Sniper Elite 4 im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 28. Februar 2017

Sniper Elite 4 im Test

Zieht die Köpfe ein, es geht nach Italien

Seitdem es mal auf Steam Sniper Elite V2 gratis gab, hat sich die Serie zu einem meiner kleinen Lieblinge entwickelt. Während V2 noch eine sehr lineare Angelegenheit war, hat man sich in Teil 3 für ein weitaus offeneres Design entschieden. Eine der besten Änderungen, die Entwickler Rebellion machen konnte. Mit Teil 4 wurden daher wohl keine allzu großen Experimente eingegangen und stattdessen hat man einfach das Erlebnis des Vorgängers weiterentwickelt. Das Setting hat hier den größten Wechsel durchgemacht: Nach seinem Afrikaeinsatz wird Karl Fairburne, unser Protagonist, nach Italien geschickt.

Die Story ist mal wieder nur ein Vehikel, um den Spieler durch ein Land zu schicken und Nazis in den Kopf zu schießen. Wie schon in Sniper Elite 3 haben die Nazis mal wieder irgendeine Superwaffe entwickelt und es liegt an Fairburne, diese unschädlich zu machen. Rebellion hat hierbei aber mehr Fokus auf die Präsentation gelegt. Während man in Sniper Elite 3 meist nur durch Briefings erfahren hat, was so passiert, wird man in Teil 4 jetzt am Anfang jeder Mission erst mal in ein Basiscamp gesetzt. Dort kriegt man auch scheibchenweise neben dem Hauptziel die Bonusziele erklärt. In diesen Bonuszielen hilft man der örtlichen Widerstandsbewegung, den Partisanen, im Kampf gegen die Wehrmacht. Ist ganz nett und hilft der Atmosphäre, mehr aber auch nicht. Ich gebe zu, ich spiele die Serie auch nicht wegen der Story.

SniperElite4_1Der kriegt keine Kinder mehr.

Nein, ich spiele die Serie, weil ich aus 300 Meter Entfernung Nazis die Klöten wegballern kann. Die X-Ray-Killcams sind nun mal das große Gimmick der Serie. Ist der Schuss gut genug, zelebriert das Spiel diesen vor euren Augen mit einer schönen Slo-Mo-Aufnahme der abgefeuerten Kugel, wie sie vom Lauf zum Ziel fliegt, und zeigt euch detailliert, wie diese Kugel Knochen zersplittert und eventuell sogar ein Organ durchdringt. Es ist alles dabei, vom Gehirn über Lungenflügel, das Herz, Leber, Niere, Magen-Darmtrakt und auch die eingangs erwähnten Hoden. Im Vergleich zu Teil 3 wurden hierbei die Details der zersplitternden Knochen verbessert und als zerstörbares Organ die Augen hinzugefügt. Ist es brutal? Ein wenig. Ist es notwendig? Nein, man kann es auch abschalten. Guck ich mir jede einzelne X-Ray-Cam an? Na sicher!

Die offenen Level bieten viel Freiheit in der Herangehensweise. Sniper Elite 4 ist nicht zwingend ein Stealth-Spiel, man kann sich theoretisch durch jede Mission durchballern. Schleichen ist nur meist viel interessanter und für einige Nebenziele auch notwendig. In manchen Leveln befinden sich als neuer Gegnertyp Funkoffiziere, welche Verstärkung anfordern, sollten sie Kampfhandlungen mitbekommen. Es lohnt sich, Gegner in ihrer Nähe leise auszuschalten... oder einfach den Offizier aus sicherer Entfernung zu töten. Wie ihr das macht, ist euch überlassen. Ich muss gestehen, ich habe oftmals eine gesunde Mischung aus Schleichen und offener Konfrontation angewendet. Schleichend habe ich mich zu einer guten Position durchgeschlagen, um von dort aus alles aus der Ferne zu erledigen. Dank Minen kann man sich gut selbst den Rücken decken dabei. Man kann es aber auch sein lassen. Ich gebe zu, in meiner Spielzeit keine einzige Mine gelegt zu haben. Aber ich könnte. Ich könnte sogar die Leichen meiner Feinde mit Minen präparieren, um die arme Wurst zu sprengen, die meint sie müsste nachgucken, was da gerade passiert ist.

SniperElite4_3Der rote Geist dort zeigt an, wo der Feind euch zuletzt gesehen hat.

Das ist so die große Krux des Spiels, ein Problem des Vorgängers, welches immer noch präsent ist: Klar gibt einem das Spiel viele Möglichkeiten zu spielen, doch es dürfte sehr schnell klar sein, dass der direkte Weg oftmals der beste Weg ist. Neu hinzugefügt wurden zum Beispiel auch Frachthaken, die man zerschießen kann, um Gegner mit Kisten zu erschlagen. Das habe ich aber nur im Tutorial gemacht, weil es da notwendig war. Danach habe ich die einfach ignoriert, steht eh niemals jemand drunter. Beziehungsweise: warum auf den Frachthaken schießen, wenn ich dem Gegner auch gleich die Kugel in den Kopf jagen kann?

Neu ist auch, dass man wählen kann, ob die Medpacks/Bandagen euch voll heilen oder für halbe Heilung auch noch den Puls senken, damit man schneller wieder gut zielen kann. Habe ich ehrlich gesagt auch nie genutzt, dafür habe ich Fairburnes Puls zu selten ganz hoch getrieben. Außerdem sind die Sprecher der deutschen Soldaten furchtbar. Diese Kritikpunkte sind aber nicht weiter schlimm, es ist halt nur schade drum.

In Teil 3 kam ein Fortschrittsystem neu hinzu. Jeder Kill und jede Aktion belohnen euch mit Erfahrungspunkten und durch Level-Ups kann man neue Ausrüstung für seine Loadouts freischalten. Die XP-Verteilung ist dabei etwas sinnvoller als noch im Vorgänger. So hat man in Teil 3 mehr XP bekommen, wenn man die Luft beim Zielen anhält, wodurch eine Zielhilfe erscheint, die einem zeigt, wohin der Wind und die Schwerkraft die Kugel treiben. In Teil 4 gibt es nun auch Bonus-XP, wenn man auf diese Zielhilfe verzichtet. Auch werden Nahkampfkills höher belohnt als vorher. So fühlt es sich nicht mehr ganz so an, als wolle man den Spieler zu Sniperkills zwingen, auch wenn diese immer noch am stärksten belohnt werden.

SniperElite4_4Es kann nur einen Sniper geben!

Der Multiplayer ist mal wieder nur eine kleine Randnotiz im Gesamtpaket. Nett für zwischendurch, aber nichts, was sich großartig ernst nehmen lässt. Wobei, eine nette Neuerung haben sie mit eingebracht. Ab einer Zweier-Killserie bekommt man Bonuspunkte für den nächsten Kill, sofern man sich weit genug von seiner alten Position entfernt. Ein netter Anreiz, weniger zu campen, denn besonders bei geringen Spielerzahlen kann es schon mal dazu führen, dass man ewig die Gegner sucht, aber keinen findet, weil sich jeder zu gut versteckt hat.

Sniper Elite 4 wagt keine großen Sprünge im Vergleich zum Vorgänger. Stattdessen wurde alles, was in Teil 3 gut funktioniert hat, beibehalten und verbessert, sofern nötig. Klar hat es so seine Macken, insbesondere dass viele Vorgehensweisen nicht die beste Wahl sind, auch wenn sie zum Erfolg führen können. Man macht sich das Leben nur schwer damit. Aber hey, wer will, kann nach dem Tutorial das ganze Spiel beenden ohne auch nur einmal das Scharfschützengewehr anzufassen. Ich persönlich habe wieder meinen Spaß damit gehabt, saftige Headshots zu setzen und mich methodisch durch feindliche Basen zu schießen. Das ist die Nische, welche sich die Serie ausgesucht hat und in der sie sich wohlfühlt. Wer gerne seine Gegner auf Distanz hält, der ist hier gut aufgehoben.

Sniper Elite 4 wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Rebellion zur Verfügung gestellt.

Sniper Elite 4

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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11. Dezember 2017 um 07:03 Uhr
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14. Februar 2017
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Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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