Angespielt: Moss

(Artikel)
Robert Mitchell, 27. August 2017

Angespielt: Moss

Wie die kleine Maus Quill mir PSVR versüßt

Falls ihr beim Lesen des Wortes PSVR schon das Interesse verliert, haben wir etwas gemeinsam. Obwohl ich grundsätzlich nichts gegen die Technik habe, kann ich für das eigene Spielen daheim gern darauf verzichten. Nach dem Anpsielen des Spiels Moss vom Entwickler Polyarc Games auf der Gamescom bin ich mir jedoch nicht mehr so sicher. Denn dieses Spiel könnte mir — und vielleicht auch Euch — PSVR versüßen.

Platforming in VR, ein alter Hut?
Moss ist ein Platforming-Spiel, das aus einer 2,5D-Perspektive gespielt wird. Die Spielfigur kann also sowohl von links nach recht als auch von vorne nach hinten bewegt werden, die Perspektive der Spielerinnen oder der Spieler bleibt jedoch fix vor dem Geschehen. Nachdem aber nun das Platforming-Spiel Lucky’s Tale anscheinend ohne größere Umstände von Oculus auf die Xbox One portiert wurde, könnte man natürlich fragen: Bringt VR bei diesem Spielgenre wirklich etwas? Das Anspielen von Moss lässt Hoffnung auf ein klares "Ja!" aufkommen, denn es wurde deutlich, dass dieses Spiel ausschließlich für VR konzipiert wird. Dies fängt bei der Spielpräsentation an. Wie die 16-Bit-Spiele wie Another World oder Flashback scrollt die Welt nicht, sondern die Hauptfigur läuft zum Bildschirmrande und ein neuer Bildschirm erscheint. Beim Spielen bemerkte ich dann, wie ich jeden neuen Bildschirm mit den Augen zunächst nur erkunden wollte: Der eine Bildschirme ist hell, voller Bäume und Gras; andere sind dunkel mit Gestein ringsherum und beleuchtet nur von Fackeln. Durch VR kommt wirklich der Eindruck zustande, dass ich diese Bildschirme bewohne. Darüber hinaus erschafft VR den Eindruck der Verbindung dieser Bildschirme, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Denn die Verbindung der Bildschirme wird ersichtlich, indem man sich nach vorne lehnt und nach links zum vorherigen Bildschirm schaut.

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Der Startraum in der Moss-Demo macht den Detailreichtum des Spiels deutlich.

Quill: Eine Maus für alle Fälle
Es sind aber nicht die — zwar wunderschön gestalteten — Räume, die Star dieses Spiels sind, sondern das ist die kleine Maus namens Quill. Beim Einstieg in die Welt von Moss ist erst mal nur Gebüsch zu sehen. Dann aber krabbelt eine kleine Maus mit großen abstehenden Ohren und einem putzigen Outfit zwischen vergleichsweise riesig wirkenden Pflanzenblättern hervor. Schon das geniale Design von Quill löste in mir einen Knuddel-Wollen-Effekt aus, aber dann fing sie an, sich zu bewegen. Mit extrem realistisch wirkender Gestik reckt sie ihre Arme, wie vom Schlafe gerade erwacht, und winkt den Spielerinnen und Spielern zu. Denn sie sieht die Person in der VR-Brille ja auch: Beim Blick in eine Wasserpfütze kann man dann sehen, dass Quill eine Art glühende Maske am Himmel erkennt, wie eine Art ihr wohlgesonnene Gottheit, die sie durch das Spiel steuert

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Die erste Begegnung zwischen Quill und Spielenden

Apropos Steuerung: Die ist recht einfach. Mit der X-Taste macht Quill einen Sprung, mit der Square-Taste holt sie ein Schwert hervor und macht Kombi-Angriffe beim mehrmaligen Drücken. Soweit so klar, aber beim ersten Sprung über einen Gegenstand entweicht mir tatsächlich ein ungewolltes "wow": Quill greift die Klippe, zu der ich sie bewege, zieht sich extrem geschmeidig hoch, bleibt aber nicht stehen, sondern rollt dann direkt rüber zur anderen Seite des Hindernisses in einer so feinen Animation, wie ich sie sonst nur von Naughty Dog-Spielen kenne. Quills Kombination aus kunstvollem Design — sie erinnert mich an eine Figur aus den Beatrix-Potter-Büchern — und geschmeidiger Animation hat auf jeden Fall den Verdacht bei mir erzeugt, dass diese Spielheldin das ikonische Potential hat, es mit Mario und Sonic aufzunehmen.

Knuddeln für maximale Heilung
Trotz der Versuchung, durch die VR-Brille springen zu wollen, um die kleine Maus persönlich auf ihre Flauschigkeit hin zu überprüfen, spielte ich durch etwa vier bis fünf Bildschirme. Jeder Bildschirm hatte einen Fokus: Erstens Rätsel, zu deren Lösung Blöcke bewegt werden, und zweitens Kämpfe. Bei den Rätseln werden Blöcke aber nicht von Quill selbst bewegt, sondern durch die Spielerinnen und Spieler. Mit der Bewegungssteuerung des Dualshock-4-Controllers bewegt man eine Lichtkugel als wortwörtliche 'Wirksphäre' in die Spielwelt hinein; durch Drücken eines Triggers wird ein Objekt gegriffen. Wenn ein Objekt greifbar ist, wird dies dann deutlich dadurch signalisiert, dass es aufleuchtet. Die Puzzles steigen in ihrer Schwierigkeit. Bei einem letzten Rätsel muss ich nicht nur eine Art Drehbühne mit verschiedenen Eingängen bewegen, sondern auch verschiedene Schalter betätigen. Hierzu reicht aber die kleine Maus alleine nicht aus, sondern eine weitere Art des Eingreifens in die Welt ist gefragt, nämlich das Bewegen von den gefährlichen Krabbeltieren, die einen sonst angreifen. Wie Objekte lassen sich Gegner dann bewegen und z. B. auf einen Schalter zwingen.

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Im schwierigsten Puzzle muss die 'Wirksphäre' das gegnerische Tier links im Bild auf einen Schalter bewegen.

Auch bei den Bildschirmen mit einem Kampffokus ist eine Steigerung zu erkennen: In einem Raum falle ich in eine Art Arena und es kommen mehrere Krabbelgegner auf mich zu. Nach und nach werden die Gegner mit (natürlich: putzigem) Schwert erledigt, aber ich bzw. Quill bekomme auch mehrere Schläge ab. Hier kommt der letzte Kniff des Spiels zum Zuge: Man kann nämlich auch Quill anfassen. Mit kurzen Bewegungen streichelt man die Maus, die verblüffend echt darauf reagiert — Katzenbesitzer werden erkennen, wo die Entwickler Inspiration für diese Animationen holten; beim längeren Halten von Quill heilt man sie. So schaffe ich mit einer schnellen Heilaktion gerade noch den Kampf, eine Spiraltreppe hebt sich aus der Mitte der Arena hervor und ich gehe aus dem Bildschirm heraus.

Quill der Erwartung
Der letzte Bildschirm der Demo macht Lust auf mehr: Es ist fast komplett dunkel, aber es sind Bewegungen im Hintergrund zu erkennen — etwas, was sehr, sehr lang zu sein scheint, huscht durch den hinteren Teil des Bildschirms. Dann taucht auf einmal ein Schlangenkopf mit glühenden roten Augen im Vordergrund auf, anscheinend schwer mit der Absicht unsere Quill zu verspeisen. Bis wir erfahren können, wie Quill dieser Situation entkommt und welche Freunde bei ihrer Reise durch die Bildschirme von Moss hinzukommen werden, muss leider noch etwas Zeit vergehen. Das Team bei Polyarc, das aus 15 Personen besteht, plant nämlich die zunächst für PSVR exklusive Veröffentlichung des Spiels zum Jahresende. Robert

Robert ist einer unserer regelmäßigen Gastautoren und versorgt uns dementsprechend ab und an mit Artikeln. Wenn er Bock hat. Wenn ihr euch auch mal ohne Konsequenzen austoben wollt, dann schreibt doch einfach eure Idee an kontakt@dailydpad.de. Wenn sie uns gefällt, bekommt ihr bei der Formulierung, Strukturierung und Ausfertigung redaktionellen Support von uns und als Belohnung für den fertigen Text erhaltet ihr das lebenslange Recht darauf damit angeben zu dürfen, dass ihr einen Artikel im INTERNET veröffentlicht habt! Whoaaaaa!

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23. September 2017 um 07:36 Uhr
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2017
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Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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