Armello im Test

(Artikel)
Rian Voß, 17. April 2017

Armello im Test

Komplex und doch zugänglich

Irgendwie stört mich das Konzept von digitalen Brettspielen. Die Vorteile sind mir natürlich bewusst: potenziell schöne Animationen, atmosphärische Musik, es kostet weniger, keiner kann schummeln, man muss nicht zwanzig Minuten auf- und zehn Minuten abbauen und man kann es mit Freunden weltweit über das Internet spielen. Bis man vier Berufstätige (zwei davon natürlich mit Kindern und einer, der immer Spätschicht hat) zusammengetrommelt hat, können ein paar Monate vergehen. Trotzdem, wenn sich die Gelegenheit böte, würde ich immer die physische Variante vorziehen. Ich bin da halt etwas konservativ. Trotzdem: Bei den Abenden, in denen mein Hirn nicht mehr so topfit ist, ich nicht mehr das Haus verlassen und trotzdem ein wenig Würfel würfeln möchte, bin ich dankbar für Armello.

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Armello ist ein rundenbasiertes Strategiespiel für bis zu vier Spieler und Spielerinnen. Leere Plätze werden von der KI aufgefüllt, die ihren Job ordentlich, wenn auch zuweilen etwas berechenbar erledigt. Am besten spielt man natürlich mit Freunden oder zumindest online gegen unbekannte menschliche Gegner. Jeder Spieler übernimmt eine Figur mit besonderen Eigenschaften. Der Hase Barnaby kann etwa gratis Ausrüstung austauschen, die Wölfin River verursacht dagegen vor jedem Kampf schon mal einen Schadenspunkt und die Ratte Mercurio bekommt Bonusgeld, wenn er die Siedlung eines anderen Spielers übernimmt.

Das Ziel des Spiels ist es, König oder Königin von Armello zu werden. Der amtierende König von Armello ist der Finsternis ("Rot") verfallen und wird ihr, wenn sich niemand einmischt, in zehn Tagen erliegen. Zehn Tage Zeit bedeutet eine Standardspielzeit von bis zu zwanzig Runden, denn die Figuren ziehen jeweils Tag und Nacht. Tagsüber zahlen Siedlungen Steuern an ihre Besitzer, nachts lädt sich dagegen das Mana neu auf. Entsprechend ist es clever, Siedlungen bei Dunkelheit zu erobern oder alle Mana-Reserven tagsüber zu verfeuern.

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Es gibt mehrere Möglichkeiten, den König zu ersetzen. Der "Standardweg" ist der Prestigesieg. Falls der König an Altersschwäche stirbt, gewinnt der Spieler mit den meisten Prestigepunkten. Die bekommt man durch das Erfüllen von persönlichen Quests, indem man Schattenmonster ("Banes") oder andere Spieler besiegt, oder durch Items. Wer dagegen vier Spirit Stones einsammelt, kann einfach zum König marschieren und ihn exorzieren. Alternativ kann man auch den König abmurksen. Das ist aber recht schwierig, denn dessen Palast wird gut bewacht und der König hat natürlich ganz viel epische Ausrüstung. Der Kampf erleichtert sich durch den Rot-Sieg. Spieler, die selbst Rot-Punkte sammeln, werden bei jedem Tagesanbruch zwar leicht verbrannt, haben aber mit verrotteten Kreaturen, wie etwa Banes oder dem König, leichtes Spiel - sofern sie nämlich mehr Rot haben als der Gegner, bekommen sie die gegnerischen Rot-Punkte als Bonuswürfel im Kampf dazu.

Kämpfe funktionieren recht simpel. Im Grunde würfelt jeder Spieler mit so vielen Würfeln, wie man "Fight"-Punkte hat. Jedes gewürfelte Schwertsymbol zieht einen Punkt Lebensenergie ab, jedes gewürfelte Schild negiert ein angreifendes Schwert. Zudem gibt es die Sonnen- und Mondwürfel, die nur tags- respektive nachtsüber wie ein Schwert zählen, das Rot-Symbol, das gar nichts zählt, und das Wyld-Symbol, das als Schwert zählt und einen zusätzlichen Würfel rollen lässt. Zudem lassen sich Aktionskarten verwenden, um Würfelergebnisse im Vorfeld zu fixieren. Ausrüstungskarten und im Vorfeld gewirkte Zauber haben weiteren Einfluss auf die Würfel, können ihre Anzahl erhöhen oder kürzen oder schon mal ein paar Schwerter und Schilde spendieren.

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Standardmäßig kann sich jeder Charakter pro Zug drei Felder weit bewegen. Jedes Feld gehört zu einer bestimmten Region und bringt seine eigenen Eigenschaften mit. Berge kosten mehr Bewegungspunkte, bieten aber Schutz. Sümpfe verletzen beim Durchqueren, Siedlungen bringen Geld für Sonderkarten und mehr. Wer geschickt seinen Pfad zum Questziel plant, welches permanente Statusboosts und das ein oder andere seltene Item verspricht, hat es deutlich leichter. Auch den Einsatz der Karten muss man gut überdenken. Zu Beginn jedes Zugs wird die Kartenhand aufgefüllt, falls man Karten gespielt hat. Die Effekte sind so vielfältig wie in einem Magic-the-Gathering-Deck und können binnen eines Zuges den gesamten Spielverlauf drehen.

Insofern zeigt sich aber auch der größte Frustquell von Armello: Obwohl das Spiel viele ineinandergeschachtelte Mechaniken bietet und alles, was ich beschrieben habe, gerade so an der Spitze des Eisbergs kratzt, ist der Spielverlauf stark von Zufall geprägt. Glück und Pech bestimmen die gezogenen Karten, einen Großteil des Kampfverlaufs, ob man aus Dungeons mit einem Item herauskommt, ob man die Belohnung für das Questziel bekommt oder ob einen ein Gegenspieler über die halbe Karte mit einem Fluch belegt. Mir ist es auch schon passiert, dass mein Startpunkt - an den man nach jedem Tod zurückkehrt - von Gefahrenfeldern, Bergen und Banes eingezäunt war. Da muss man erst mal vier Züge aufwenden, um da raus zu kommen, und bis dahin hat sich schon jemand durch die Palastwache gemetzelt. Insofern sollte man an eine Partie Armello schon ein wenig wie an ein klassisches Mario Party herangehen: Wer gut ist, erhöht seine Chancen, aber das ist noch lange kein Garant für den Sieg.

Desweiteren bleibt das Spiel bei Onlinepartien manchmal hängen. Da es in den relativ kurzen Partien (20 bis 30 Minuten bei zwei Spielern) auch keine Speichermöglichkeit gibt, ist so ein Spiel dann einfach verloren. GG no re.

Armello ist daher immerhin trotz seiner Komplexität mit vielen Ausnahmeregeln auch für Anfänger recht zugänglich. Schließlich findet auch ein blindes Huhn mal ein Korn oder wird lange genug in Ruhe gelassen, um gemütlich einen Prestigesieg zu erringen. Ich spiele Armello jedenfalls gerne mal zwischendurch, wenn ich Lust auf gesellschaftliches Zocken habe, aber keinen krassen Wettkampf wünsche.

Armello wurde auf dem PC (Windows 10 64-Bit, 16 GByte RAM, Intel Core i5-4690, Nvidia GeForce GTX 970) getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Armello

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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21. Oktober 2017 um 19:42 Uhr
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