind die (gerne auch mal zehn Minuten langen) Sequenzen nur verwirrend, nervig und lenken unnötig von der Action ab. Und sowieso, nach drei Jahren erwartet man mehr, als das was Gearbox Software hier bietet: längst erkaltete, tausend mal durchgekaute Weltkriegsspeise. Und die sollen das nächste Halo entwickeln? Na dann...Evil

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11. Dezember 2017 um 06:57 Uhr
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