Fate/Extella im Test

(Artikel)
Haris Odobašić, 27. Februar 2017

Fate/Extella im Test

Territorialschlacht der Helden

Es wird Zeit, ein großes Geständnis abzulegen: Ich, selbsternannter Japan-Experte beim Dpad, habe keine Ahnung von der Fate-Reihe. Ich habe weder die Visual Novels gespielt, noch die Anime-Adaptionen geschaut oder mich sonst irgendwie damit beschäftigt. Während ein Teil der Leser nun den Kopf kratzt, da sie selbst nicht wissen, was Fate ist, dürfte der Rest nun wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts dieser Ignoranz. Denn Fate ist ein extremes Phänomen in Japan. Wie extrem? Fate/Grand Order, ein Handy-Ableger der Reihe, konnte letztes Jahr zum Beispiel auf der Android-Plattform an 104 von 133 Tagen mehr Geld einnehmen als Pokémon Go. Grund genug also, diese Wissenslücke mit Fate/Extella: The Umbral Star wenigstens ein bisschen zu stopfen.

Das Grundkonzept bei Fate ist, dass es in unserer Welt regelmäßig zu einem Wettstreit zwischen Magiern kommt, Holy Grail War genannt, bei dem es um den heiligen Gral als Preis geht. Dieser ermöglicht die Erfüllung eines jeden Wunsches. Extella spielt dabei direkt im Anschluss an einen Holy Grail War: Ihr habt gewonnen und seid nun eigentlich zusammen mit eurem Servant, der Verkörperung der Seele eines Helden aus vergangenen Zeiten, rechtmäßiger Herrscher. Bis sich herausstellt, dass ein Klon von euch existiert mit genau dem gleichen Herrschaftsanspruch. Jetzt gilt es, herauszufinden, was es mit dieser anderen Version von euch auf sich hat – und natürlich die Herrschaftsfrage zu klären.

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Das tut man natürlich am besten auf dem Schlachtfeld. Das generelle Ziel ist dabei immer die Eroberung von Gebieten, indem ihr die feindlichen Streitkräfte vernichtet. Um ein Level abzuschließen, müsst ihr in der Regel die Mehrheit der Gebiete halten und euch gelegentlich noch mit einem Boss duellieren.

Das Erobern stellt sich aber als nicht so einfach heraus. Denn auch die feindlichen Streitkräfte können ganz dreist eure Gebiete erobern. Entsprechend hat man beim Spielen selten auch nur eine ruhige Sekunde. Wenn man nicht gerade erobert oder gegenerobert, stresst euch das Spiel zum Beispiel mit aufploppenden feindlichen Servants oder es gilt eine "Plant" zu beseitigen, eine Art mobilen Spawnpunkt für etwas härtere Minions. Dadurch kommt aber bei den Kämpfen natürlich niemals auch nur annähernd so was wie Langweile auf.

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Marvelous hat beim Kampfsystem die bewährte Technik aus Senran Kagura recycelt, was Eingängigkeit und rasend schnell in die Höhe schnellende Komboanzeigen bedeutet. Allerdings gibt es auch Modifikationen wie den Extella-Maneuver-Spezialangriff, der euch alle Gegner auf dem Bildschirm gleichzeitig angreifen lässt, oder die Möglichkeit, mit perfektem Timing den Schlag eines Feindes mit einem eigenen zu kontern.

Abseits der Hauptgeschichte, die durch mehrere Perspektiven erzählt wird, gibt es auch die Möglichkeit, in Nebenstories in die Haut anderer Servants zu schlüpfen. Diese sind euch storytechnisch untergeben, da sie keinen eigenen Meister haben, und tauchen auch in der Kampagne als NPCs auf, die teilweise an eurer Seite kämpfen.

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Neben "Klassikern" wie Lu Bu, der scheinbar in jedem Spiel auftauchen muss, was irgendwie etwas mit Mythologie und antiker Geschichte zu tun hat, gibt es auch genug Figuren, die einem so nicht unbedingt direkt bekannt sein dürften. Cú Chulainn beispielsweise, ein Kämpfer aus der irischen Mythologie. Insgesamt gibt es fast 20 Servants, womit für Abwechslung gesorgt ist.

Darum ist es schon etwas schade, dass der Nebengeschichten-Modus zu den schlechteren Features des Spieles zählt. Denn in recycelten Gebieten wird das in der Kampagne etablierte Schema nur ad infinitum wiederholt. Damit sind die Nebengeschichten eigentlich nur eine Möglichkeit, die Kampfstile der anderen Servants auszuprobieren, was man aber aufgrund der sich einstellenden Eintönigkeit nicht unbedingt will. Zumindest nicht über mehrere Stunden, was ungefähr der Zeitrahmen pro Nebengeschichte ist. Koop- oder Multiplayer-Versus-Modi fehlen vollkommen. Da auch mit der Story gegeizt wird, bleibt nur eine vergebene Chance, die Servants tiefgehender zu behandeln.

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Fate/Extella: The Umbral Star ist die bisher beste Interpretation des Senran-Kagura-Kampfsystems gepaart mit einer Story, die definitiv Lust macht auf die Fate-Reihe mit ihren epischen, allesumspannenden Duellen zwischen den Verkörperungen von Heldenseelen. Nur schade, dass man die Chance verpasst hat, auch alle Charaktere würdig zu behandeln. So bleiben viele der Nebenfiguren etwas farblos. Aber gut, aus irgendeinem Grund muss es ja eine Fate-Animeserie geben! Haris

Fate/Extella wurde auf der PlayStation Vita getestet. Ein Testmuster wurde uns von Marvelous zur Verfügung gestellt.

Fate/EXTELLA: The Umbral Star

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Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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25. Juli 2017 um 12:42 Uhr
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20. Januar 2017
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Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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