Der Launcher-Wahnsinn

(Artikel)
Adrian Knapik, 22. Februar 2017

Der Launcher-Wahnsinn

Steam, Origin, UPlay, Battle.net, GoG Galaxy...

Mein PC startet. Steam startet, Origin startet, UPlay startet, Battle.net startet, GoG Galaxy startet, der Epic Launcher startet. Und bis mein PC vollständig hochgefahren ist, kann ich auch wieder schlafen gehen. Der Launcher-Wahnsinn nimmt neue Dimensionen an. Natürlich ist es für den Publisher lukrativ, wenn die Spieler möglichst viel auf ihrer eigens entwickelten Plattform verbringen. Aber das einzige, was sie mit dem Launcher-Zwang meistens erreichen, ist der Hass vieler PC-Spieler.

Steam hat es vorgemacht. Nahezu jedes Spiel wird heute bei Steam angeboten. Dazu hat Valve einen eigenen Marktplatz errichtet, auf dem Spieler Ingame-Gegenstände für echtes Geld kaufen und verkaufen können und für jede Transaktion einen bestimmten Prozentsatz an Geld abzwacken. Plötzlich steht da eine Gestalt am Fenster – mit Dollarzeichen in den Augen. EA hat mitbekommen, was für Geldsäcke beim Steam-Entwickler liegen und möchte ein Stück von dem Kuchen ab haben. Origin war geboren.

Von Anfang an war klar, dass Origin keinen guten Stand haben würde. Die PC-Spieler hatten sich gut damit angefreundet, mit Steam einen universellen Launcher für alle Spiele zu besitzen. Und plötzlich muss jeder, der Battlefield spielen möchte, Origin installieren. Für die Gegner des Clients war es natürlich ein gefundenes Fressen, dass schnell Vorwürfe über die Datenspionage aufkamen. Und kaum startete Electronic Arts mit ihrem Launcher, fiel ein paar Wochen später deshalb auch wieder der Gnadenschuss. Bis heute konnten sie sich nicht ansatzweise gegen Steam durchsetzen und halten sich nur noch am Leben, indem sie für jedes EA-Spiel auf die Installation von Origin bestehen. Auch Battle.net lebt parallel zu Steam. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Es nervt.

UPlay ist der Launcher von Ubisoft und stellte zu Beginn seiner Lebenszeit exakt die gleichen Anforderungen an Interessierte: wer ein Ubi-Spiel auf dem PC besitzen möchte, musste das über UPlay aktivieren. Mittlerweile wurden die Zügel ein wenig gelockert und die Spiele sind auch wieder im Steam Store zum Kauf verfügbar, sodass ihr zwar immer noch UPlay installiert haben müsst, aber für den Start des Spieles im Grunde genommen nur Steam benötigt. Trotzdem hat der Ubi-Launcher immer noch zahlreiche Ecken und Kanten, an denen ich mich häufig stoße: Downloads brechen manchmal ohne Grund ab, Spiele ab 18 darf man nur ab 22 Uhr im Store kaufen. Kundenunfreundlich und unausgereift – genauso vergrault man seine User, Glückwunsch! Außerdem liegt der Nachteil von den vielen Launchern klar auf der Hand: Nutzer mit schwächeren Computern müssen meistens jedes kleine bisschen Leistung aus ihrem PC herausquetschen, um akzeptable Framerates zu bekommen. Da kann man jedes weitere im Hintergrund laufende Programm nur zähneknirschend annehmen.

Da heute viele auch gerne während des Spielens mit Freunden über die integrierten Chat-Funktionen schreiben, haben wir noch ein Problem mit verschiedenen Launchern. Wenn einer Counter-Strike und der andere Battlefield spielt, ist es schon wieder ziemlich nervenaufreibend miteinander zu schreiben. Entweder man schreibt über Origin oder über Steam und das heißt, dass einer von beiden sein Spiel minimieren muss, um zu antworten. Man kann natürlich versuchen, beide Ingame-Overlays gleichzeitig laufen zu lassen, indem man Spiele als steamfremd integriert – das führt aber häufig zu Inkompatibilität, Abstürzen oder funktioniert erst gar nicht. Und schon wieder sind alle Nutzer angepisst – toll gemacht, liebe Publisher!

Ich frage mich bis heute, wieso die Publisher es bevorzugen, lieber einen schlechteren Ruf bei den PC-Spielern zu haben und dafür mit aller Macht ihren eigenen Launcher durchboxen, als der "Good Guy" auf dem Markt zu sein. Wie man es richtig macht, zeigt CD Projekt Red mit ihrem GoG Galaxy Launcher. Alle Spiele können über den Launcher gestartet werden – man kann sie aber auch außerhalb dieser Umgebung problemlos spielen, wodurch Kompatibilitätsprobleme ausgeräumt werden. Wieso nicht gleich so?

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24. April 2017 um 07:33 Uhr
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