Faszination Simulatoren

(Artikel)
Adrian Knapik, 21. Januar 2017

Faszination Simulatoren

Wieso tue ich mir das eigentlich an?

Viele Leute fragen mich: Wieso spielst du so eine Scheiße? Oder sie belächeln mich einfach, wenn ich ihnen meine aktuellen Lieblingsspiele nenne. Man trifft halt nicht häufig Menschen, die auf so eine Frage mit Train Simulator antworten. Mit dem Landwirtschafts Simulator hat sich zumindest ein Genre-Vertreter im Mainstream etabliert, auch wenn er immer noch nicht vollends im Massenmarkt akzeptiert wurde. In diesem Artikel möchte ich aus Sicht eines Simulator-Fans erklären, wieso wir fasziniert von diesen Spielen sind und wieso wir trotz unzähligen schlechten Spielen immer noch am Ball bleiben.

ts16_cockpitDie weite Prärie aus der Sicht eines Zugführers. Einfach nur geil.

Viele Simulator-Fans bekommen im Gespräch meistens an den Kopf geworfen, wieso sie denn Spiele spielen, die optisch so aussehen, als hätte ein jungfräulicher Designstudent aus dem ersten Semester über die Tastatur erbrochen. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht der Sache widersprechen, dass Simulatoren grafisch zu 99 Prozent der Fälle nicht auf der Höhe der Zeit sind. Stattdessen habe ich eine Sache dazu zu sagen: Grafikwahnsinn macht kein gutes Spiel. Gerade Simulatoren sind zumeist eher ruhigere und unaufgeregte Umgebungen, in denen euch nicht zweihundert Lens Flares die Augen zerschießen sollen, wenn ihr euch auch nur ansatzweise Richtung Sonne dreht.

Man muss vor allem auch die andere Seite sehen: mit Simulatoren machen Entwickler und Publisher nicht viel Geld. Dementsprechend ist das Budget insgesamt auch deutlich geringer, was darin resultiert, dass einige Aspekte kürzer kommen als andere. Und da bei Simulatoren ja stets die realitätsnahe Spielerfahrung im Vordergrund steht, und dieser Aspekt häufig unglaublich schwierig zu entwickeln ist, fließt die meiste Kohle nun mal dort rein. Da bleibt kein Platz mehr für realitätsgetreue Pickel und Real-Time-Schimmeling eurer Gebäude.

lawi17_1Simulationen können sogar Emanzipation! Da staunt ihr, was?

Vielleicht hat es der ein oder andere schon bemerkt, denn ich habe es schon angedeutet. Simulatoren sind für mich ein Ort der Entspannung. Ich möchte diese Spiele nicht spielen, damit mich Arnold Schwarzenegger mit einem Maschinengewehr auf der Schulter anschreit, was für eine Pussy ich bin. Ich möchte eine Simulation spielen, damit ich mich für ein paar Minuten vor dem Rechner vollkommen entspannen kann. Na ja, einschlafen möchte ich nicht, aber zumindest meine Ruhe haben. Wenn ich als Busfahrer durch meine virtuelle Stadt rolle und dem nächsten Fahrgast 50 Cent zu viel für sein Ticket abzocke, ist das Genugtuung genug.

Zu den Simulationen gehören aber nicht nur die offensichtlichen Titel, von denen es unzählige auf dem Markt gibt, sondern auch solche wie Cities: Skylines oder ArmA. Es sind Simulationen, nur eben nicht so Hardcore wie der gute alte Toiletten-Simulator. Und auch diese Spiele haben ihren Reiz, stechen sie doch mit ihrer besonderen Spielart von den Mitbewerbern heraus, als würden sie ein Blaulicht auf dem Kopf tragen. Es gibt also auch große Simulationen, die sich allerdings gut und gerne vor der Klassifizierung in dieses Genre scheuen, denn sie spüren die Hater mit einer Mistgabel im Nacken. Auch nur einen Ticken zu Hardcore und schon versperrt man sich einem riesigen Markt, wird von den einen geliebt und von den anderen einfach nicht beachtet.

bussim16_cockpitKommt schon, wer wollte denn nicht schon immer auf diesem Sitz platznehmen?

Das Schöne an Simulatoren ist aber auch, dass, egal in welche Richtung man sich bewegt, die Community im Gegensatz zur sonstigen Toxic-Bewegung total einladend und nett ist. Da begrüßt man einen Fremden im Internet und plötzlich lädt er einem schon zum gemeinsamen Beischlaf ein. Wie gesagt, man findet halt nicht häufig Gleichgesinnte. Und obwohl die Sparte so klein und abgeschottet scheint, ist sie so liebevoll, dass man einfach hingehen und die Hand ausstrecken muss. Das Angebot lehnen wir trotzdem lieber ab.

War das nun eine Liebeserklärung? Oder doch nur ein verzweifelter Versuch mich zu rechtfertigen? Ich weiß es nicht. Aber irgendwie musste das mal raus. Wie ihr vielleicht wisst, spiele ich ja auch nicht ausschließlich nur Simulatoren. Ich finde immer, eine gute Mischung macht am meisten glücklich. Und genau dafür stehe ich am Ende ein: verspottet euch nicht gegenseitig für eure liebsten Genres, sondern öffnet euch doch einfach mal. Vielleicht gefällt es euch ja. Vielleicht gibt es ja auch einen leckeren Tee als Belohnung. Adrian

Kommentare

Kristin
25. Januar 2017 um 19:00 Uhr (#1)
Oah, Klomanager Deluxe für 4,99 auf Steam!!! Diese Versuchung!
Gast
21. Oktober 2017 um 10:17 Uhr
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