Turok 2 - Seeds of Evil im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 11. April 2017

Turok 2 - Seeds of Evil im Test

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Wenn es um Spiele geht, die auf Comics basieren, dann fällt vielen gleich die exzellente Arkham-Serie ein, eines der besten Beispielem wie man aus einem Comicfranchise ein gutes Spiel macht. Manche nennen es sogar die erste Serie, die das geschafft hat. Doch Moment mal, da kam denen aber jemand zuvor. In den Neunziger hat Acclaim nämlich aus den weniger bekannten Turok-Comics Ego-Shooter für das N64 gemacht. Und genau daran haben sich Nightdive Studios erinnert und überarbeiteten vor einiger Zeit das Original. Jetzt liefern sie den Nachfolger hinterher. Grund genug, sich mal wieder einen der besten Shooter des N64 noch mal anzuschauen.

Die Verlorenen Lande, eine Welt in der Zeit keine Bedeutung hat, eine Welt, in der Prähistorie mit Sci-Fi kollidiert. Eine Welt gefangen in einem ewigen Konflikt verschiedenster Mächte. Sollte diese Welt jemals bedroht werden, dann wird aus unserer Welt ein Wächter gerufen, der den Titel "Turok" trägt. In Teil 1 war dies der Indianer Tal'set Fireseed, doch dieser Turok ist bereits gefallen. Seine Nachfolge tritt sein Enkel Joshua an, der eigentlich eher mit dem College beschäftigt ist. Aber hey, wen kümmert die Akademie, wenn man Dinos in den Arsch treten muss? Die Gefahr für die Verlorenen Lande stellt der Primagen dar, ein Uraltes Wesen, welches in seinem Lichtschiff gefangen gehalten wird. Dieser stiftet nämlich Schergen an die Energie-Totems zu zerstören, welche ihn daran hindern, das Lichtschiff zu verlassen.

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All das erfährt man nur im Handbuch oder im Internet. N64-Ära halt, Vorgeschichte gehörte nicht ins Spiel, die musste man sich anlesen. Das Spiel setzt in den Moment an, in dem Turok von Adon, der Sprecherin des Ewigen Lichtes, in die Verlorenen Lande geholt wurde. Adon führt Turok durch die Level und unterstützt ihn bei seiner Mission. Vor jedem Level erzählt sie ein wenig die Geschichte des Ortes und nennt die Missionsziele, die es dort zu erfüllen gibt. Diese Sequenzen sind nett anzusehen, da man so auch einiges an Lore über die Welt mitbekommt. Inwiefern sich diese mit den Comics deckt kann ich leider nicht sagen.

Seeds of Evil ist an sich die selbe Ballergeschichte wie der erste Teil. Mit immer abgefahreneren Waffen schießt man sich durch riesige Levels gegen Dinos, Aliens und was es sonst noch so an phantastischen Wesen gibt. Dabei sammelt man mehrere Schlüssel ein, die man braucht, um die nächsten Level zu öffnen. Im Vergleich zum Vorgänger wurde das Ganze um Missionsziele erweitert. In jedem Level muss man bis zu zwei Aufgaben nebenbei erfüllen, mit dem ewig gleichen Endziel, das Energie-Totem zu beschützen. Es ist möglich das Ende des Levels zu erreichen ohne alle Ziele erfüllt zu haben, nur wird man dann wieder an den Anfang teleportiert. Das Schöne ist, dass das Leveldesign solche Fälle berücksichtigt. Die Level sind schon recht lang, man braucht gerne mal eine Stunde oder mehr, um eins zu schaffen. Um das Backtracking zu verkürzen, ist der Hauptpfad relativ kurz. Man muss nur diesen Pfad verlassen, um die Missionsziele zu erfüllen und die Türen zu öffnen, welche den Weg zum Ziel blockieren. Somit muss man nicht stundenlang durch leere Gänge eiern, nur um das eine Ziel zu erfüllen oder den einen Schlüssel zu sammeln, den man vergessen hat.

Die Stars des Spiel bilden eindeutig die Waffen. Man fängt recht normal an mit Pfeil und Bogen, findet dann aber schnell eine Pistole und eine Schrotflinte. So weit, so Standard. Später gesellen sich noch ein zielsuchender Dreifach-Raketenwerfer dazu, eine Plasmaminigun und die geilste Waffe, die es jemals in einem Spiel gab: die Cerebral Bore. Hat man damit ein Ziel anvisiert, fliegt ein zielsuchender Bohrer auf den Feind zu, bohrt sich in den Nacken und explodiert nach kurzer Zeit. Bei 99 Prozent der Gegnern ist das ein Instantkill. Das genaue Gegenteil gibt es aber auch. Das Betäubungspfeilgewehr ist mehr oder minder nutzlos. Damit bringt man Gegner kurzzeitig zum Schlafen und mehr nicht. Sorgt im Prinzip nur dafür, dass man in Ruhe auf den Kopf zielen kann. So lustig die Waffen auch sind, ein paar Probleme gibt es da doch. Zum einen kann man nur lächerlich wenig Munition mit sich führen. Zum anderen ist es fast schon notwendig, die Gegner mit Kopfschüssen zu besiegen, da Körpertreffer scheinbar überhaupt nichts bringen. Das Spiel kann außerdem sehr wählerisch mit der Definition eines Kopfschusses sein. So verpulvert man teilweise seinen halben Munitionsvorrat an einem Gegner, nur um den nächsten mit einem Schuss niederzustrecken. Wenigstens findet man doch recht viel Nachschub, so dass die Waffen zwar oft leer sind, aber nicht lange.

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Aber wenn man dann mal trifft... oh, dann gibt es Gulasch. Turok 2 nutzt eines der komplexesten Splattersysteme überhaupt. Kopfschuss mit einer Schrotflinte? Kopf ab. Kopfschuss mit einer Schrotflinte, welche Explosivmunition geladen hat? Oberkörper weg. Einige von diesen Animationen sind richtig kreativ. Mein Liebling ist diejenige, die man sieht, wenn man mit einem Explosivschuss den Oberkörper eines Dinosoids trifft. Er piepst kurz, streckt seine Arme von sich, ehe was auch immer in ihm explodiert und ihn in zwei Teile reißt. Diese Animationen sind fast alle übertrieben, unrealistisch und verdammt lustig. Und deswegen wurden sie damals in der deutschen Version entfernt. In der Steam-Version sind sie aber alle enthalten, völlig egal ob ihr das Spiel auf Englisch oder Deutsch spielt. Die deutsche Synchro ist furchtbar, weil Neunzigerjahre, da hat sich keiner Mühe gegeben.

Turok 2 galt damals als exzellenter Shooter. Ein Grund dafür war damals auch die Grafik, welche wirklich das Letzte aus dem N64 raus holte. Neben mehr Polygonen und besseren Effekten punktete Teil 2 im Vergleich zum Vorgänger auch mit viel abwechslungsreicheren Umgebungen. In Teil 1 eierte man zumeist durch immer gleiche Wald- und Wiesenschluchten mit hier und da ein paar Ruinen. Turok 2 führt euch durch Städte, durch einen Sumpf, ein Höhlensystem bis hin zu Sci-Fi-Welten. Jedes Level hatte seinen eigenen Look und sah fantastisch aus. Zu fantastisch sogar, auf der Konsole war das Spiel von Slowdowns und Framedrops geplagt, weil nicht auf Frames optimiert wurde. Per Expansion Pak konnte man die Auflösung auf 640x480 erhöhen und die Frames erst recht in den Keller drücken. Zudem war damals die Sichtweite stark eingeschränkt, das N64 wurde nicht umsonst als "Nebelwerfer" bezeichnet. Die PC-Version hatte damals keine Framerate Probleme, aber dieselbe Sichtweite. Alles kein Problem in dem neuen Port. Es läuft flüssig, es sieht immer noch gut aus für das, was es ist, und man hat großzügigerweise den Nebel entfernt. Alles kann gesehen werden, was auch für ein etwas anderes Spielgefühl sorgt. Das bin ich gar nicht gewohnt.

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Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wie gnädig war der Zahn der Zeit mit Turok 2? Die Antwort wird Sie erstaunen, denn viele Ideen und Konzepte halte ich heute immer noch für konkurrenzfähig. Das Leveldesign überzeugt über weite Strecken, die Gegner sind kreativ, das Gameplay ist abwechslungsreich und einfach die Struktur mit den Leveln, den Schlüsseln und was es sonst noch alles in dem Spiel gibt, ist auch heute recht einzigartig. Man kann es quasi als das Mario 64 der Ego-Shooter bezeichnen. Und es ist auch leider irgendwie das letzte Spiel seiner Art gewesen, der N64-exklusive Nachfolger legte weitaus mehr Fokus auf Story und war furchtbar linear. Wer einfach mal einen etwas anderen Shooter erleben will, der sollte sich Turok 2 gönnen. Und wer zufällig ein Indie-Entwickler ist, dem noch eine Idee für einen Kickstarterspiel fehlt: Ein Spiel im Geiste von Turok 2 würde ich sofort unterstützen.

Turok 2: Seeds of Evil wurde auf dem PC getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Turok 2: Seeds of Evil

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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24. September 2017 um 08:56 Uhr
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RELEASE
10. Dezember 1998
PLATTFORM
Nintendo 64
Plattform
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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