WoW-Classic-Wunschliste

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 01. Dezember 2017

WoW-Classic-Wunschliste

Was ich auf den Vanilla-Servern sehen möchte

Blizzcon 2017. Ein anfangs surrealer Moment. World of Warcrafts Executive Producer J. Allan Brack steht auf der Bühne und redet von Eiscreme. Niemand in der Halle und vor dem Livestream hat irgendeine Ahnung, worauf er hinaus will. Bis zum letzten Satz "Your favorite flavor is vanilla" und man merkte einfach nur wie jeder sofort peilte, worum es ging. Blizzard gibt uns Classic WoW-Server, wir können das Spiel wieder erleben, wie es vor den Add-ons war. Auch wenn ich viele schöne Erinnerungen an die Vanilla-Zeit habe, so bin ich doch etwas realistisch: Das Spiel hat sich seitdem gebessert. Darum halte ich es für falsch, wenn Blizzard uns zu 100 Prozent das alte Spiel wieder gibt. Hier ein paar Vorschläge, was getan werden sollte, damit Classic auch auf lange Sicht spielbar wird.

Raids auf 25 Spieler anpassen
Ja, es war schon ein Erlebnis, mit 39 Mitspielern ein großes Dungeon zu bestreiten. Doch sind wir mal ehrlich, es war auch gleichzeitig eine Qual, diese 39 Mitspieler zu finden. Eine der besten Neuerungen, die damals Burning Crusade mit sich brachte, war die Anpassung der Raids auf 25 anstatt 40 Spieler. Es erleichterte nicht nur die Suche nach Mitspielern, es machte die ganze Raiderei auch viel übersichtlicher. Sofern man nicht der Maintank beziehungsweise Maintank Healer war, konnte man sich in diesen 40er-Raids ziemlich nutzlos fühlen. Und es war durchaus für den Erfolg des Raides nicht erheblich, ob man die volle Schadensrotation durchspielte, oder Autoattack afk in der Nase bohrte. 40 Spieler bedeutete auch viel Raum, um Schwächere zu kompensieren. Es wäre nur Vorteilhaft wenn Blizzard die Raids auf 25 Spieler neu balancen würde. Außerdem gibt es dann weniger Konkurrenz um den Loot.

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LFG für Dungeons und Schlachtfelder
Eine der größten Innovationen von WoW bestand damals im Dungeonsystem. Anstatt die Dungeons als Teil der Weltkarte zu behandeln, konnte sich jede Gruppe ganz alleine diesen Aufgaben widmen, Instanzierung machte es möglich. Es gab nur leider einen kleinen Faktor, welche das Erlebnis ein wenig trüben konnte: Man musste erst mal eine Gruppe finden und dann mit dieser Gruppe zum Eingang des Dungeons laufen. Ein dedizierter "Suche nach Gruppe"-Kanal in den Hauptstädten half bei der Gruppensuche, aber so manche Instanz war gelinde gesagt am Arsch der Welt. Als Allianzler überhaupt erst mal das Kloster zu erreichen war mit Level 40 ein Abenteuer für sich.

Das System wurde später vereinfacht, anfangs durch die Gruppensteine. Na ja, das war nur minimal besser, man musste immer noch zur Instanz latschen, den Gruppenstein aktivieren und dann warten, bis das System eine Gruppe zusammenstellte, welche dann auch zur Instanz laufen musste. Die Schlachtfelder waren nicht besser. Man musste physisch zum Schlachtfeld laufen, sich anmelden und warten, bis es losging, ehe man durch das Portal gehen durfte. Das jetzige LFG-System ist super. Man meldet sich für eine Instanz/Schlachtfeld an, sagt, was man spielen will, und wenn die Gruppe gefunden wurde, geht es direkt zur Instanz/zum Schlachtfeld. Ich will ehrlich sein, so will ich die Instanzen/Schlachtfelder machen, alles andere ist nicht mehr zeitgemäß.

Besseres PVP-Balancing
Anfangs hatte WoW kein wirkliches PvP. Wer wollte, der konnte in die gegnerischen Gebiete rennen und hoffen, dass sich jemand mit einem Prügeln möchte. Man konnte sich mit anderen Spielern duellieren, oder wenn man auf PVP-Server gespielt hat, dann wurde man sowieso von High-Level-Bastarden beim Questen abgeschlachtet. Einen Anreiz dafür gab es nicht. Erst später wurde ein richtiges PVP-System mit Rängen und Belohnungen nachgeliefert. Und auch mit den Schlachtfeldern. Es war rudimentär und ehrlich gesagt beschissen. Hauptproblem: Alles im Spiel wurde auf PvE zugeschnitten.

warsong-gulch-1

Bestes Beispiel ist die Ausrüstung. Ich hatte mal ein Warsongschlucht-Match, in dem ein Verteidigungs-Krieger ganz alleine die Flagge verteidigen konnte. Der Grund: Er war komplett mit dem T3 Set ausgerüstet. Absolut niemand im gegnerischen Team konnte ihm irgendwelchen Schaden zufügen. Und keines der PvP-Rüstungssets konnte auch nur annähernd dem PvE-Set das Wasser reichen. Daher sollte Blizzard für ernsthaftes Classic-PvP dafür sorgen, dass man als Vollzeit-PvP Spieler nicht gegen einen Hobby-PvPler abstinkt, bloß weil der jede Woche Kel'Thuzad legt. Ansonsten glaube ich nicht, dass sich PvP wirklich halten kann.

Weniger XP-Farmen
Classic WoW hatte im Leveling ein großes Problem: Man brauchte exorbitant viel XP für ein Level-Up. Ich brauchte Monate, um meinen ersten Char auf Level 60 zu bringen. Hinzu kam, dass man in manchen Questgebieten zwangsweise irgendwann grinden musste, weil einfach nicht genügend Quests da waren, um stark genug für das nächste Gebiet zu sein. Ich verlange nicht, dass man die Zahlen auf das jetzige Niveau verringert, aber es wäre schon schön, wenn ich nicht gefühlt fünf Stunden bräuchte, um von level 20 auf 21 zu kommen.

Mehr Questhilfen
Wo wir gerade bei Quests sind, so wäre es durchaus löblich, wenn man das jetzige Questsystem übernehmen würde. Wie oft musste ich in der Gilde nachfragen, ob mir jemand sagen konnte, wohin zum Geier ich für Quest X überhaupt gehen soll. Und natürlich das ewige Nachschlagen im Questlog, um den Fortschritt zu verfolgen. Heutzutage wird einem auf der Minimap angezeigt, wo man hin muss und in welchem Bereich man suchen muss und man hat eine schöne Anzeige am Bildschirmrand mit allen Questfortschritten. Das wäre doch ganz schön.

Die neue Charaktermodelle
Bei aller Liebe, aber die alten Kanten will keiner mehr sehen. Ich bin ganz klar dafür, dass WoW Classic die neuen Charaktermodelle verwendet, weil sie einfach besser aussehen. Das Schöne ist ja, dass diese auch heute noch optional sind, in den Grafikeinstellungen kann man die alten Modelle aktivieren. Diese Option will ich in Classic. Wer die neuen Modelle sehen will, soll diese sehen, wer unbedingt alles Old-School haben will, der soll sie ausschalten. Ich weiß jedenfalls, wofür ich mich entscheiden werde.

Weitere "Quality of Life"-Änderungen späterer Addons
Eigentlich kann man meine Liste an Wünschen auf genau das reduzieren: Quality of Life. WoW ist nun schon stolze 13 Jahre alt und in diesen 13 Jahren hat sich viel getan. Wenn ich an Classic zurückdenke, dann kommen mir neben den schönen Erinnerungen auch die grauen Haare, welche mir so manch umständliches Design verschafft hat. Das alte Auktionhaus war nur nützlich, wenn man genau wusste, was man wollte. Heute kann man viel differenzierter die Angebote durchforsten und viel eher finden, was man braucht. Dinge wie die Rüstungsvorschau oder der direkte Rüstungsvergleich gehören auch zu den sinnvolleren Neuerungen. Ich will sofort wissen, wie die Rüstung aussieht und welche Werte anders sind. Ich will mit einem Klick meine Taschen sortieren können. Achievements sind auch ganz nett. Die Haustiersammlung ist toll. Und und und.

AhnQirai

"Seid vorsichtig mit dem, was ihr euch wünscht, es könnte in Erfüllung gehen." Diesen Satz sollte man bei allem Hype im Hinterkopf behalten. Es ist durchaus eine kluge Entscheidung von Blizzard gewesen, Classic Server anzukündigen. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass man dafür einen Extra Client installieren muss. Aber ich bin realistisch: viele Aspekte von Vanilla WoW sind heutzutage nicht mehr zeitgemäß und ich fürchte, dass eine 1:1-Umsetzung sehr schnell zu einer gewissen Ernüchterung führen könnte. Aber wenn Blizzard schlau das Neue mit dem Alten verknüpft, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, auch wieder für ein Stündchen oder zwei auf die Classic-Server zu hüpfen.

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11. Dezember 2017 um 07:05 Uhr
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