Goodbye Wii U

(Artikel)
Haris Odobašić, 02. März 2017

Goodbye Wii U

Die schlechteste Konsole des Jahrtausends

Morgen ist es endlich soweit: Nintendos neueste Konsole, die Switch, wird endlich im Handel erscheinen. Ein guter Zeitpunkt also von ihrer letzten Konsole, der Wii U, Abschied zu nehmen. Noch ein letzter, großer Exklusivtitel wartet: Das auch für die Switch erscheinende Zelda: Breath of the Wild. Aber die Produktion der Konsole ist schon seit Januar weltweit eingestellt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie vollkommen aus den Läden verschwindet.

Doch Abschied von der Wii U zu nehmen ist kein Grund, die Taschentücher auszupacken. Die Wii U ist immerhin die Konsole, die Nintendo in den Untergang hätte stürzen können. Nur dank dicker Polster aus besseren Zeiten konnte Nintendo diese videospieltechnischen Winterjahre überstehen. Es gibt zwar einzelne Vertreter, die die Wii U als eigentlich wundervolle Maschine sehen, die nur unfairerweise vollkommen missverstanden wurde – oder sie gleich ganz postfaktisch mit Segas Dreamcast gleichsetzen wollen. Aber die Wahrheit sieht dann doch anders aus. Die Wii U ist nämlich die schlechteste Konsole dieses Jahrtausends.

Woran ich das festmache? An den drei wichtigsten Aspekten, um den Erfolg einer Konsole zu messen. Ihren Verkaufszahlen, den erhältlichen Spielen sowie dem Einfluss, den die Konsole auf den Videospielemarkt hat.



Verkaufszahlen
Dass die Verkaufszahlen der Wii U schlecht sind, ist kein besonders großes Geheimnis. Nintendo ist bei solchen Themen vorbildlich transparent und gibt jedes Quartal brav heraus, wie wenig man verkauft hat – anders als zum Beispiel Microsoft, die schwächelnde Xbox-One-Verkaufszahlen seit ein paar Jahren geheim halten. Und doch wirkt "schlecht" als Adjektiv fast ein bisschen milde, wenn man die Verkäufe der Wii U mal in Relation zur Konkurrenz setzt. Aber seht selbst:

consolessold
Quellen: Sony (PS2, PS3), Nintendo (alle Konsolen), Microsoft (Xbox, Xbox 360), SuperData (PS4, Xbox One), TechRadar (Dreamcast)

Nur eine einzige Konsole hat einen ähnlich mickrigen Balken wie die Wii U – die Dreamcast. Diese hat sich rund 10,6 Millionen Mal verkauft, war aber im Gegensatz zur Wii U auch nur knapp zwei Jahre erhältlich. Nintendos Konsolen-Fehlschlag kam immerhin auf etwas mehr als vier Jahre.

Spiele
Aus Sicht des Spielers sind wohl ohne Frage die Spiele der wichtigste Maßstab, an dem sich eine Konsole messen lassen muss. Auf der einen Seite haben wir da die gesamte Auswahl an guten Spielen und auf der anderen Seite – und wahrscheinlich noch wichtiger – die Anzahl an herausragenden Exklusivtiteln. Denn, wenn man nicht gerade irgendwelche persönlichen Loyalitäten oder Antipathien hat, dann sollten doch wohl die Spiele entscheiden, welche Konsole man sich holt, nicht? Insbesondere die Spiele, die man nur auf einer bestimmten Konsole oder nur bei einem bestimmten Hersteller kriegt. Aber auch hier zeigt sich die Wii U von Nintendos schlechtester Seite:

exclusives

Wenn wir die Dreamcast mal ausklammern, die viele richtig gute Exklusivtitel bot bei einer ansonsten relativ mickrigen Spielebibliothek, gibt es keine Konsole, die weniger Spieleauswahl bietet als die Wii U. Und diese geringe Auswahl wird dadurch unterstrichen, dass man auch bei den Exklusivtiteln eher Kreisklasse statt Bundesliga kickt. Das ist vielleicht in so weit überraschend, als dass Exklusivtitel eigentlich Nintendos große Stärke sind. Denn keiner der Konsolenhersteller bringt sonst so viele qualitativ hochwertige Spiele heraus. Aber Nintendo alleine kann eben nicht kompensieren, wenn nur wenige Dritthersteller mitziehen – ein starker Kontrast zu Sonys PlayStation-Konsolen, die dank ihres starken Third-Party-Supports bei den Exklusivtiteln in der Grafik stark herausstechen.

Einfluss
Es gibt Konsolen, die haben nachhaltig die Videospielewelt verändert, entweder durch ihre Features oder die Spiele, die auf ihnen ermöglicht wurden. Der N64 zum Beispiel, der den Analogstick als Standard für 3D-Bewegung auf der Konsole etablierte und dann gleich mit Super Mario 64 und The Legend of Zelda: Ocarina of Time Spiele nachlieferte, die in ihren jeweiligen Genres allen vormachten, wie man es zu tun hat. Oder die PlayStation 2, die zeigte, dass Konsolen auch im Heimkino ihre Daseinsberechtigung haben. Die Dreamcast, die den ersten Grundstein für ein Onlinenetzwerk legte - eine Idee, die mit der Xbox und dann der Xbox 360 aufgegriffen und perfektioniert wurde. Und natürlich die Wii, die Videospiele einer ganz neuen Zielgruppe schmackhaft machte, lange bevor sowieso jeder am Handy Angry Birds oder Candy Crush zockte.

Und es gibt Konsolen, die man aus den Geschichtsbüchern tilgen könnte und niemandem würde auffallen, dass etwas fehlt. Das ist die Kategorie, in der die Wii U sich heimisch fühlt. Denn ihre eine große Idee - das Zwei-Bildschirm-Konzept des DS auch auf Konsolen zu etablieren - zündete überhaupt nicht. Nach ein paar Spielen, die damit herumexperimentierten, zum Bespiel mit asymmetrischen Multiplayer-Modi, wurde der Tablet-Bildschirm schnell zur reinen Informationsanzeige degradiert. Nintendo selbst hat sich mit der Switch auch deutlich von dem Konzept distanziert, was Bände sprechen sollte, wenn sogar die innovativen Japaner den Glauben verlieren.

Ich will euch gar nicht eure Erinnerungen schlecht reden. Ihr habt sicher viele schöne Stunden verbracht mit Splatoon, Mario Kart 8 und so weiter, ganz zu schweigen von den vielen Stunden, die im neuen Zelda noch auf euch warten, wenn ihr nicht zu den Switch-Umsteigern gehört. Aber es fällt schwer, die Wii U als etwas anderes als einen massiven Flop zu sehen - und das aus allen erdenklichen Blickwinkeln. Also weint ihr keine Träne nach, denn sie hat sich den Titel schlechteste Konsole unseres bisher relativ jungen Jahrtausends redlich verdient. Stattdessen freut euch lieber auf die Switch. Denn anders als der Wii-U-Fehlschlag könnte Nintendo hier wirklich mal wieder den Markt aufmischen. Haris

Die Meinung in Beiträgen mit dem Tag "Jetzt spreche ICH!" muss nicht unbedingt der des ganzen DPads entsprechen. Kann! Muss aber nicht.

Kommentare

Eleanara
03. März 2017 um 07:12 Uhr (#1)
"Wenn ihr nicht zu den Switch-Umsteigern gehört" - hätte sich da nicht "zu den Switchern" viel besser angeboten? :'D

Schade eigentlich, dass sich die Wii U als solcher Staubfänger herausgestellt hat... Aber die Switch sehe ich eigentlich als verbesserte Version einer Idee der Wii U - bei der alten Konsole konnte man zu Hause auf den Handheld-Modus wechseln, jetzt haben sie diesen portabel gemacht. Mehr kann ich mir von einer Konsole kaum wünschen - naja, abgesehen von Leistung und Grafik... Aber bei Spielen von Nintendo ist die Grafik ja eh weniger relevant... :D
Gast
25. Juli 2017 um 12:46 Uhr
GASTNAME
E-MAIL (nicht öffentlich)
      
SICHERHEITSFRAGE
Mit wie vielen "d" schreibt sich "dailydpad"?
ANTWORT

Themen

Jetzt spreche ICH!
Sparte - Wir haben eine Meinung und keine Angst, sie auch zu sagen! Manchmal labern wir aber auch nur Anekdoten vor uns her.
Wii U
Plattform

Gefällt dir unser Artikel?

Ähnliche Artikel