Akibas Beat im Test

(Artikel)
Haris Odobašić, 31. Juli 2017

Akibas Beat im Test

Der NEET von Akihabara

Jeder Videospielefan, der was auf sich hält, müsste Akihabara kennen. Mitten in Tokyo gelegen, ist das Viertel mit seinen unzähligen Läden, die quasi alles nur Vorstellbare an Spielen, Merchandising und mehr führen - ein Mekka für viele Gamer. Kein Wunder, dass der Ort auch immer wieder in Videospielen dargestellt wird. In Akiba’s Beat ist Akihabara nun nicht mehr nur eine schöne Landschaftstapete sondern gleich Hauptspielplatz.

Asahi Tachibana ist ein NEET wie er im Buche steht. Zockt oder schaut Anime am laufenden Band, weiß nicht mal, welcher Wochentag es ist, und kommt zu den banalsten Verabredungen zu spät, weil er sie einfach verschläft. Ein echtes Vorbild! Doch als er sich an einem Sonntag mal wieder nach einer viel zu langen Nacht des Zockens mit einem Kumpel treffen will, stößt er auf eine Erscheinung, die sich nicht mal als durch Schlafmangel bedingte Halluzination erklären lässt. Akihabara hat sich verändert und gleichzeitig steckt Asahi, zusammen mit anderen, in einer Zeitschleife fest, die ihn zwingt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Akibas-Beat-PC-Builds

Denn aus den Vorstellungen der Leute ist eine Art Paralleldimension, Delusionscape genannt, entstanden. Ihr hüpft also rein, macht es kaputt und befreit diese Leute damit von ihren Wahnvorstellungen. Klingt ein bisschen nach Persona, ist aber in Akiba’s Beat mit viel mehr Humor dargestellt – und viel weniger Tiefgang inklusive ewiges Philosophieren über die menschliche Persönlichkeit.

In den Delusionscapes selbst lässt man sich von einem anderen, großen JRPG-Namen inspirieren: Tales of. Das Kampfsystem, bei dem ihr euch primär auf einer geraden Linie in einem dreidimensionalen Raum bewegt, erinnert deutlich an die Kämpfe in den Bandai-Namco-Spielen. Aber auch hier fühlt sich alles ein bisschen nach light an. Genug Abwechslung und Möglichkeiten in den Kämpfen existieren, dass man über die Spielzeit am Ball bleibt, allerdings bleibt der Herausforderungsgrad relativ niedrig und es gibt wenig Mechaniken, die mit spielerischer Tiefe belohnen.

Das ist in Summe ein solides Gerüst, welches seinen Zweck erfüllt und kein bisschen mehr. Das verhindert schon im Keim, dass Akiba’s Beat sich irgendwo an den positiven oder negativen Qualitätsextremen der Videospiele einfindet. Gleichzeitig wird aber so die Entscheidung darüber, ob wir hier ein Kurzweil-RPG oder eine besonders potente Schlaftablette haben, dem Drumherum des Spiels überlassen. Und hier wird gepunktet.

akibasbeat

Denn Akiba’s Beat geht voll und ganz in der Otaku-Thematik auf und charakterisiert gut, wenn auch humoristisch überzogen, die Klientel, die man im Technikviertel vorfindet. Da gibt es dann sowohl Idol-Fans als auch desillusionierte Musiker, die einer Zeit hinterhertrauern, als die modernsten Auswüchse der Konsumentenelektronik noch nicht solch große Wellen geschlagen hatten. Die Darstellung schwankt dabei zwar zwischen Parodie und Satire, wird aber niemals wirklich bissig, sondern behält die klare Absicht der Unterhaltung voll im Fokus. Selbst wenn Asahi dauernd durch den Kakao gezogen wird, passiert das immer mit einem Augenzwinkern und ohne allumfassendes Werteurteil über Menschen, die eben solch einem Lebensstil nachgehen.

Dabei ist, natürlich, XSEED zu danken. Ich kenne kein Lokalisierungsstudio, welches den Spagat zwischen kreativer Freiheit und Respekt vor dem Originalwerk so gut schafft. Auch hier ist man mutig genug, den Text mit Leben zu füllen, aber ohne die kulturelle Integrität zu gefährden. Daran ändern auch ein paar etwas unglückliche Lokalisierungsentscheidungen nichts, wie die Übersetzung von ein paar Charakternamen, um ein höchstens als mäßig-lustig anzusehendes Wortspiel zu erhalten. Mit der Konsequenz, dass in einem Spiel voller japanischer Charaktere, das eindeutig in Japan spielt, mit optisch und aural als japanisch zu identifizierenden Charakteren, nun ein paar Figuren englische Namen haben – und entsprechend herausstechen.

In vielen Aspekten hinkt das Spiel allerdings Akiba’s Trip hinterher. Akiba’s Trip ist zwar nicht unbedingt als Vorgänger anzusehen, aber dadurch, dass die Spiele das Entwicklungsteam und den Publisher teilen – sowie natürlich die Location – bietet sich der Vergleich an. Und da sind gerade beim Hauptort der Handlung ein paar große Schwächen zu finden. Denn Akihabara ist in Akiba’s Beat schon fast lieblos nachgebaut. Bei Trip hatte man sich noch die Mühe gemacht, viele der Geschäfte zu lizenzieren, die Tokyos Elektronikviertel verschönern. Das hatte zur Folge, dass man dann auch mal beim Gundam Café vorbeischauen konnte und essich allgemein sehr authentisch anfühlte.

akibabattle

All das fällt in Akiba’s Beat weg. Keine Lizenzen, kaum Sehenswürdigkeiten und die ganze Stadt fühlt sich leblos und künstlich an. Das liegt sicherlich auch daran, dass Akihabara im Spiel zwar eine große Population hat – diese aber primär aus farbigen Silhouetten besteht. Alle Charaktere, die nicht irgendwie story- oder missionsrelevant sind, werden nämlich auf diese Art und Weise dargestellt. Mit diesen kann man dann auch nicht wirklich interagieren, man kann nur ihre Gespräche per Sprechblase überhören.

Ein bisschen Persona, eine Prise Tales-of und ganz viel Humor. Akiba’s Beat hat mit dieser Kombination, trotz der Schwächen im Vergleich zu Akiba’s Trip, definitiv eine gute Mischung gefunden, die dem geneigten JRPG-Fan genug Spaß bereiten dürfte. Gerade dank der großartigen XSEED-Lokalisierung habe ich meine Zeit auf der Jagd nach Wahnvorstellungen in Akihabara genossen. Andererseits riskiert der Titel etwas unterzugehen angesichts aktueller Schwergewichte wie Persona 5 und NieR:Automata, die die Messlatte sehr, sehr hoch gelegt haben. Entsprechend solltet ihr euch das Spiel eher für die Sommerflaute vormerken und erst mal den Stapel an diesjährigen JRPG-Meisterwerken abarbeiten. Haris

Akiba's Beat wurde auf der PlayStation 4 getestet. Ein Testmuster wurde uns von PQube zur Verfügung gestellt.

Akiba's Beat

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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19. August 2017 um 22:29 Uhr
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16. Mai 2017
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Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.

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