Nintendo Switch

(Artikel)
Adrian Knapik, 26. Februar 2017

Nintendo Switch

Wieso mich der bevorstehende Launch zerreißt

Der Mauszeiger schwebt über dem roten, riesigen Button. Bedrohlich steht auf ihm geschrieben: "Vorbestellen". Schweiß rinnt über meine Stirn. Mein Finger zuckt über der linken Maustaste. 330 Euro könnten den Besitzer wechseln. Aus der Tasche des kleinen, armen Studenten zum Branchen-Giganten Nintendo. Jede Nacht verfolgen mich Träume. Leere, diabolisch lachende Geldbörsen - aber auch nie endender Spielspaß.

Der nahende Launch der Nintendo Switch zerreißt mich. Ja, ich gebe zu, ich habe sogar schon einmal davon geträumt, dass ich den ganzen Spaß verpasse, weil ich mich gegen die Bestellung entschieden habe. Wie es sich für einen Traum gehört, tritt natürlich direkt die Apokalypse ein, weil Nintendo nämlich nur genauso viele Konsolen produziert hat, wie vorbestellt worden sind. Doofes Gehirn. Aber wieso bereitet mir der Launch eigentlich so schweißtreibende Nächte?

Bevor die Switch in allen Details präsentiert wurde, hatte ich mir fest vorgenommen, dass die nächste Nintendo-Konsole auf jeden Fall in meinem Wohnzimmer landen wird. Nachdem mich (und viele andere) die Wii U ziemlich enttäuscht hat, sehne ich mich nach einer langen Zeit des Entzuges wieder nach dem typischen Nintendo-Charme. Und dafür müssen zwingend eine neue Konsole und neue Spiele her. Ich habe keine Lust mehr, mich selbst damit abzuspeisen, Super Mario 3D auf dem Nintendo 64, Mario Kart Double Dash auf dem GameCube oder Wii Sports auf der Wii zu spielen.

Stichwort Wii Sports: Hier findet sich nämlich der erste Punkt auf, der auf meiner Kontra-Liste zu finden ist. Es schreckt mich ab, dass die Nintendo Switch ohne beigelegtes Spiel kommt. So kommen zum Grundpreis noch mindestens 50 Euro drauf, damit man überhaupt etwas mit der Konsole anfangen kann. Wenn Nintendo zum Beispiel das Partyspiel 1-2-Switch dazulegen würden, was durchaus mit Wii Sports zu vergleichen ist, wäre schon eine große Hürde für mich überwunden. Ich habe mir bisher keine Konsole zum Launch gekauft, ohne dass in der Verpackung ein Spiel mitgeliefert wird. Meinetwegen kann es ein Download-Code sein, aber gebt doch wenigstens ein Spiel zur Konsole mit!

Und da ist auch schon der zweite Knackpunkt in meinem persönlichen Kampf mit der Switch. Wie zur Hölle kommt man auf die Idee, heutzutage eine Konsole auf den Markt zu werfen, die nur 32 GB internen Speicher hat? Das ist einfach nur ein schlechter Scherz. Ja, der Speicher ist durch eine SD-Karte erweiterbar, aber trotzdem hätte man durchaus etwas großzügiger beim Thema Speicherplatz sein können. Die Launch-Spiele Dragon Quest Heroes 1 + 2 sind übrigens schon 32GB groß – passen also gar nicht auf die Switch drauf. Das einzige Gegenargument liegt darin, dass Spiele von physischen Datenträgern nicht auf die Konsole installiert werden müssen. Trotzdem braucht man einfach eine SD-Karte, damit einem nach einer Woche nicht der Speicher überläuft. Eine Speicherkarte mit 128GB kostet übrigens aktuell zwischen 40 bis 50 Euro. Noch mal einen Fuffi drauf, sind wir mittlerweile bei 430 Euro angelangt. Ein teurer Spaß.

Aber was gibt es eigentlich für interessante Launch-Titel? Wenn wir ehrlich sind, gibt es exakt drei Spiele, die den durchschnittlichen Gamer interessieren: Zelda, Bomberman und 1-2-Switch. Alle anderen sind schon alt und auf gefühlt allen anderen Plattformen vertreten. Für mich heißt das: wenn ich mir die Switch zum Release kaufe, habe ich als einzig wahres Zugpferd nur Zelda vor mir liegen. Verstaubte Konsole vorprogrammiert. Bomberman war nie mein Spiel und 1-2-Switch wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Titel sein, der einen stundenlang bei Laune hält. Bei all dem Hype für Breath of the Wild - das ist zu wenig, Nintendo!

Nicht mal Retro-Games kann man sich runterladen, denn Nintendo hat es nicht geschafft, die Virtual Console zum Launch verfügbar zu machen.

Umso mehr freut es mich, dass endlich ein ebenbürtiger Online-Dienst zu Xbox Live und PlayStation Network aufgebaut werden soll. Stabiles Online-Gaming mit ordentlichen Servern und all den Schnickschnack, den wir von der Konkurrenz schon seit zwei Generationen geliefert bekommen. Die Frage ist nur, ob Nintendo auch Spiele liefert, die diese Infrastruktur ausnutzen werden. Mit Splatoon haben sie schon gezeigt, was sie draufhaben – jetzt heißt es nachlegen!

Ihr seht, ich bin mehr als skeptisch gegenüber der Nintendo Switch. Es hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass wie bei dem 3DS der Adapter zum Aufladen fehlt, dann hätte ich wohl von Anfang an auf meine innerliche Boykott-Taste gehämmert. Vermutlich werde ich erst mal abwarten, was für Spiele noch angekündigt werden. Und bis dahin werde ich häufiger mal beim Ben sitzen und mit ihm 1-2-Switch spielen. Adrian

Kommentare

Rian
27. Februar 2017 um 00:13 Uhr (#1)
Würde Nintendo die Smash-Bros.-Serie für den PC herausbringen, würde ich mir wahrscheinlich nie wieder eine von deren Konsolen kaufen. Ich bleibe weiter bei meinem Plan, das Teil irgendwann gebraucht zu erstehen.

Ich meine:

1. Es ist ein Tablet ohne Netflix. Das muss man sich erst mal vorstellen.
2. Die Joycon-Halterung lädt die Controller nicht auf.
3. Breath of the Wild kann gut werden, ist aber auch der einzige einigermaßen interessante Titel weit und breit.
4. Keine nennenswerte Grafikleistung (Sorry, aber schon meine Xbox One schmerzt mich langsam)
5. Dass Nintendo einen Onlineservice hinbekommt, glaube ich ohne Gegenbeweise keine Sekunde

Expliziter Kaufgrund zum Launch:
...Zelda mit "besserer" Grafik spielen als auf der Wii U? Juhu?

Der einzige Grund, abgesehen von einem Spiel. die Konsole sofort zu kaufen, ist, Nintendo genügend Verkaufszahlen zu geben, damit sie sich weitere Studios angeln können. Sprich: Dafür zu bezahlen, dass Nintendo das macht, was sie im Vorfeld für den Launch anscheinend nicht selbst geschafft haben.
Ben
01. März 2017 um 14:08 Uhr (#2)
Wie bei jeder Vorbestellung kauft man ein Versprechen. Das ist bei der Switch nicht anders als bei einem neuen Spiel.

Die Frage ist, ob man an das Versprechen glaubt und davon überzeugt ist, dass das Produkt Potential hat. Wie fast immer wird es sich aus Vernunft heraus lohnen, vorerst abzuwarten. Dennoch sind Rians Argumente, bis auf das letzte, nicht sehr gut.

1. Viele Konsolen hatten Netflix und andere Apps nicht direkt zum Launch. Dass es kommen wird? Keine Frage.
2. Die Joy-Cons laden auf, wenn sie an der Switch befestigt sind und haben eine Akkulaufzeit von 20h. Da sehe ich kein Problem.
3. Nur Top-Wertungen von allen Outlets, die Tests veröffentlicht haben - Ja, es wird gut.
4. Die Switch wischt mit 3DS und PS Vita den Boden auf. Die Grafikleistung ist gehobener Tablet-Standard mit Optimierung für Spiele. Der Vergleich zu PC-Standards ist einfach nicht angemessen.
5. Ja, das bleibt abzuwarten.
Gast
26. Mai 2017 um 18:51 Uhr
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