Birthday The Beginning im Test

(Artikel)
Haris Odobašić, 15. Mai 2017

Birthday The Beginning im Test

Evolutionsunterricht mit Suchtfaktor

Godgames, wer erinnert sich noch? Spiele, in denen ihr indirekt über das Glück von unzähligen Wesen entscheiden könnt. Spiele wie Populus oder auch Black & White waren damals teilweise echte Hits und sorgten dafür, dass Godgames ein beliebtes Genre waren. Aber dann kam irgendwann Spore, war trotz riesigem Hype nur mäßig und das Genre damit quasi Geschichte. Die Vertreter des Genres, die in den letzten Jahren herausgekommen sind, kann man an einer Hand abzählen. Entsprechend war ich dann doch froh, dass Birthday the Beginning, das neue Spiel des Harvest-Moon-Erschaffers Yasuhiro Wada, das Genre mal ein bisschen wiederbeleben will.

Auch in Birthday The Beginning habt ihr prinzipiell nur indirekte Kontrolle. Es gilt nämlich die Umgebung so zu beeinflussen, dass Evolution passiert und neue Kreaturen entstehen. Deswegen auch der Spieletitel. Ihr sollt nämlich für ganz viele Geburtstage sorgen, angefangen bei Einzellern bis hin zum Menschen.

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Ihr schaut also in der Iso-Perspektive zu und manipuliert Umgebungsvariablen. Temperatur hoch, hier mal ein See, dort ein Berg. Passen die Konditionen, dann gedeihen Tier- und Pflanzenpopulationen oder ganz neue Arten entstehen.

Je weiter es in der Evolution voran geht, desto komplexer werden die Anforderungen. Reicht es am Anfang, dass nur die Temperatur stimmen muss, gilt es später auch sicherzustellen, dass zum Beispiel genug Nahrung in Form von anderen Kreaturen existiert. Ein T-Rex kann sich eben nicht nur von Luft und Liebe ernähren.

Selbst die Auslöschung ist Teil der Evolution. Denn manche Tierchen, die ihr womöglich wegen ihrer knuffigen Art liebgewinnt, müssen sterben, damit die Evolution voranschreiten kann. Wenn ihre Nahrung zuneige geht oder plötzlich die Temperatur nicht mehr passt, dann gibt es manche Arten, die sich anpassen können – und andere nicht. Aber gut, so ist das eben in der Natur.

Auch Birthday The Beginning kann, ähnlich wie es Spielern anderer Godgames ergangen ist, schnell einen Suchteffekt hervorrufen. Denn man will ja nur noch mal schnell schauen, was passiert, wenn man die Luftfeuchtigkeit erhöht und dann ist da plötzlich ein neuer Strang am Baum der Evolution freigeschaltet worden. Und wer könnte jetzt sofort aufhören, statt nachzuprüfen, ob man weitere, neue Arten erschaffen kann? Schwupps ist die halbe Nacht um.

Der Kunststil des Spiels ist bewusst knuffig gehalten, was insgesamt angenehm wirkt. Schade ist nur, dass die Kreaturen nicht untereinander interagieren. Jedes Wesen, das sich im Spielgebiet tummelt, ist mehr so eine abstrakte Repräsentation, die alles andere freilich ignoriert. Ihr werdet also keine Kämpfe, Paarungsverhalten oder sonst was beobachten können. In der Regel gibt es nur Herumbewegen und eine mehr oder minder generische Essensanimation, in der aus dem nichts Nahrung aufpoppt und verspeist wird.

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Die Steuerung der PlayStation-4-Version funktioniert, für das Genre, überraschend gut, versagt aber in gewissen Detailsituationen. Gerade wenn man irgendwo in Wassertiefen einfach nur eine neu entstandene Spezies auswählen will, um sie zu katalogisieren, kann es auch mal hakelig werden.

Birthday the Beginning ist ein schönes Throwback zu alten Zeiten, was mich immerhin gut 20 Stunden gefesselt hat. Das Spiel verzichtet auf eine Kampagne, sondern bietet lieber eine Art großes Tutorial und ein paar Challenges, aber in diesem Rahmen sowie im Freien Modus ist doch genug Potenzial vorhanden, dass man Nächte damit verbringt. Aber so schnell das Spiel seine Fänge in mir verbissen hatte, so schnell ließ es mich dann auch wieder los. Die etwas leblose Welt und die Tatsache, dass man doch nur eine Handvoll Variablen steuert, ließen auf Dauer Tiefgang vermissen. Dennoch würde ich es weiterempfehlen und das nicht nur für Godgame-Fans. Auch um Kindern Evolution zwar vereinfacht aber dafür anschaulich zu demonstrieren, taugt Birthday the Beginning definitiv. Haris

Birthday The Beginning wurde auf der PlayStation 4 getestet. Ein Testmuster wurde uns von NIS America zur Verfügung gestellt.

Birthday The Beginning

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Rian
16. Mai 2017 um 13:12 Uhr (#1)
Positiv: Man lernt über Evolution
Negativ: Das Leveldesign spielt Flatearthers in die Karten
Gast
24. Juli 2017 um 12:29 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
12. Juni 2017
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.

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