Tabletop Simulator im Test

(Artikel)
Rian Voß, 07. Mai 2017

Tabletop Simulator im Test

Die unendliche Brettspielsammlung

Das Cover vom Tabletop Simulator ist trügerisch. Ihr kennt vielleicht diese hartnäckig bei Media Markt vor sich her existierenden "500 Windows-Spiele"-Sammlungen, in denen mindestens zwanzig Mahjong-Versionen drin sind. Genau so sieht das Titelbild vom Tabletop Simulator aus. Aber genauso wenig, wie man ein Buch nach seinem Umschlag beurteilen sollte, sollte man den Simulator als Ramsch abtun.


So, was ist jetzt mit den unendlich vielen Brettspielen, die versprochen wurden? Also, ganz langsam: Tabletop Simulator verfügt über 20 hauptsächlich klassische Brettspiele. Darunter Schach, Go, Backgammon und so ein Kram. Die Sache ist nun aber: Es gibt nur die Bretter, die Steine, eventuell ein paar Würfel und Physik. Die funktionieren auch wunderbar. Mit der Maus lassen sich Objekte ziemlich genau platzieren. Objekte heben sich immer automatisch über andere Objekte und Stapeleien klappen dank Snap-Funktion ebenfalls oft tadellos. Zumal kann man sich jeder, der mal einen Egoshooter gespielt hat, sofort im Spielzimmer bewegen, als hätte er nie was anderes gemacht. Und ganz wichtig: Man kann den Tisch umschmeißen. Nach ein paar Sekunden setzt er sich wieder auf die Einstellungen vor dem Wutanfall zurück, aber die Aktion hat trotzdem eine nicht zu unterschätzende, therapeutische Wirkung.

Um die Durchsetzung der Regeln müssen sich aber die Spieler und Spielerinnen selbst kümmern. Ihr zockt zu viert übers Internet Monopoly und drei Spieler gehen gleichzeitig aufs Klo? Dann kann der vierte genauso Geld aus der Bank klauen wie auch im echten Wohnzimmer. Ihr habt eine Umsetzung von Magic the Gathering gefunden? Viel Spaß beim Regelwälzen, denn hier gibt es keine Automatik, die die Stackauflösung für euch übernimmt. Einerseits ist das natürlich etwas umständlich, dass man im 21. Jahrhundert immer noch wie ein Pleb Regeln lernen muss, andererseits kommt so auch bei Onlinespielen tatsächlich dickes Brettspielabendflair auf.

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Neben den zwanzig Spielen gibt es noch einigen DLC-Content. Und neben dem DLC-Content gibt es natürlich den Steam Workshop mit, nun, aktuell über 14.000 Einträgen, davon über 6.000 Brett- und 5.000 Kartenspiele. Alle gratis, weil der Workshop gratis ist. Die Auswahl ist gigantisch. Ich habe bisher noch kein Brettspiel, das ich kenne, dort nicht gefunden. Dutzende Monopoly-Versionen (ja, auch Pokémon), Axis and Allies, Cards Against Humanity und Dinge, von denen ich noch nie im Leben gehört habe. Tabletop Simulator hat eine riesige Community, die Figuren modelliert, Karten einscannt und das alles zur Verfügung stellt. Da frage ich mich schon ein wenig, wie legal das sein kann und wie lange der Workshop bestehen bleibt, aber hey - momentan kann ich mich bei den 20 Euro, die ich bezahlt habe, wirklich nicht beklagen. Falls euch ein Brett- oder Kartenspiel sehr gefällt, solltet ihr es natürlich in echt kaufen. Sonst gibt es irgendwann keine neuen Spiele mehr.

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Das größte Problem am Tabletop Simulator ist wohl die Technik. Dank vieler Objekte und viel Physik kann das Spiel für schwächere CPUs ein wenig herausfordernd werden. Auch bei guten Verbindungen und eigentlich ordentlichen PCs kann auch mal Lag auftreten. Das ist bei den meisten Spielen nicht so wild, kann aber manchmal etwas stören. Außerdem ist der Simulator auch allgemein nicht gerade eine Augenweide. Er erfüllt seinen Zweck und stellt Texturen scharf genug dar, dass man Kartentexte lesen kann. Das sollte reichen.

Der Tabletop Simulator hat viele Vorteile: Auf- und Abbau sind keine Probleme. Wenn man ein Würfel vom Tisch rollt, muss man sich nicht bücken. Niemand muss eine Stunde Auto hin- und zurückfahren, um ein bisschen Risiko zu spielen. Und jeder kann seine eigene Musik hören. Der Nachteil: Jeder muss Snacks selber mitbringen.

Tabletop Simulator wurde auf dem PC (Windows 10 64-Bit, 16 GByte RAM, Intel Core i5-4690, Nvidia GeForce GTX 970) getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Tabletop Simulator

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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23. Juni 2017 um 17:34 Uhr
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05. Juni 2015
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